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Die Vorstellung des sogenannten zweiten (und älteren) Schöpfungsberichtes im ersten Buch der Bibel(Gen 2,4b-24) ist die Steppe oder Wüste, auf die im Frühjahr der Regen fällt und der sie so befeuchtet wie bei uns die Schneeschmelze und aus der dann in kürzester Zeit die schönsten Blumen erblühen. Dann wird aus der grauen Steppe undHalbwüste ein Garten Eden, ein Paradies. So wiederholt sich für die Vorstellungdieser wunderbar kraftvollen Schöpfungsdichtung in jedem Frühling die Erschaffung der Welt. Und ist es nicht auch so? 

Diese Erzählung ist nicht als historischer Bericht zu verstehen, sondern bildhaft und poetisch wird hiergesagt, woher wir stammen – nämlich von der Erde und von Gott. Und beide brauchen wir bleibend als die beiden Bezugspunkte, um den Sinn des Lebens, seinen Ursprung und Grund richtig zu verstehen.

(c) jerome scalvini - Fotolia.com


Gen 2,4b Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, 

5 gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte; 

6 aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens. 

7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. 

8 Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. 

9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. 

10 Ein Stromentspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. 

11 Der eine heißt Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo es Gold gibt.

12 Das Goldjenes Landes ist gut; dort gibt es auch Bdelliumharz und Karneolsteine. 

13 Der zweite Strom heißt Gihon; er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt.

14 Der dritte Strom heißt Tigris; er ist es, der östlich an Assur vorbeifließt. Der vierte Strom ist der Eufrat. 

15 Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte. 

16 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, 

17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben. 

18 Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 

19 Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. 

20 Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.

21 Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.

22 Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau undführte sie dem Menschen zu. 

23 Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein / und Fleisch von meinem Fleisch. / Frau soll sie heißen, / denn vom Mann ist sie genommen.

24 Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.

(c) Vitaliy Pakhnyushchyy - Fotolia.com


Eine Handvoll Erde 

Merken Sie, wie der Winter allmählich vorbei geht und es Frühling wird? Endlich! Wie schön! Die Vögel singen, ja schreien manchmal fast. Der Schnee schmilzt und liegt nur noch in schattigen Ecken und in hässlich-schmutzigen Haufen. Die Luft duftet nach Erde, die feucht von der Schmelze ist und nun von der Sonne erwärmt wird. 

Es duftet nach Erde… Nehmen Sie doch im Geiste einmal so eine Handvoll Erde. Spüren Sie die Krumen in der Hand. Betrachten sie diese Erde. Wie sieht sie aus? Schwarz-braun oder eher gelb-braun, je nachdem, wie viel Sand darin ist. Wie fühlt sie sich an? Ist sie eher feucht oder trocken? Ist sie krümelig oder eher klebrig, lehmig? Auf jeden Fall riecht sie jetztnach Fruchtbarkeit. Wie viel Leben steckt darin! 

Auch in dem kleinen bisschen Erde, das ich in meiner Handhalte, ist solche Fruchtbarkeit. Wenn ein Korn darin ausgesät ist, wird es bald zu wachsen und zu sprießen beginnen und aus der Erde stoßen. Viele winzige Tierchen, viele Nährstoffe verbergen sich darin! Dass ich die Erde jetzt so in meiner Hand halten kann, dazu hat vieles und dazu haben viele beigetragen. Wind und Wetter, Frost und Schnee, Hitze und Kälte haben die Erdoberfläche bearbeitet, bis sich Moose und Flechten und schließlich anspruchsvollere Gewächse darauf halten konnten. Pflanzen und Tiere haben mitgewirkt und so manche Generation von Bauern hat schwer gearbeitet, die den Ackerboden gepflügt und gedüngt haben. Wie viele Tausende von Jahren an Arbeit der Natur und des Menschen stecken wohl darin und sind jetzt in meiner Hand gegenwärtig?

Die Erde ist der Grund, auf dem wir stehen. Wir nehmen sienormalerweise nicht in die Hand, sondern wir laufen darauf herum. Sie ist der Boden, der uns trägt. Es soll eine bis ins Tiefste (im wahrsten Sinne des Wortes) erschütternde Erfahrung sein, wenn die Erde bebt und wankt und nichtmehr trägt. Ich habe das glücklicherweise noch nicht erlebt. Aber wir hören ja immer wieder davon und sehen das Unglück, das dann geschieht. Auch gerade jetzt wieder in Chile. Das tötet viele Menschen. Das zerstört Häuser und Städte. Und es erschüttert unser Urvertrauen, dass wir getragen und gehalten sind. So ein Erdbeben kann uns die Haltlosigkeit unseres Daseins ganz brutal erfahren lassen. Dass uns die Erde aber normalerweise trägt und Halt gibt, das kann uns täglich ein Trost sein. Dass sie uns noch erträgt... Und uns nicht verschlingt und die Feststellung von Erich Kästner (noch) nicht ganz zutrifft: 

Diese Menschheit ist nichts weiter als eine Hautkrankheit des Erdenballs! 

