Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheErfahrung des Geistes IV
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Die Apostelgeschichte erzählt im 2. Kapitel von dem Sprachwunder des Heiligen Geistes. Ganz unterschiedliche Völker verstehen einander.

Apg 2,1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,

10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Erfahrung des Geistes IV: einsam – gemeinsam

Für diese Serie von Erfahrungen des Geistes noch ein letztes Gegensatzpaar, und zwar einsam und gemeinsam.

Die Erfahrung des Geistes, die in der Stille und in der Einsamkeit geschieht (vgl. Erfahrung des Geistes I), ist zunächst etwas höchst Intimes, höchst Persönliches, ganz Individuelles. Es geht um mich. Es geht zunächst auch um mich allein. Unvertretbar und unersetzbar ist der/die einzelne angesprochen. Und wer eine solche Erfahrung mit Gottes Geist macht, der spricht erst einmal gar nicht darüber. Das ist ja etwas Befremdliches in dieser Welt. Das verschweigt man erst einmal. Denn man bezweifelt es ja auch. Habe ich das wirklich erlebt? Ist das nicht nur irgendwas Psychisches? Etwas Eingebildetes? Bin ich vielleicht ein bisschen verrückt? Ich sollte vielleicht gar nicht so viel allein beten.

Besonders Berufungserfahrungen machen erst einmal einsam. Ich bin damit allein. Nie ist man so allein wie damit. Es dauert gewöhnlich eine ganze Weile, bis man sich jemandem anvertraut. Bei mir war es damals mein Kaplan. Mit dem im Geist schon Erfahrenerem und innerhalb eines geschützten Raumes der Ehrfurcht konnte ich dann reden und Klarheit bekommen. Meinen Eltern, Geschwistern, Freunden habe ich erst einmal gar nichts erzählt. Viel später, als dann schon Klärungen erreicht und Entscheidungen gefallen waren, bin ich damit herausgerückt.

Alle diese Erfahrungen finden wir auch schon so in der Bibel, vor allem bei den Propheten im Alten Testament. Samuel braucht einen mit dem Ruf Gottes Erfahrenen, um diesen Ruf an ihn überhaupt zu erkennen (1 Sam 3,1-21). Jesus geht nach seiner Taufe durch Johannes und nach der Begabung mit dem Geist in die Einsamkeit der Wüste (Mt 3,13-4,11). Paulus geht nach seinem Berufungserlebnis zuerst für lange Zeit in die Stille und Verborgenheit (vgl. Gal 1,15-18) Jeremia will nicht gesandt werden (Jer 1,1-10). Jesus wird für verrückt gehalten und abgelehnt (Mk 3,20-21; Mk 6,1-5).

Aber nach der Zeit der Einsamkeit gibt es dann eine neue Gemeinsamkeit. Es gibt nämlich die, mit denen ich diese Erfahrung teilen kann. Es gibt die, die auch eine solche vereinzelnde, verrückte Erfahrung gemacht haben und dann aufgebrochen sind, um der Berufung zu folgen. Und das gibt dann eine Nähe, ein Verstehen, ein Vertrauen, eine Gewissheit, die ganz tröstlich ist und sehr, sehr froh macht. Der Geist Gottes ist einerseits sehr persönlich privat und intim, aber er führt zugleich in Gemeinschaft, und zwar in eine weltweite Gemeinschaft.

Das war für mich als junger Jesuit so schön, wenn wir in den Zeiten, als wir hinter der Mauer der DDR eingesperrt waren, doch immer wieder anderen jungen Jesuiten begegnet sind, mit denen wir uns zum Beispiel in Berlin getroffen haben. Und der eine war Pfarrer auf den Philippinen. Der andere lebte in Jakarta in Indonesien und hatte große Angst einen Stempel von der DDR in den Pass zu bekommen, denn dann hätte er Probleme mit der Wiedereinreise in Indonesien bekommen. Es war so schön zu wissen, da ist einer Pfarrer und Jesuit ganz woanders, aber er lebt aus der gleichen Erfahrung und der gleichen Begeisterung.

Oder auch viele Freunde und Freundinnen, die gar nicht Jesuiten sind, sondern z.B. junge oder nicht mehr junge Ehepaare oder Liebespaare, mit denen man eine solche Freundschaft und Nähe im Glauben und im Geist erlebt, die verbindet. Sogar, wenn sie gar nicht zur eigenen Konfession gehören. Auch das ist möglich. Ich denke an eine große Freundschaft zu einem evangelischen Pfarrer, mit dem ich mehrmals eine ökumenische Wallfahrt gemacht habe. Auch da spürten wir eine tiefe Gemeinsamkeit im Geist. Da ist dann schon eine Einheit da, zu der die Institutionen noch nicht fähig sind. Ja, das gibt es sogar über Religionsgrenzen und Glaubensgrenzen hinweg. Und dafür, für dieses Geschenk der Gemeinsamkeit und der Freundschaft bin ich sehr dankbar. Kennzeichen des Geistes ist, dass man einander versteht, dass man in unterschiedlichen Sprachen die gleiche Sprache spricht. Das ist Pfingsten. Das ist Erfahrung des Heiligen Geistes.

30.09.2008