Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheEs geht mir gut
DeutschEnglishFrancais

Jetzt auch bei facebook

werden Sie Fan und unterstützen uns!

Es gibt eine Geschichte im Johannes-Evangelium, die erzählt, wie Jesus einer Frau begegnet, deren innere Quellen versiegt sind, die Liebe gesucht, aber nicht wirklich gefunden hat und die voller Fragen ist, welche Religion, denn nun die richtige ist. Am Ende der Geschichte wird diese Frau selbst zu einer lebendigen Quelle, die anderen Leben bringt. Sie braucht keinen Wasserkrug mehr. Das ist eine Gegengeschichte zum fremden Freund.

(c) nickichen - Fotolia.com

Joh 4,5 So kam er zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. 

16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!

17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.

18 Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.

19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 

20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. 

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.  

26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. 

27 Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?

28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:

29 Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?

30 Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. 

Was möchte bei mir wieder fließen, strömen und zur Quelle werden? Es ist möglich, zur Quelle zu werden, wenn ich das Verschüttete in mir Stück für Stück von Jesus aufgraben und befreien, heilen und wandeln lasse. Wo habe ich das schon erfahren? Ich schaue auf Jesus: aus seinen Wunden werden die Quellen zum Heil. Das soll auch mir geschehen.

(c) Angelika Bentin - Fotolia.com


Es geht mir gut 

Kennen Sie die Novelle von Christoph Hein „Der fremde Freund“? Im Westen ist sie unter dem Titel „Drachenblut“ erschienen. Wir begegnen darin der 39 jährigen Ärztin Claudia. Sie ist gerade dabei, sich zum Dienst aufzumachen und überlegt, ob und wie sie am Nachmittag zu einer Beerdigung gehen soll. So eine Beerdigung hat ja auch immer etwas Lästiges und Störendes. Soll sie überhaupt hingehen? Was zieht sie an? Doch nicht den ganzen Tag in Schwarz rumlaufen! Ein dunkler Mantel tut es dann auch.  

Jeder hat ja schon solche Gedanken gehabt. Was einem dann aber doch ungewöhnlich vorkommt, ist zu erfahren, dass es nicht irgendeine Beerdigung ist, sondern die ihres Freundes Henry, mit dem sie das ganze letzte Jahr lang zusammen gelebt hat. Seltsam und verstörend, so eine distanzierte Reaktion.

Es stellt sich dann heraus, dass es eine Beziehung war, die zwar intim, aber doch nicht nahe war. Die beiden hatten nämlich ein Abkommen getroffen, aus ihrer Beziehung alle Probleme draußen zu lassen.

„Mit Henry sprach ich nicht über seine Probleme. Einige deutete er an, andere ahne ich. Es gelingt uns glänzend, sie zu umgehen. Die intimste Frage, die wir uns stellen, ist ein: Wie geht’s…. Wir müssen bei uns keine unangenehmen Überraschungen befürchten. Wir werden uns nicht mit Misslichkeiten behelligen. Wir werden eine hübsche Beziehung nicht mit unlösbaren Schwierigkeiten erdrücken. … Wenn wir uns sehen, geht es Henry gut, geht es mir gut. Ich bin nicht glücklich, aber ich bin auch nicht unglücklich. Ich bin zufrieden, und das ist viel. Und ich bin auch zufrieden über diese wortlose Vereinbarung, die unser Verhältnis einfach und angenehm macht“ (200). 


Angenehm und oberflächlich. Die Konsequenz ist: ihr Freund bleibt ihr fremd. 

Warum so? Wie kommt das? Der Grund ist, sie möchte nicht mehr enttäuscht werden. Sie möchte keinen Schmerz mehr erleiden. Daher lässt sie niemanden wirklich an sich heran und wahrt immer die Distanz. Und sie öffnet sich auch niemandem mehr, schon gar nicht vorbehaltlos und ganz. Denn einmal hatte sie eine solche tiefe, rückhaltlose, ganz und gar erfüllende Liebe und Freundschaft erlebt. Es war mit ihrer Schulfreundin Katharina. Aber diese Freundschaft war durch ihre Schuld zerbrochen. Diesen Schmerz, einen solchen Verlust möchte sie nie wieder erleben. Darum auch nie wieder so eine tiefe Freundschaft. Darum Vorsicht. Darum Distanz. Und darin hat sie nun Erfahrung. 

