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Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes

Jesus schreit am Kreuz in Verlassenheit:

Mk 15:34 Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

15:35 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er
ruft nach Elija!

15:36 Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst uns doch sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt.

15:37 Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

15:38 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.

15:39 Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.

Maria singt voller Jubel:

Lk 1,46: Meine Seele preist voll Freude den Herrn,

47: mein Geist ist voll Jubel über Gott, meinen Retter.

48: Denn er hat gnädig auf seine arme Magd geschaut. Von nun an preisen alle Geschlechter mich glücklich.

49: Denn der Mächtige hat an mir Großes getan; sein Name ist heilig.

50: Er schenkt sein Erbarmen von Geschlecht zu Geschlecht allen, die ihn fürchten und ehren.

51: Sein starker Arm vollbringt gewaltige Taten: Er macht die Pläne der Stolzen zunichte;

52: er stürzt die Mächtigen vom Thron und bringt die Armen zu Ehren;

53: er beschenkt mit seinen Gaben die Hungrigen, die Reichen aber schickt er mit leeren Händen fort.

54/55: Er nimmt sich gnädig seines Knechtes Israel an, denn er denkt an das Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen, für ewige Zeiten.

(c) Susanne Ewald - Fotolia.com

Erfahrung des Geistes III - Gottesnähe und Gottverlassenheit

Als drittes Gegensatzpaar der Erfahrung des Geistes möchte ich die Freude der Nähe Gottes und den Schrecken seiner Ferne behandeln.

Das Kennzeichen des Geistes Gottes ist die Freude. Der vom Geist Gottes Ergriffene singt und jubelt. Gottes Nähe und Wirklichkeit zu spüren ist ein Glück, wie es sonst keines gibt. Das ist ein neuer Geschmack an allem. Das ist ein Frieden, wie es ihn nur Gott gibt. Wer das erfährt, der wird die Sehnsucht danach nie wieder los. Immer wieder verlangt es einen danach. Niemand anderer kann das geben als Gott selbst. Und es sind sicher diese Süße und dieser Geschmack und dieser Trost gewesen, die mich letztlich den Weg in den Orden haben gehen lassen.

Wie soll ich das Erleben näher beschreiben? Es hat mehrere Dimensionen. Es ist einerseits die Erfahrung, von Gott selbst angenommen und geliebt zu sein. Das Staunen darüber: ja, so ist es wirklich, ja, das ist unglaublicherweise tatsächlich so: Gott selbst nimmt mich an, sieht mich an voller Freude und voller Erbarmen. Er nimmt mich, wie Jesaja sagt, wie eine Mutter auf die Arme und tröstet mich (Jes 66,13). Er vergibt mir und schenkt mir einen neuen Anfang. So war eigentlich meine erste Erfahrung dieser Art als Kind: nach der Beichte bin ich hüpfend und springend vor Glück aus der Kirche gekommen, weil die Antwort auf das so schwere Bekenntnis meiner kindlichen Bösartigkeiten und Armseligkeiten das Wort der Vergebung war. Und nun war ich frei, angenommen und geliebt. Glück und Jubel und Freude.

Und andererseits ist es eine Erfahrung von Sinn und Zusammenhang. Plötzlich geht einem beim Meditieren eines Textes der Schrift oder auch beim gläubigen Betrachten einer schönen Landschaft die innere Zusammengehörigkeit von allem auf. Sinn erfahre ich ja vor allem dann, wenn ich in diesem inneren Zusammenhang von allem erkenne. Wie und was die Welt im Innersten zusammenhält. Und ich mitten darin. Dann erfasse ich auch meinen eigenen Lebenssinn. Meinen Ort im Ganzen. Und wie Gott das alles so wunderbar geordnet und gefügt hat. Vorher Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit, Chaos und Durcheinander, nichts passt zusammen. Und nun ordnet es sich, bekommt Sinn. Mit einemmal tut sich die Welt auf. Sie erschließt sich. Wie in dem tiefen Lied von Eichendorff: „und die Welt fängt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“ Ja, da tun sich auch die Tiefen Gottes selbst auf. Ich erkenne auf einmal die Höhe und Tiefe, die Länge und Breite von Gottes allumfassender Liebe. Wie es Paulus erfährt und dann den Menschen verkündet, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes“ (1 Kor 2,9f).

Also eine Erkenntnis einerseits und eine Liebe andererseits. Beide hängen auch innerlich zusammen. Sie sind zugleich ein Erkanntwerden und ein Geliebtwerden durch Gott, das Gottes Geist in unserem Herzen spürbar werden lässt. Das ruft ein solches Glück und einen solchen Jubel, solch einen Rausch und ein Überwältigtsein hervor.

Das ist die eine Seite. Sie hat aber auch eine Gegenseite und ein Gegengewicht. Und das ist nach dieser Freude ein großer Schrecken. Es ist die Erfahrung, dass das alles auch wieder entschwindet. Dass es wieder zu Ende ist. Nicht nur das, sondern dass es eine Gottverlassenheit gibt, die man vorher auch so nicht kannte, weil man ja auch das Glück der Nähe vorher nie so erfahren hatte. Und was einem vorher im Glück und Trost etwas sagte und was einem schmeckte und so süß war, das schmeckt jetzt ohne diese Nähe Gottes wie Teer und gar nicht mehr. Ja, es stellt sich Widerwillen ein. Fluchtgedanken drängen heran. Und erneut das Gefühl der Sinnlosigkeit. Abgetrennt von allem. Weit weg von Gott. Und auch das habe ich erfahren in meinem Leben. Furcht und Schrecken. Wie die Sonne verschwindet und das Dunkel und die Kälte hereinbrechen, so können einem die Zähne klappern und die Glieder zittern vor Verlassenheit und Finsternis. Erfahrungen, wie sie Hiob im Alten Testament macht. Erfahrungen, wie die Evangelien sie von Jesus am Ölberg und am Kreuz schildern. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34) Und auch das sind Erfahrungen des Geistes Gottes. Das ist nicht einfach nur Strafe für den Sünder und selbstverschuldetes Ergebnis meiner Taten. Nein, auch das ist Erfahrung mit dem Geist Gottes. Diese Fremde und diese Ferne. Diese Nacht. Zuerst mysterium fascinosum und nun mysterium tremendum. Anziehendes und erschreckendes Geheimnis Gottes. Und es ist die Frage, wann ich tatsächlich tiefer in das Mysterium Gottes schaue.

Wann ist Liebe Jesu zu seinen Feinden am tiefsten eins mit der Feindesliebe Gottes des Vaters? Ist sie es nicht am Kreuz? Im Moment, wo Jesus seine Geist aufgibt?

Ich lade Sie ein, auf Ihre tiefsten Erfahrungen des Glücks und des Sinnes im Leben zu schauen. Wann und wo habe ich sie erlebt? Da war auch Gott immer mit gegenwärtig.

Und ich lade Sie ein zu erkunden, ob im Sie Rückblick auf sehr schwere und dunkle Erfahrungen in Ihrem Leben heute sagen können, ja, auch darin bin ich dem Geheimnis des Lebens nahe gekommen bin, ja, auch Gott selbst. Ja, er selbst hat mich umschlossen, auch wenn ich damals nur Ferne, Schrecken und Nacht erlebt habe.

23.09.2008