Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDas Paradies
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Dem Paradies gehört die Zukunft. So schreibt es die Bibel nicht nur in ihrem letzten Buch der Offenbarung des Johannes. Dort aber beschreibt sie die Zukunft auch als den Strom des Lebens, der durch das Land fließt und Heilung und Leben bringt und die Bäume bewässert, deren Früchte nicht den Tod sondern das Leben bringen und deren Blätter heilen. Hier greift die Offenbarung des Johannes das 47 Kapitel des Buches Ezechiel auf, wo von der Quelle die Rede ist, die vom Tempel ausgeht und zum Leben spendenden Strom wird. An ihm steht unser Paar, an ihm könnten auch wir stehen. Und natürlich greift beides auf den Bericht vom Paradiesstrom zurück, von dem das erste Buch der Bibel berichtet (Gen 2,10ff)

(c) Alyona Burchette - Fotolia.com

Offb 22,1 Und er (der Engel) zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus. 

2 Zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. 

3 Es wird nichts mehr geben, was der Fluch Gottes trifft. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen und seine Knechte werden ihm dienen. 

4 Sie werden sein Angesicht schauen und sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben. 

5 Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit. 

6 Und der Engel sagte zu mir: Diese Worte sind zuverlässig und wahr. Gott, der Herr über den Geist der Propheten, hat seinen Engel gesandt, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. 

7 Siehe, ich komme bald. Selig, wer an den prophetischen Worten dieses Buches festhält. 

Seitwert
(c) Thomas Gertler


Das Paradies 

Vor meinem Urlaub hat mir meine Schwester einen Zeichenblock geschickt mit der Bemerkung: „Mal mal wieder!“ Ich habe es getan. Und es hat mir gut getan. Sehr gut getan. Neben anderem habe ich ein Lieblingsbild von August Macke kopiert. Meine Kopie sehen Sie oben. Ich mute Ihnen eine Kopie zu, nicht weil ich auch ein bisschen stolz darauf bin, - das auch - sondern weil die Bildrechte dann völlig klar sind. Die habe bei dieser Kopie ich. August Macke hat dieses Bild „Sonniger Weg“ genannt

Warum habe ich dieses Bild so gern? Ich will es mit Ihnen zusammen betrachten. Dann lieben Sie es vielleicht auch. Wir gehen wie immer bei der Bildbetrachtung vom Äußeren zum Inneren, von dem, was ich sehe, zu dem, was es sagt.

Ich sehe einen Baum, der das Bild beherrscht. Er überwölbt die ganze Szene. Er schlägt fast ein Oval. Die Blätter sind sonnendurchstrahlt grün, dunkelgrün und gelb. 

Ein Paar steht dicht nebeneinander auf das Geländer gestützt und schaut auf den See oder Fluss. Sie sind ganz parallel gezeichnet. Die beiden Hüte sehen wie einer aus. Die Haarfarbe ist gleich. Die Gesichter sind nicht zu erkennen. Die Farben des Paares nehmen alle Farben des Bildes auf: Grün und Gelb. Blau, Rot und Braun, ja Schwarz. Auch auf ihnen beiden spielt die Sonne. 

Nur eines ist ganz abweichend, und zwar der ganz weiße Akzent durch das Hutband und die Feder auf dem Hut der Frau. 

Uns entgegen kommt eine Frau mit einem Kind. Das Kind zieht und läuft. Vielleicht hüpft es auch. Den Arm hat es nach vor ausgestreckt. Neben den beiden ragt ein weiterer Baum empor. Er teilt (mit der Fortsetzung durch den braunen Anzug des Mannes) die untere Bildfläche in einen blauen und einen roten Teil. 

Jetzt haben wir alle Elemente zusammen, um die Wirkung dieses Bildes zu verstehen. Es ist als erstes die Sonne, die man nahezu körperlich spürt auf diesem Bild. Ihre lebendige Wirkung kommt durch die starken Kontraste zustande: Hell neben Dunkel, Licht neben Schatten. Leuchtendes Gelb, fast schwarzes Grün. Beide sind scharf nebeneinander gesetzt.  

Überhaupt sind es die Farben, die mich an Macke so sehr faszinieren. Sie waren in dem grauen Land, das die DDR war, so eine Wohltat. So eine Freiheit. So mit Farben umgehen können, das hätte ich gern in meinem Kunstunterricht gelernt. Stattdessen gab es sozialistischen Realismus. Aber auch Macke wurde erst richtig zur Farbe befreit durch seine Reise nach Tunis zusammen mit Paul Klee und Louis Moilliet im April 1914. 

Die Harmonie und der Frieden sind das zweite, was dieses Bild ausstrahlt. Nicht nur die fast komplette Parallelität von Mann und Frau, auch die gleiche Neigung wie der Baum und das Widerspiegeln all der Farben signalisieren den Einklang und die Harmonie von Mensch und Mensch, von Mensch und Natur. Schließlich schließt der Baum alles zusammen und umarmt es. 

Es ist für mich daher ein Paradiesbild. Und der Baum ist der Baum des Paradieses. Und das Paar sind Adam und Eva vor dem Sündenfall. Es gibt das Paradies immer noch auf dieser Welt, auch heute. Wir erleben es in solchen Stunden, wie sie in diesem Bild aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eingefangen sind. Ein Sonntagnachmittag mit dem geliebten Menschen oder als fröhlich hüpfendes Kind im Park. Heiterkeit, Wärme, Einklang und Frieden. Schauen auf den See. Träumen. Das Wort Seele kommt vom Wort See. Denn im See wohnen die Seelen – nach der Vorstellung der Germanen. Dieses Schauen auf das Wasser tut der Seele gut. Angeln und den Fischen im Aquarium zusehen, beruhigt und schafft Frieden im Inneren. 

Und ein letztes: die weiße Feder auf dem schwarzen Hut. Das bringt etwas ins Bild, das einmalig ist. Weiß, reines Weiß gibt es da sonst nicht. Da geht das Bild gewissermaßen über sich hinaus oder aus sich heraus. Diese Feder ist der Hinweis auf etwas Anderes. Weiß ist das Licht selbst. Kann man es als das Transzendente deuten? Das Licht Gottes? Man muss es nicht so deuten. Aber es ist sicher, dass in dem Weiß jedenfalls etwas Einmaliges, etwas Ausbrechendes, Übersteigendes, Ungewöhnliches signalisiert werden soll.  

Damit will ich meine Betrachtung schließen, auch wenn noch vieles wahrgenommen werden kann. Vielleicht sehen Sie ja auch noch etwas. Zum Beispiel die Kompositionslinien, die das Bild einteilen. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich an Ihre Paradiesstunden erinnern und sie festhalten. Es gab sie. Nicht nur die Vertreibung aus dem Paradies und die Folgen, die wir täglich erleben. 

Dem Paradies gehört die Zukunft.  

08.09.2010

Mit herzlichen Grüßen

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