In einem langen Selbstgespräch heißt es:

„Ich bin gewitzt, abgebrüht, ich durchschaue alles. Mich wird nichts mehr überraschen. Alle Katastrophen, die ich noch zu überstehen habe, werden mein Leben nicht durcheinanderwürfen. Ich bin darauf vorbereitet. Ich habe genug von dem, was man Lebenserfahrung nennt. Ich vermeide es, enttäuscht zu werden. Ich wittere schnell, wo es mir passieren könnte. Ich wittere es selbst dort, wo es mir nicht passieren könnte. Und ich wittere es dort so lange, bis es mir auch dort passieren könnte. Ich bin auf alles eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet, mich wird nichts mehr verletzen. Ich bin unverletzlich geworden. Ich habe in Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner unverletzbaren Hülle werde ich krepieren an Sehnsucht nach Katharina“ (209). 


So lebt sie ein angenehmes und distanziertes und oberflächliches und apathisches, leidfreies Leben.

„Es geht mir gut. Heute rief Mutter an, und ich versprach, bald vorbeizukommen. Mir geht es glänzend, sagte ich ihr.

Ich bin ausgeglichen. Ich bin einigermaßen beliebt. Ich habe wieder einen Freund. Ich kann mich zusammennehmen, es fällt mir nicht schwer. Ich habe Pläne. Ich arbeite gern in der Klinik. Ich schlafe gut, ich habe keine Alpträume. Im Februar kaufe ich mir ein neues Auto. Ich sehe jünger aus, als ich bin. Ich habe einen Friseur, zu dem ich unangemeldet kommen kann, einen Fleischer, der mich bevorzugt bedient, eine Schneiderin, die einen Nerv für meinen Stil hat. Ich habe einen hervorragenden Frauenarzt, schließlich bin ich Kollegin. Und ich würde, gegebenenfalls, in eine ausgezeichnete Klinik, in die beste aller möglichen Heilanstalten eingeliefert werden, ich wäre schließlich auch dann noch Kollegin. Ich bin mit meiner Wohnung zufrieden. Meine Haut ist in Ordnung. Was mir Spaß macht, kann ich mir leisten. Ich bin gesund. Alles, was ich erreichen konnte, habe ich erreicht. Ich wüsste nichts, was mir fehlt. Ich habe es geschafft. Mir geht es gut.                                  Ende.“

(aus: Christoph Hein, Der fremde Freund (Drachenblut), Aufbau Verlag 1982,211f.) 


An dieser erschütternden Geschichte ist mir zweierlei klar geworden. Einmal kenne ich so viele Gedankengänge Claudias auch bei mir selbst und in meinem Leben. Ich fühle mich bei vielen der Sätze ertappt. So denke ich auch. Und ich frage mich: Wo bin ich inzwischen so gefühllos, so apathisch, so gleichgültig, so kalt geworden? Wo habe ich in Drachenblut gebadet? Welche enttäuschte Liebe steckt bei mir dahinter? 

Und als zweites. Es ist lebensgefährlich, das angenehme Leben mit dem glücklichen zu verwechseln. Das angenehme Leben vermeidet alles Unangenehme und allen Schmerz. Aber wenn ich mich apathisch und leidensunfähig mache wie Claudia, mache ich mich damit zugleich unfähig, glücklich zum Himmel hoch zu jauchzen und von Herzen froh, dankbar und voller Liebe zu sein. Glück und Leid stehen auf einer einzigen Skala. Wenn ich die eine Seite kürze, schneide ich zugleich die andere ab. 

Gott aber möchte, dass wir lebendig und glücklich, dankbar und voller Liebe sind. Und das bedeutet zugleich, dass wir sterblich, traurig, voller Fragen und Leid sein können.  

Nur Mut, christliche Seele! Lass dich auf beides ein. Und sei lebendig! 

Es grüßt Sie und wünscht weiter eine frohe Fastenzeit (vgl. Mt 6,16)

(16.03.2010)

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!