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Das Weisheitsbuch des Jesus Sirach schildert poetisch die Weisheit oder den Geist Gottes. Dem Dichter werden die schönen Pflanzen mit ihrer reichen Fruchtbarkeit Bild für die Fülle der Weisheit Gottes, für Seine Gaben und Gnaden. Wer aufmerksam, mit gläubigem Herzen und offenen Sinnen durch die Welt geht, dem spricht alles von Gott und seiner Schönheit, von Seinem Duft, seiner Fülle und Weisheit.

(c) Michael Janssen - Fotolia.com

Jesus Sirach 24,9 Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen / und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. 

10 Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt / und wurde dann auf dem Zion eingesetzt. 

11 In der Stadt, die er ebenso liebt wie mich, fand ich Ruhe, / Jerusalem wurde mein Machtbereich. 

12 Ich fasste Wurzel bei einem ruhmreichen Volk, / im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz. 

13 Wie eine Zeder auf dem Libanon wuchs ich empor, / wie ein wilder Ölbaum auf dem Hermongebirge. 

14 Wie eine Palme in En-Gedi wuchs ich empor, / wie Oleandersträucher in Jericho, wie ein prächtiger Ölbaum in der Schefela, / wie eine Platane am Wasser wuchs ich empor. 

15 Wie Zimt und duftendes Gewürzrohr, / wie beste Myrrhe strömte ich Wohlgeruch aus, wie Galbanum, Onyx und Stakte, / wie Weihrauchwolken im heiligen Zelt. 

16 Ich breitete wie eine Terebinthe meine Zweige aus / und meine Zweige waren voll Pracht und Anmut. 

17 Wie ein Weinstock trieb ich schöne Ranken, / meine Blüten wurden zu prächtiger und reicher Frucht. 

19 Kommt zu mir, die ihr mich begehrt, / sättigt euch an meinen Früchten! 

20 An mich zu denken ist süßer als Honig, / mich zu besitzen ist besser als Wabenhonig. 

21 Wer mich genießt, den hungert noch, / wer mich trinkt, den dürstet noch. 

22 Wer auf mich hört, wird nicht zuschanden, / wer mir dient, fällt nicht in Sünde. / [Wer mich ans Licht hebt, hat ewiges Leben.] 

Seitwert
www.leben-lernen-lieben.de


Gedichte 

Es gab in der DDR eine Lyrikreihe mit dem Titel „Poesiealbum“. Das Heft kostete 90 Pfennig. In Poesiealben junger Mädchen stehen ja oft sehr kuriose Sprüche. In dieser Reihe „Poesiealbum“ kamen damals aber ganz wunderbare Gedichte heraus. Unter der Nr. 218 erschien ein Band der japanischen Poetin Toyotama Tsuno, meisterlich übertragen von Manfred Hausmann. Das Heft habe ich noch immer und es ist mir ein kostbarer Schatz. Diese ganz kurzen Gedichte haben mich sofort gefangen genommen. 

Hier ein erstes: 

Seit ich Nacht für Nacht
auf seine Schritte warte,
weiß ich erst,
wie viele Geräusche
in der Stille geschehen. 

 

Viele sind solch kurze Liebesgedichte. Die liebende Toyotama horcht sehnsüchtig nach den Schritten des Geliebten und hört in ihrem aufmerksamen Lauschen in der Stille der Nacht so viele andere Geräusche. Eine konkrete Situation, für jede/n einfühlbar.  

Aber ist es nicht auch die Situation eines Menschen, der in die Stille geht, um zu beten, um Gottes Kommen zu hören? Und wie viele Geräusche höre ich in dieser Stille? Wie viel lenkt mich immer wieder ab vom Lauschen auf Seine Schritte. Wie sehr werde ich gewahr, was nicht nur außer mir, sondern auch in mir an vielen Geräuschen geschieht!  

Und was mir sonst nicht bewusst war, wie das liebevolle Warten die Wahrnehmung der Welt verändert. Es lässt uns neue Dimensionen erfahren von so vielem, das ja auch sonst da ist, mir aber in meiner Selbstverschlossenheit entgeht.  

Ein ganz anderes Gedicht: 

Sie sagen Silberfuchs,
obwohl nur ein wenig Grau
auf dem Schwarz seines Felles liegt.
Aber sie sagen ja auch
Liebesglück.

 

Nur die Haarspitzen beim Silberfuchs sind grau. Das übrige Haar ist schwarz oder erdig braun. Welche Melancholie in dem Gedicht! Auch in der Liebe ist das Meiste Mühe und Schmerz und Sehnsucht, ungestillte Sehnsucht. Aber doch diese Momente unsagbaren Glücks, Liebesglücks. Und kennt nicht auch jeder Gottsucher diese Erfahrung? Mühe, Suche, Leere, Aushalten, Zweifel, Nichts und wieder Nichts und dann doch unsagbare Erfüllung. Glück und Freude und Einssein, das es sonst nicht gibt. Gottesglück. 

Und noch eines:

Auf meiner Hand liegt eine Flaumfeder,
die vom Himmel herabgesunken ist,
hellgrau mit einem Hauch von Rosa.
Der Vogel, der sie verloren hat,
weiß nichts von meinem Glück. 

 

Wem ist es nicht auch schon so gegangen? Eine Kleinigkeit, wunderschön und überraschend, fällt mir zu und bringt mir Freude. Ein Lächeln im Vorübergehen. Ein Wort, das erst viel später auf der Straße seine tröstende und froh machende Kraft entfaltet.

Aber ja noch mehr: der Vogel, der dieses kleine Wunderwerk verloren hat, ahnt nicht, welche Freude er in mir ausgelöst. Wie es mir manchmal mit Kindern geht, die ich beim Spielen beobachte. Welch eine fast schmerzvolle Liebe mir da durchs Herz ziehen kann. Dieser Charme, diese unbewusste Grazie, die Unschuld des Jungseins. Das Kind ahnt nicht, was es da in mir auslöst.  

Und ist das nicht das, was wir mit dem Wort Gnade in der Theologie zu beschreiben suchen? Wie oft hat der begnadete Mensch keine Ahnung, wie glücklich und reich er andere beschenkt, oft einfach durch sein Dasein. Und so ist es ja auch mit den Gnadengaben Gottes gemeint. Sie sind nicht für den eigenen Genuss bestimmt, sondern für die anderen da. Ja, wir selber ahnen nicht, wie Gott selbst hinter all diesen Überraschungen lebt und liebt und wirkt und uns persönlich meint. 

So ahnt auch Toyotama nichts davon, wie ihre zarte Lyrik auch von Gott und seiner Liebe erzählt. Mir aber fällt diese wunderbare Flaumfeder in den kalten achtziger Jahren in die Hände. Tröstend und verzaubernd.

21.09.2010 

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