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Der Prophet Jesaja gehört zu den ersten, die diese Unterscheidung eingeschärft haben zwischen dem Götzen, den sich die Menschen selber machen, und dem absoluten Gott, den man nicht durch Bilder darstellen kann und der absolut ist. Und er verspottet die selbstgemachten Götter, die so viele für absolut halten und doch nur Staub und Asche sind.

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Jes 44,6 So spricht der Herr, Israels König, / sein Erlöser, der Herr der Heere: Ich bin der Erste, ich bin der Letzte, / außer mir gibt es keinen Gott. 

7 Wer ist mir gleich? Er soll sich melden, / er tue es mir kund und beweise es mir. Wer hat von Anfang an die Zukunft verkündet? / Sie sollen uns sagen, was alles noch kommt. 

8 Erschreckt nicht und fürchtet euch nicht! / Habe ich es euch nicht schon längst zu Gehör gebracht und verkündet? Ihr seid meine Zeugen: Gibt es einen Gott außer mir? / Es gibt keinen Fels außer mir, ich kenne keinen. 

9 Ein Nichts sind alle, die ein Götterbild formen; / ihre geliebten Götzen nützen nichts. Wer sich zu seinen Göttern bekennt, sieht nichts, / ihm fehlt es an Einsicht; darum wird er beschämt. 

10 Wer sich einen Gott macht / und sich ein Götterbild gießt, / hat keinen Nutzen davon. 

11 Seht her, alle, die sich ihm anschließen, werden beschämt, / die Schmiede sind nichts als Menschen. Sie sollen sich alle versammeln und vor mich treten; / dann werden sie alle von Schrecken gepackt und beschämt. 

12 Der Schmied facht die Kohlenglut an, / er formt (das Götterbild) mit seinem Hammer / und bearbeitet es mit kräftigem Arm. Dabei wird er hungrig und hat keine Kraft mehr. / Trinkt er kein Wasser, so wird er ermatten. 

13 Der Schnitzer misst das Holz mit der Messschnur, / er entwirft das Bild mit dem Stift / und schnitzt es mit seinem Messer; er umreißt es mit seinem Zirkel / und formt die Gestalt eines Mannes, das prächtige Bild eines Menschen; / in einem Haus soll es wohnen. 

14 Man fällt eine Zeder, wählt eine Eiche / oder sonst einen mächtigen Baum, den man stärker werden ließ / als die übrigen Bäume im Wald. Oder man pflanzt einen Lorbeerbaum, / den der Regen groß werden lässt. 

15 Das Holz nehmen die Menschen zum Heizen; / man macht ein Feuer und wärmt sich daran. Auch schürt man das Feuer und bäckt damit Brot. / Oder man schnitzt daraus einen Gott / und wirft sich nieder vor ihm; man macht ein Götterbild / und fällt vor ihm auf die Knie. 

16 Den einen Teil des Holzes wirft man ins Feuer / und röstet Fleisch in der Glut / und sättigt sich an dem Braten. Oder man wärmt sich am Feuer und sagt: / Oh, wie ist mir warm! Ich spüre die Glut. 

17 Aus dem Rest des Holzes aber macht man sich einen Gott, / ein Götterbild, vor das man sich hinkniet, zu dem man betet und sagt: / Rette mich, du bist doch mein Gott!

18 Unwissend sind sie und ohne Verstand; / denn ihre Augen sind verklebt, sie sehen nichts mehr / und ihr Herz wird nicht klug. 

19 Sie überlegen nichts, / sie haben keine Erkenntnis und Einsicht, / sodass sie sich sagen würden: Den einen Teil habe ich ins Feuer geworfen, / habe Brot in der Glut gebacken / und Fleisch gebraten und es gegessen. Aus dem Rest des Holzes aber habe ich mir / einen abscheulichen Götzen gemacht / und nun knie ich nieder vor einem Holzklotz. 

20 Wer Asche hütet, / den hat sein Herz verführt und betrogen. Er wird sein Leben nicht retten / und wird nicht sagen: / Ich halte ja nur ein Trugbild in meiner rechten Hand.

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Ganz und gar 

Wer ich bin, entscheide ich. Und zwar indem ich mich entscheide. Für einen Lebensweg. Für bestimmte Werte. Für einen Beruf. Für einen Menschen. Für einen Glauben. Aus all diesen Entscheidungen setzt sich dann meine Identität zusammen. Allerdings ist dabei auch schon vieles vorgegeben. Nicht so viel wie vor zweihundert oder dreihundert Jahren, als all dies, worin ich heute frei bin zu entscheiden, weithin von der Herkunft und der Familie her vorgegeben war und entschieden wurde. Ja, es gibt bis heute einen Streit darüber, wie frei der Mensch in seiner Wahl überhaupt ist und ob nicht die Gene oder die Gesellschaft bis heute weithin bestimmen, wer ich bin, und unsere freie Wahl doch nur eingebildet ist. 

Das will ich hier nicht diskutieren. Wir sind frei. Das ist meine feste Überzeugung. Aber unsere Freiheit ist begrenzt. Und es ist gut und wichtig, das zu wissen und zu akzeptieren. 

