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Das ist die Verheißung Gottes für das große Fest und die Feier für alle Völker, wo die Trauer endet und die Freude siegt.

Jes 25,6 Der Herr der Heere wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, / mit besten, erlesenen Weinen.

7
Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, / und die Decke, die alle Völker bedeckt.

8
Er beseitigt den Tod für immer. / Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. Ja, der Herr hat gesprochen.

9
An jenem Tag wird man sagen: / Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, / er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

10
Ja, die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg.

Sprichwörter 17,22 Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, ein bedrücktes Gemüt lässt die Glieder verdorren.

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Fastnacht

Es noch einmal richtig krachen lassen und auf die Pauke hauen, bevor der Aschermittwoch kommt und alles vorbei ist. Das tun viele und die feuchte Fröhlichkeit wird massenhaft. Man kann ihr auf die Straßen folgen. Oder in den Saal. Man ihr vor dem Fernseher frönen. Und oft auch herzlich lachen. Karneval hat eine große Anziehungskraft und Verheißung in sich. Diese singende und schunkelnde Gemeinschaft vieler froher Menschen. Sie sind dabei einmal ganz andere als sonst. Sie verkleiden sich und wollen mal aus sich herausgehen. Sich von einer anderen Seite zeigen. Und mal frei sein. Endlich die Fesseln des Alltags sprengen. Nicht mehr Hierarchie und Unterordnung, sondern Gleichheit und Fröhlichkeit aller. Mal keinen Respekt zeigen. Mal sagen, was Sache ist. Mal närrisch sein. Keine Regeln kennen und nicht nur vernünftig sein.

Und wie sehr habe ich das auch schon erlebt und genossen. Zwar nicht in Köln oder in Mainz, sondern in der DDR, dem Land, in dem ich bis 1989 gelebt habe. Und da war es ganz besonders wichtig und befreiend, denn da war ja ansonsten die Humorlosigkeit Staatsdoktrin.  Da waren die Buntheit und die Freiheit Mangelware. Da war ein offenes Wort gefährlich. Denn so erzählte ein Witz vom Treffen zwischen Willy Brandt und Erich Honecker: Honecker fragt Brandt: Was haben Sie denn für ein Hobby? O, sagt Brandt, ich sammle, die Witze, die über mich gemacht werden. Ach, sagt Honecker, da haben wir ja ganz ähnliche Hobbys. Ich sammle nämlich die, die die Witze über mich machen.“ Ich denke an meine Zeit in Erfurt, wo wir selbst viele Jahre halb legal unseren Jugendfasching der Pfarrei organisiert und wochenlang vorbereitet haben. Und jedes Mal war es spannend und dann eine tolle Sache. Wenn ich mir die alten Schwarz-Weiß-Fotos anschaue, komme ich ins Träumen und Schwärmen. Was waren das doch auch für schöne; ja, glückliche Zeiten. Was wohl aus ihnen allen geworden ist? Oder ich denke an den Karneval des katholischen Krankenhauses in Erfurt, für den man nur über Beziehungen Karten bekam. Er wurde mit der Zeit immer voller und frecher. Und besonders stolz war ich natürlich, wenn die Jugendlichen, die ich gewissermaßen für Fasching ausgebildet hatte, dann dort als Erwachsene erfolgreich im Programm auftraten.

Eine große Sehnsucht und Verheißung kommt da in der Karnevalszeit hervor. Freiheit und Fröhlichkeit und Gleichheit und Wahrheit und Feiern . Alle sind sich nahe. Alle verstehen sich und die Liebe ist leicht. Mal so leben, wie man auch leben könnte und mal ein anderer, eine andere sein. Wie sehr habe ich auch immer diese Sehnsucht verspürt und wollte gern etwas von diesem anderen Leben erhaschen und verwirklichen. Und für Stunden ist es auch erlebbar, besonders wenn man unter Freunden und guten Bekannten ist.

Das alles hat auch etwas Himmlisches und hat etwas mit den großen Verheißungen der Bibel zu tun. Mit dem großen Freudenfest, das uns Gott bereitet. Mit der Freiheit der Kinder Gottes. Mit der Gleichheit aller. Mit dem Leben in der Wahrheit. Mit der Freude, die nicht nur oberflächlich ist und die nicht vergeht, sondern bleibt.

Aber der Karneval hat auch noch einen starken anderen Einschlag und das ist das Orgiastische. Die Orgie kommt ja eher aus der Flucht, aus dem Vergessenwollen. Sie hat oft etwas Gewalttätiges und Aggressives. Sie wächst nicht aus der Bejahung des Lebens, sondern eher aus der Verneinung. Sie will das Leben, das ich sonst führen muss, vergessen und ihm entfliehen. Und das gelingt dann durch Rauschmittel aller Art. Die Orgie zwingt sich zum Amüsieren und versucht es gewaltsam. Das gelingt nicht. Das bekommt nicht gut.

Aus der Orgie erwache ich mit heftigen Kopfschmerzen und einem Kater. Sie hat schlimmen Nachgeschmack und Reue am nächsten Morgen. Und dann ist es gut, wenn am Aschermittwoch alles vorbei ist und ich wieder mit ein paar Aspirin in den Alltag zurückkehren kann.

Aber mit dem Aschermittwoch beginnt dann ein neuer, tiefer ansetzender Weg zur Freude (vgl. die Impulse Geschmack am Leben 1 und Teil 2).

23.02.2009