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Gott war nicht im Sturm und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern Gott war gegenwärtig im sanften, leisen Säuseln

Aus dem 19. Kapitel des ersten Buchs der Könige

1 Könige 19,11  Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.

12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

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Erfahrung des Geistes I: Kontemplation und Kampf

In den drei Wochen kreativer Pause hatte ich gute Gelegenheit über mein Leben und meine Erfahrungen mit dem Glauben und dem Geist Gottes einmal tiefer nachzudenken. Darum gibt es jetzt vier Impulse, die diese Erfahrung in Gegensatzpaaren beschreiben. Diese Gegensätze gehören zusammen.

Die grundlegende Erfahrung war für mich, dass Gottes Geist in der Stille spricht. Ohne Schweigen, ohne Stille, ohne Zurückgezogenheit keine Erfahrung des Geistes. Erst wenn ich den Mut habe, mich von aller Aktivität und allen äußeren Reizen zurückzuziehen und die Stille einer Gebetsecke, einer Kapelle oder Kirche zu begeben und das über längere Zeit auszuhalten, dann beginnt der Geist Gottes zu sprechen.

Warum „Schweigen“? Ich sage absichtlich nicht, dass es hier ums Gebet geht. Gebet kann innerlich sehr laut und sehr ichbezogen sein. Kann also eher eigenes Gerede und gar nicht still sein. Nein, hier geht es um das eigene Schweigen. Es geht darum, den Mund zu halten. Es geht ums Zuhören, um das eigene Nichtstun.

Warum „aushalten“? Wenn ich in die Stille und ins Schweigen gehe, dann ist es in mir erst einmal gar nicht still und friedlich, sondern dann werde ich meist unruhig. Ich bekomme Angst und Fluchtgedanken. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt aushalten kann: ohne Radio, ohne iPod, ohne Fernseher, ohne Computer. Und wenn ich dann da so sitze, dann kommt alles Mögliche hoch, meist mein schlechtes Gewissen: das müsstest du tun… das müsstest du lassen… Alles Mögliche schießt mir durch den Kopf.

Warum „längere Zeit“? Erst nach einer Weile werden die Stille und das Schweigen wohltuend. Aber dann steigt auch der Frieden in mir auf. In dieser Stille kann ich wirklich sensibel und hörfähig werden. Dann kann ich dann Gottes leise Stimme vernehmen. Oder wie es in der berühmten Geschichte des Elija heißt: ‚Gott war nicht im Sturm und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern Gott war gegenwärtig im sanften, leisen Säuseln’ (vgl. 1 Kg 19,11). Das habe ich erfahren im eigenen Gebet und in den eigenen ersten Exerzitien und dann immer wieder. Das Wort Gottes und der Geist Gottes kommen in der Stille und im Schweigen wie zu Maria im Evangelium und zu vielen anderen im Laufe der Geschichte.

Aber es bleibt nicht bei der Stille, beim Zurückgezogensein. Es darf nicht dabei bleiben. Nein, was dort in der Stille der Kontemplation vernommen wurde, das muss heraus. Das muss ins Tun und ins Engagement führen, in den Kampf und dann womöglich sogar ins Laute und in die Auseinandersetzung. Der bloße Rückzug allein ist nicht genug, auch wenn er immer wieder nötig ist. Sondern es gilt, was Jesus seinen Jüngern sagt: Was ich euch ins Ohr geflüstert habe, das verkündet auf den Dächern (vgl. Mt 10,27). Und das ist meine zweite Erfahrung des Geistes: Was dann aus dieser tiefen Stille des Gebetes ins Handeln kommt und zur Tat wird, das ist dann auch stark und hält stand. Das bleibt. Denn es kommt aus Gottes Welt. Damit geschieht die Verwandlung der Welt, wie sie zu Pfingsten begonnen hat und wie die Apostelgeschichte sie schildert: Nach den neun Tagen des Schweigens und der Stille der Apostel zusammen mit Maria, kommt dann der Aufbruch und Ausbruch des Geistes. Die Jünger verlassen den Saal und gehen hinaus und reden zu den Menschen (vgl. Apg 1,14 und 2,1-4).

Ich lade Sie ein, selbst einmal auf Ihr Leben zu blicken und dieses erste Gegensatzpaar des Heiligen Geistes zu betrachten und ihm nachzugehen: Kontemplation und Kampf oder Hören und Tun. Habe ich schon einmal im Schweigen das Wort Gottes an mich, eine Anregung des Geistes gehört? Bin ich ihr gefolgt? Habe ich getan, was mir der Geist gesagt hat? Was ist daraus geworden?

8. September 2008