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Das Johannesevangelium berichtet von einem einsamen kranken Mann. Er ist 38 Jahre krank. Und eigentlich hat er die Hoffnung aufgegeben. So erkennt er nicht, dass Jesus mit seiner Frage: „Willst du gesund werden?“, ihm das Heilwerden anbietet. Er denkt nur daran, dass er einsam ist und „keinen Menschen hat“. Der Einsame ist in Gefahr, sich so sehr zurückzuziehen und zu verschließen, dass er das Heil nicht erkennt, auch wenn es direkt vor ihm steht. Er sieht nichts wegen des inneren Nebels. Jesus heilt ihn, aber es bleibt offen, ob der Mann darin wirklich sein Heil und nicht nur Gesundheit findet. Ja, sie neigt sich eher zum Negativen. Jesus mahnt ihn, nicht mehr zu sündigen. Er aber geht sofort hin und zeigt Jesus an.

(c) Przemyslaw Moranski - Fotolia.com

Joh 5,1 Einige Zeit später war ein Fest der Juden und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 

2 In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf Hebräisch Betesda. 

3 In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. 

4 [] 

5 Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. 

6 Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? 

7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. 

8 Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! 

9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat. 

10 Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen. 

11 Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh! 

12 Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh? 

13 Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte.

14 Später traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt. 

15 Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. 

16 Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte. 

17 Jesus aber entgegnete ihnen: Mein Vater ist noch immer am Werk und auch ich bin am Werk. 

18 Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte. 

Seitwert
(c) Maciek Lazecki - Fotolia.com


Einsam 

November ist da. Und mit ihm Nebel, Nässe, Kälte, Dunkelheit und Trübnis. Als Jugendlicher hatte ich dieses Wetter gern. Es hatte so etwas Heroisches, etwas Heldenhaftes. Wieso eigentlich? Vielleicht wegen des Gefühls, diesem Wetter und dieser Stimmung zu trotzen. Ihm standhalten zu können. Stark zu sein. Einsamkeit des Helden, des Steppenwolfs, des lonesome Cowboy. Vielleicht. 

Heute kann ich meinen Vater verstehen, der immer schon am 24. Juni sagte: „O je, jetzt werden die Tage wieder kürzer.“ Und das am längsten Tag des Jahres! Wir Kinder fanden diesen Pessimismus furchtbar. Auch wenn er scherzhaft gemeint war. Was ich heute verstehen kann, ist nicht so sehr der Pessimismus, aber dass mir inzwischen gern das Heroische dieser dunklen, nassen Nebeltage gern erspart bleiben kann. Das Helle, Klare, Trockene und Warme ist mir wie meinem Vater damals lieber. 

So kann ich das folgende, berühmte Gedicht von Hermann Hesse sehr unterschiedlich lesen und empfinden. Als das Gedicht des Steppenwolfs, der ganz gut mit dieser Einsamkeit fertig wird, weil er sie noch nicht wirklich kennt oder als jemand, der tatsächlich einsam ist und dem die Kälte schon ins Innere, ja, in die Seele gedrungen ist. 

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse (veröffentlicht1908) 


Ein großartiges Gedicht! Die Lautlosigkeit und die Ortlosigkeit des Wanderns im dichten Nebel, wirklich wie verlassen und einsam. Wir haben es einmal fast lebensbedrohlich im Gebirge erlebt. Nur ein paar Schritte sehen können. Dankbar für jede Wegmarkierung. Aufpassen, dass man einander nicht verliert. Und dann bei Hesse der Umschwung in die Lebensstimmung, die dieses Wetter erzeugt. Das Alter, in dem es trüb und einsam wird. Das Scheitern von Beziehungen und darin dann die wachsende Überzeugung: Ja, jeder ist allein. 

Wie geht es Ihnen? Empfinden Sie mehr dieses Existentialistische und Heldenhafte des Steppenwolfs? Oder sind Sie eher die durchgefrorene Seele, die tatsächlich von allem zurückgezogen und einsam geworden ist? Wo möglich enttäuscht und von Freunden und Lieben verlassen? Wirklich einsam?  

Ich las jüngst, dass solche Verlassenheit nicht nur den Betroffenen krank macht, sondern dass Einsamkeit ansteckt. Sie breitet sich in der Umgebung des innerlich Vereinsamten aus. Auch andere ziehen sich dann zurück, reagieren nicht mehr auf Kontaktversuche, brechen Beziehungen ab. Gefährlich. 

Freilich gehört ein gewisses Maß an Einsamkeit zu jedem Menschen. Aber dieser Einsamkeit nachzugeben ist gefährlich und wir sollten sie nicht verwechseln mit dem Alleinsein, das jede/r immer wieder braucht. Aber dieses Gedicht und diese Stimmung des Nebels darf höchstens ein Zwölftel unseres Lebens ausmachen. Eben November. Das reicht. Aber nicht das Ganze.  

Und der Glaube macht zwar auch zuweilen einsam, weil viele mich nicht verstehen, die meinen Glauben nicht teilen (können). Aber andererseits gilt, was Papst Benedikt immer wieder sagt: „Wer glaubt, ist nicht allein.“ Nicht so sehr, weil es die Familie der Glaubenden gibt. Viel mehr, weil ich glaube, dass auch in meiner größten Einsamkeit immer noch jemand da ist. 

Denn da ist ein Du bei mir auch in meiner größten Einsamkeit. Keiner ist allein. 

2. Nov. 2010

Es grüßt Sie herzlich

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