Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheErinnern und vergessen
DeutschEnglishFrancais

NEU - der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Damit man das wesentliche Bekenntnis des Glaubens an den einen Gott immer vor Augen hatte und immer mehr verinnerlicht und nie vergisst, sondern täglich erinnert, hat man es sich umgebunden und an die Türpfosten geschrieben. So sagt es die Bibel.

1 Und das ist das Gebot, das sind die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch im Auftrag des Herrn, eures Gottes, lehren soll und die ihr halten sollt in dem Land, in das ihr hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen. 

2 Wenn du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf alle seine Gesetze und Gebote, auf die ich dich verpflichte, dein ganzes Leben lang achtest, du, dein Sohn und dein Enkel, wirst du lange leben. 

3 Deshalb, Israel, sollst du hören und darauf achten, (alles, was der Herr, unser Gott, mir gesagt hat,) zu halten, damit es dir gut geht und ihr so unermesslich zahlreich werdet, wie es der Herr, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat, in dem Land, wo Milch und Honig fließen. 

4 Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. 

5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 

6 Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. 

7 Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. 

8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. 

9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben. 

10 Und wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land führt, von dem du weißt: er hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es dir zu geben - große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, 

11 mit Gütern gefüllte Häuser, die du nicht gefüllt hast, in den Felsen gehauene Zisternen, die du nicht gehauen hast, Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast -, wenn du dann isst und satt wirst: 

12 nimm dich in Acht, dass du nicht den Herrn vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat. 

Seitwert
(c) Stefan Redel - Fotolia.com


Erinnern und vergessen 

Wie hieß denn bloß diese Straße, in der mein Freund wohnt? Es will mir nicht einfallen. Es ist zum Verzweifeln. Manchmal denke ich, das sind wirklich schon die ersten Anzeichen von Alzheimer. Geht es Ihnen auch manchmal so?

Ein andermal bin ich zu Besuch an einem See in Mecklenburg. Es riecht nach Kiefern und nach Wasser und Sand. Plötzlich sind die traumhaften Ferien in Krakow am See wieder ganz gegenwärtig. Ja, das war der Duft der Ferien und glücklicher Kindheitstage. Ganz und gar vergessen und jetzt wieder so, als sei es erst voriges Jahr gewesen. Alles ist wieder da.  

Besonders seltsam: der junge Mann denkt an den schönen Abend mit seiner neuen Freundin. Er ruft ihn sich in Erinnerung. Wie er sich erinnern will, was sie für eine Augenfarbe wirklich hatte, kann er nicht sagen. Wir haben uns tief in die Augen gesehen. Und jetzt weiß ich es nicht mehr. Sie waren doch blau? Oder eher grau? Spielte es mehr ins Grünliche? Unglaublich, ich weiß es nicht. 

Erinnern ist etwas Wichtiges. Nicht nur Namen, Orte und Farben. Erinnern ist ja auch etwas,  das uns formt. Wie schön, meine Kindheitsfotos anzuschauen und wieder einzutauchen in die Welt von damals! Es wieder gegenwärtig werden zu lassen. Und all dieses Glück und die Freude wieder zu spüren. 

Erinnern ist etwas Schreckliches. Den Unfall, bei dem mein Bruder starb, kann ich einfach nicht vergessen. Oder diesen Satz meines Vaters. Er hat mich so verletzt. Ich kann ihn nicht vergessen. Er hat eine Mauer zwischen uns gebaut, die nicht mehr zu überwinden war. Bis zu seinem Tode nicht. Diesen Lehrer, der so was von sadistisch war und seinen Spaß hatte, uns Schüler zu quälen. Erinnerung ist etwas Furchtbares und Vergessen in so einem Fall heilsam. Oder besser die Heilung der Erinnerung hilft, um sich in rechter Weise erinnern zu können. 

Von Erich Kästner stammt ein sehr tiefer Spruch, der diese beiden Seiten von Erinnern und Vergessen und ihre Macht über uns zusammenfasst. 

Erinnerung ist eine mysteriöse
Macht und bildet den Menschen um.
Wer das, was gut war vergisst, wird böse.
Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm. 


Wie ist es denn bei Ihnen? Verklären bei Ihnen die Erinnerungen die Geschichte? Sind Sie in Gefahr, das Schlimme zu vergessen? Oder werden Sie eher bitter, wenn Sie in die Vergangenheit schauen? Sie ahnen sicher schon, zu welcher Sorte ich mehr gehöre. Ich bin eher ein Verklärer und sehe mehr und lieber alles Schöne und Gute. Und das ist durchaus nicht ungefährlich...

Wie ist es denn mit dem Glauben? Der Kästnerspruch trifft auf den Glauben in ganz besonderer Weise zu. Denn das ganze Christsein lässt sich mit dem Wort Erinnerung beschreiben. Erinnern nicht als der Vergangenheit zugewandt sein, wie viele vielleicht dem Christentum vorwerfen. Und das ist auch eine Gefahr, besonders wenn man eine solch lange Geschichte hat. Nein, wir erinnern uns immer wieder an die Geschichte der Menschen mit Gott und der Geschichte Gottes mit uns Menschen, weil wir sie verinnerlichen wollen. Das ist mit erINNERn gemeint. Das Gute, die Güte, das Gelingen, die Liebe, das Heilen, das Glück, die Freude erinnern. Immer wieder wird es erzählt und immer wieder wird es gefeiert. Und auf diese Weise vergegenwärtigt. Präsent gemacht. Damit wir nicht böse werden.

Aber natürlich gibt es auch die "memoria passionis", die Erinnerung des Leidens. Des Leidens Christi und des Leidens der vielen Getöteten. Gibt es Erinnerung des Scheiterns, der Vergeblichkeit, der Not und der Verbannung und der Unfreiheit und der Mauern. Das ist genauso wichtig und notwendig. Nicht um darin zu wühlen und bitter und böse zu werden, sondern um sich klar zu werden, wie Gott in diesen Situationen gehandelt hat und auf welche Seite ER sich gestellt hat. Damit wir nicht dumm werden. 

Und so verstehen wir nun auch den Satz der jüdischen Weisheit: "Das Geheimnis der Erlösung ist Erinnerung. Vergessen führt in die Verbannung." Nämlich das Vergessen der Güte Gottes und seiner Worte führt das Volk Gottes in die Verbannung. Die Erinnerung an Seine erlösende Kraft und an die Gefährdung unseres Daseins durch Vergessen oder Verdrängen hilft uns, nach der Erlösung Ausschau zu halten. 

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie weder dumm, noch böse, sondern klug und gütig werden. 

Thomas Gertler 

20.10.2010

PS: Liebe verehrte Leserinnen und Leser, gern möchte unser update-seele-Team Sie beim Erinnern unterstützen. Ich weiß von vielen, dass Sie gern jede Woche den Impuls lesen, aber im Gequirle der Tage immer wieder vergessen, ihn aufzurufen. Das können wir nun ändern.

Wenn Sie den Impuls direkt als Mail gesandt haben möchten, haben wir einen neuen Dienst für Sie eingerichtet. Bitte melden Sie sich mit Ihrer Email-Adresse bei uns und schon bekommen Sie den Impuls wöchentlich zugesandt und werden so erinnert. Hier gelangen Sie zum Anmeldeformular. Sollte es Probleme bei der Anmeldung oder der Zustellung des Impulses geben, melden Sie sich bitte HIER bei uns.

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!