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Vor zweitausend Jahren schildert uns die Bibel, wie der junge Samuel erwacht, wie er auch einen Ruf hört und ihn zunächst nicht richtig versteht. Er braucht jemanden, der mit solch innerem Rufen und dem Erwachen des Ich Erfahrung hat, der selbst ein aufgeweckter Mensch ist. Das ist der alte Eli. Wir brauchen auch immer jemanden, der uns hilft, unsere innere Stimme zu verstehen und zu deuten, wenn ich diesen Ruf der Freiheit und den Ruf zum Selbstsein höre. Bei Samuel ist es eben sein Name, der gerufen wird… Er wird beim Namen gerufen. Und wenn ich diesen Ruf vernehme, dann kann das mein Gebet sein: „Rede Herr, dein Diener, deine Dienerin hört…“

(c) Christian Wode


Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. 

2 Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen. 

3 Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. 

4 Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. 

5 Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 

Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! 

7 Samuel kannte den Herrn noch nicht und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. 

8 Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. 

Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. 

10 Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. 

(c) drakis - Fotolia.com


Freiheit lehrt Beten 

Irgendwann bin ich geistig aufgewacht. Ich habe nicht mehr nur auf das gehört, was andere sagen. Ich bin nicht mehr einfach dem nachgelaufen, was andere für wichtig, für angesagt, für unbedingt notwendig halten. Ich war plötzlich Ich, Ich selbst. Mir wurde auch langsam klar, dass es mein Leben ist, was ich lebe. Ich selbst muss wissen, welche Gestalt ich meinem Leben geben will.  

Mit wem kann ich aber darüber sprechen? Mit denen, die alle etwas von mir wollen? Die Ansprüche an mich haben? Die Schule will gute Leistungen von mir. Meine Eltern haben bestimmte Vorstellungen, was ich werden und wie der Mensch sein soll, den ich einmal heirate. Und das Land braucht qualifizierte Arbeitskräfte und noch dringender ordentliche Steuerzahler. Selbst wenn ich mich der Kunst widmen will, zuerst muss ich das Musikinstrument üben, Malen und Zeichnen verlangt auch eine bestimmte Technik und ein Roman schreibt sich auch nicht so einfach. 

Ein Instrument zu lernen, macht erst Sinn, wenn ich wirklich in einem Orchester spielen oder selbst komponieren will. Als mir klar wurde, dass Musik nicht mein Lebensberuf sein wird, habe ich dann auch mit dem Geigenunterricht aufgehört. Das war aber erst einmal noch keine neue Idee, sondern nur der Entschluss, mit etwas aufzuhören. Was will ich weiterführen oder überhaupt neu anfangen? 

Das erzeugte nicht so angenehme Gefühle. Ich musste Kraft für eine wirkliche Entscheidung sammeln. Aber wo sollte die Kraft herkommen? Denn „Ich“ geworden sein, das bedeutete, dass ich ganz auf mich allein gestellt sein würde. Ich fühlte mich in manchen Stunden ganz verlassen. Da hat nur die Musik weitergeholfen. Immer wieder die gleiche CD, die gleichen Lieder auf dem Ipod.  

Manchmal fühlte sich das Erwachen meines Ich wie ein Faustschlag an. Dabei war die Welt die Gleiche geblieben, um mich herum lief alles weiter wie bisher. Die Busse fuhren, Schulunterricht gab es wie üblich. Wer hatte mir den Faustschlag versetzt? Es war anders als eine Fünf in der Klassenarbeit. Der Schlag saß anderswo. Ich sollte wohl aufwachen, zu mir kommen, nicht mehr einfach den anderen nachlaufen, ich sollte mich unabhängiger machen, meinen Kopf gebrauchen, nicht mehr kriechen, sondern aufrecht gehen. Als ich an dem Punkt war, habe ich mein traurig verhängtes Gesicht an der Garderobe des Lebens abgegeben. Ich ging erhobenen Hauptes, sah mir die anderen an, auch die Erwachsenen, ob die auf eigenen Füßen gehen oder nur in fremden Schuhen.  

Mir wurde klar: Ich bin nicht allein mit diesem Lebensauftrag. Ich bekam einen Blick für die, die in ihrem Leben einem Roten Faden folgen, die einen inneren Kompass haben. Man spürt es an ihrer Unabhängigkeit. Sie haben nicht gleich eine fertige Meinung, man kann mit ihnen diskutieren. Manche haben sogar gespürt, dass mit mir etwas Wichtiges los ist und ich nicht mehr so wie früher vor mich hin lebe. Ich habe den Faustschlag, der mein Ich aufgeweckt hat, dann auch nicht mehr so gespürt. Ich war in der neuen Welt und hielt die Augen weiter offen. 

Eines Tages kam die Frage nach dem Faustschlag wieder zurück. Es war ein Song, dann ein Text, den wir im Deutschunterricht durchgesprochen hatten. Ich fand mich mit der Frage wieder: Woher kommt eigentlich mein Ich, das mich in meine Freiheit stößt, nämlich selbst über mein Leben zu bestimmen? Nach allem, was wir im Biologieunterricht über die Evolution gelernt haben, kann es nicht Zufall alleine sein. Der Zufall ist ja etwas von Außen, mein Ich mit seiner Freiheit ist aber gerade nicht etwas von Außen, es kommt von Innen. Auch wenn meine Gene von außen geformt sind und ich genügend Hirnzellen habe, um Mathe und Englisch zu lernen, die Freiheit ist nicht von außen in mich eingepflanzt worden. 

Ich konnte jetzt in Ruhe akzeptieren: Meine Freiheit, die in mir das Ich erst entstehen lässt, ist mir geschenkt. Und es ist nicht die blinde Natur, von der ich mein Ich habe, es kommt von einer Person, die ein Gespür für die Freiheit hat. Sonst hätte sie mich nicht in meine Freiheit gestoßen. 

Was ich erst befürchtet hatte, erwies sich als unbegründet: Die Instanz, die mich in meine Freiheit hinein gestoßen, die mich mit meinem Ich hat aufwachen lassen, die neidet mir die Freiheit nicht, sie will sie ja. Sie will allerdings wohl auch, dass ich die Verantwortung für mein Leben übernehme. Das ist ganz schön happig, ein ganzes Leben soll ich Ich selber sein. 

(23.02.2010)

Es grüßt Sie wieder bis in vierzehn Tagen 

Eckhard Bieger SJ

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