Was ich heute einmal betrachten möchte, ist etwas anderes. Gerade als ich meinen letzten Impuls schrieb, ist mir klar geworden, dass die Geschichte der Deutschen mit ihrem heftigen Zusammenbrüchen von Identitäten: Kaiserzeit, Nazizeit, Sozialismus, auch mit einer großen Gefahr bei unseren Entscheidungen zusammen hängt. Das ist einmal die Gefahr, sich falsch zu entscheiden. Klar, Hitler zu folgen und sich für ihn und seine Versprechen zu entscheiden, war falsch. Klar, Stalin und seinen Verheißungen zu folgen, war falsch. Und darum sagen heute viele, ich entscheide mich für gar nichts mehr außer für mein eigenes Fortkommen und mein privates Glück. Bitte keine Partei, keine Religion, keine Weltanschauung mehr. 

Ich meine aber etwas anderes. Es geht nicht nur um die richtige oder falsche Weltanschauung. Den richtigen oder falschen Glauben. Die richtige oder falsche Partei. Nein, es geht um die Art und Weise, in der ich mich entscheide und binde. Nämlich ob ich mich an eine Weltanschauung, eine Partei, einen Menschen ganz und gar, absolut und total binde. Und der Anspruch dieser Institutionen war meist so absolut. Die Partei wollte immer den ganzen Menschen, nicht nur ein bisschen. Die Nation oder die Religion wollte auch immer den ganzen Menschen. Ganz und gar. Absolut und total. 

Wenn ich mich aber an Vorletztes, an Endliches und Begrenztes so ganz und gar, so absolut und total binde und mich dafür entscheide, dann kann und muss es scheitern und zerbrechen. Nicht umsonst nannte man diese Regime totalitär. Sie hielten sich selbst für ein Letztes und Totales, waren es aber nicht. Sie wollten alles von ihren Anhängern, konnten ihnen aber nichts Absolutes geben. Immer wenn mir ein solcher totaler Anspruch von Parteien, weltanschaulichen Gemeinschaften, in der Wirtschaft, beim Geld begegnet, sollten die Alarmglocken schrillen. Klingelt es bei Ihnen wenigstens ein bisschen? 

Aus meiner Erfahrung als Seelsorger kann ich sagen, dass heute viele Ehen daran zerbrechen, dass die Partner zu viel voneinander wollen und fordern. Der andere soll das totale Glück, die absolute Seligkeit schenken. Er/sie soll mir ganz und gar gehören. Sie/er soll mir der Himmel auf Erden sein. Die Partner vergöttern einander. Und da wird es schief. Und da geht es schief. Denn einen solchen Anspruch kann kein Mensch erfüllen. 

Und wenn ich mich so ganz und gar, so absolut und total an Menschen oder Gemeinschaften oder Sachen binde, dann zerbricht meine Identität irgendwann. Dann weiß ich nachher nicht mehr, wer ich bin. Dann kommt die Krise und der Zusammenbruch. Und das ist uns Deutschen passiert. Gerade weil wir die Neigung haben, etwas ganz und gar zu tun bis zur Selbstaufgabe. 

Die Folgerung für viele, die ein solches Zerbrechen, eine solche Enttäuschung erlebt haben, ist: Ich binde mich gar nicht mehr. Ich entscheide mich für nichts und niemanden mehr. Ich lasse alles offen. Aber das ist es eben auch nicht. Ohne Entscheidung und Bindung weiß ich erst recht nicht, wer und was ich nun bin und soll. 

Für mich ist es tatsächlich so, dass der Glaube an Gott, dass die Entscheidung für ihn frei macht. Warum? Sie bewahrt mich nämlich davor, mich in der falschen Weise absolut zu binden und zu entscheiden. Nur Gott und mein Gewissen können und dürfen mich absolut und total, ganz und gar fordern. Nichts und niemand anders. Nur Gott und meinem Gewissen soll ich ganz und gar gehorchen. Allem anderen gegenüber bin ich frei – wenn auch keinesfalls gleichgültig gegenüber. 

Freilich begegnet mir Gott immer nur in dieser endlichen und begrenzten Welt. In endlichen und begrenzten Worten. In sterblichen Menschen, in fehlbaren Gemeinschaften und sündigen Religionen. Freilich spricht auch mein Gewissen nur in einer solchen unvollkommenen Sprache. Ich kann alles Absolute auf diese Weise auch relativieren und in Frage stellen. Ich kann es bezweifeln. Und das muss ich auch immer wieder. Aber dennoch weiß ich im Innersten, dass es dieses Absolute innerhalb all des Endlichen und Begrenzten gibt. Ja, es ist das unterscheidend Menschliche, hier erkennen, unterscheiden und entscheiden zu können. Gerade das zeichnet uns als Menschen aus. Der Mensch ist „capax dei“ – gottfähig. Und die wahrhaft Großen der Menschheit zeigen uns das. Sie haben gegen die falschen Absolutheiten protestiert und haben als Zeugen für die Absolutheit Gottes und seines Anspruchs ihr eigenes Leben eingesetzt. 

Dass Sie den Glauben an Gott als eine solche Befreiung zur rechten Entschiedenheit erleben, wünsche ich Ihnen sehr und grüße Sie herzlich

06.07.2010 

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