Der Mensch ist ein irdisches Wesen. Und irdisch oder irden ist nichts anderes als erdisch oder erdhaft. Die Bibel sagt ganz drastisch undplastisch: Gott formte den Menschen aus dem Ackerboden. Und wenn wir heute unser Wissen über den Menschen zusammentragen, dann stimmt das einfach. Wir sind aus dieser Erde hervorgegangen und gemacht. Ja, wir gehen immerfort daraus hervor. Wir sind ja in ständigem Austausch mit der Erde. Die Luft, die wir ein-und ausatmen, das Essen, das wir zu uns nehmen und wieder ausscheiden. Und wie ich mal gelernt habe, erneuern wir in sieben Jahren die Zellen unseres Körpers. Die einen schneller, die anderen langsamer. Erde, aus der ich bestehe. 

Erde, zu der ich gehe. In die ich eines Tages wiedereingehe. Zu der ich werde, wenn ich mich beerdigen lasse. Selbst wenn ich mich verbrennen lasse, kehre ich doch wieder zur Erde zurück, wenn auch auf andere Weise. „Wir sinken – wir werden Grund…“ So habe ich einmal in einem Gedicht gelesen. Also nicht nur zugrunde gehen, sondern Grund werden. Grund, auf dem andere wieder stehen und leben können. Ist das nicht eine hoffnungsvolle Aussicht für unser Sterben: anderen Grund zum Leben geben? Halt geben, auf dem sie stehen können. 

Die Fastenzeit, die wir jetzt als Christen begehen, lädt uns ein, eine solche Betrachtung zu machen. Sie soll uns helfen, dass wir nichtabheben, uns nicht überheben, sondern geerdet bleiben. Sie soll uns helfen, über die Endlichkeit unseres Lebens nachzudenken und wesentlich zu werden. Als irdische Wesen gehen wieder in den Kreislauf allen Lebens zurück. 

Der Grund, auf dem wir heute gehen und stehen, sind die Generationen vor uns – in einem viel buchstäblicheren Sinne, als uns das im ersten Moment klar ist.

Freilich sind wir nicht nur irdische Wesen. Ebenso drastisch und plastisch sagt der Schöpfungsbericht, dass Gott dem Menschen den Lebensatem in die Nase blies. Damit ist mehr gemeint als die Luft zum Atmen. Damit ist auch das göttliche Leben, der göttliche Geist gemeint oder wie es hebräisch heißt „ruach“, griechisch „pneuma“ oder lateinisch „spiritus“. Alle drei Wortesind auch lautmalerisch. Sie ahmen den Zischlaut beim Ausatmen nach wie das deutsche Wort Pusten. Dieser Atem Gottes ist unser göttlicher Anteil. Traditionellerweise unsere Seele. 

Aber das ist eine andere Betrachtung… 

Jetzt noch einmal zurück zur Erde. Ich bin auf ein Kinderliedgestoßen, das heißt:  

Eine Handvoll Erde 

Mit der Erde kannst du spielen, spielen wie der Wind im Sand
Und du baust in deinen Träumen dir ein buntes Träumeland.

Mit der Erde kannst du bauen, bauen dir ein schönes Haus,
doch du solltest nie vergessen: Einmal ziehst du wieder aus. 

Refrain:|:Eine Handvoll Erde, schau sie dir an
Gott sprach einst es werde, denke daran:|
 

Auf der Erde kannst du stehen – stehen, weil der Grund dich hält,
und so bietet dir die Erde einen Standpunkt in der Welt. 

Indie Erde kannst du pflanzen, pflanzen einen Hoffnungsbaum,
und er schenkt dir viele Jahre einen bunten Blütentraum. 

Refrain:|:Eine Handvoll Erde, schau sie dir an
Gott sprach einst es werde, denke daran:|
 

Auf der Erde darfst du leben, leben ganz und jetzt und hier,
und du kannst das Leben lieben, denn der Schöpfer schenkt es dir. 

Unsere Erde zu bewahren, zu bewahren, das, was lebt,
hat Gott dir und mir geboten, weil er seine Erde liebt. 

Refrain:|:Eine Handvoll Erde, schau sie dir an
Gott sprach einst es werde, denke daran:|
 

Text: Reinhard Bäcker; Melodie Detlev Jöcker. 


Wenn Sie hier klicken, dann können Sie das Lied auch hören!

Es grüßt Sie herzlich und wünscht Ihnen eine fröhliche Fastenzeit (wegen Matthäus 6,16) 

Thomas Gertler

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