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Mk 4,30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

(c) Marek Kosmal - Fotolia.com

Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt
Werde ich Dich pflanzen, dass Du weiterwächst,
Dass Du wirst zum Baume, der uns Schatten wirft,
Früchte trägst für alle, alle, die in Ängsten sind.

Kleiner Funke Hoffnung, mir umsonst geschenkt
Werde ich Dich nähren, dass Du überspringst,
Dass Du wirst zur Flamme, die uns leuchten kann,
Feuer schlägst in allen, allen, die im Finstern sind.

Kleine Münze Hoffnung, mir umsonst geschenkt
Werde ich Dich teilen, dass Du Zinsen trägst,
Dass Du wirst zur Gabe, die uns leben lässt,
Reichtum selbst für alle, alle, die in Armut sind.

Kleine Träne Hoffnung, mir umsonst geschenkt
Werde ich Dich weinen, dass Dich jeder sieht,
Dass Du wirst zur Trauer, die uns handeln macht,
Leiden lässt mit allen, allen, die in Nöten sind.

Kleines Sandkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt
Werde ich dich streuen, dass Du manchmal bremst,
Dass Du wirst zum Grunde, der uns halten lässt,
Neues wird mit allen, allen, die in Zwängen sind.

Ludger Edelkötter

(c) Thomas Gertler


„Das Grün bricht aus den Zweigen - wir wolln das allen zeigen…“ 

Fotografiert auf unserer Dachterrasse in Augsburg. Da bricht aus dem Stein das frische Grün. Ist das nicht immer wieder unglaublich? Diese Kraft des Lebens! Wächst, wo eigentlich nichts wachsen kann. Findet Raum noch dort, wo gar kein Leben möglich ist. Nistet sich ein und wächst. Grünt und zwängt sich durch und bringt wieder neues Leben hervor.  

Freilich muss man es ausreißen. Ist ja Unkraut! Wächst ja dort, wo es nicht soll. Macht uns ja die Terrasse kaputt und dann ist sie eines Tages nicht mehr dicht und das Wasser kommt uns durch die Decke. Kampf dem Grün! Voriges Jahr haben wir alles rausgerupft. Nichts war mehr da. Aber jetzt lugt es wieder hervor. Also nicht nur unser Kampf gegen das Grün. Zugleich kämpft das Grün zäh und leise und geduldig gegen den Asphalt und gegen die Pflastersteine und gegen das versiegelte Land und unser Ausreißen. 

Und zugleich zeichnet sich ab, was sein wird, wenn hier kein Mensch mehr wohnt, wenn das Haus verlassen ist. Das Grün wird es sich Stück für Stück zurück holen. Erst kleines Gras und Kräuter, dann mal ein Birkenstämmchen. In Leipzig habe ich das ab und zu vor 1989 gesehen. Ganze Straßenzüge verfielen und aus den Dächern wuchsen Bäume. Sieg der Natur über die Kultur. 

Für mich ist das Ganze natürlich ein Pfingstbild. Ein Bild der Hoffnung. Du fürchtest, es wächst nichts mehr und siehe da, es sprosst, ist fruchtbar und unausrottbar. Es sucht sich den kleinsten Spalt, der geblieben ist, den schmalsten Streifen ganz am Rand, den Riss, den der Winter im Asphalt dafür aufgebrochen hat und schon ist dort der Samen einer Pusteblume gelandet und Sonne und Regen helfen ihm, dass er dort leben kann. Und siehe da, schon ist aus dem Löwenzahn die Pusteblume geworden und tausendfacher Same verteilt sich und findet irgendwo wieder einen Ort und wächst und blüht wieder. Gott sei Dank! Das ist so tröstlich und ermutigend. Genauso ist Gott auch bei mir, in mir und anderen tätig und sucht den Spalt, den Riss, die Wunde, die Frage und den Schmerz, wo er mich erreichen und berühren und wo er mit seinem Geist in mir Raum finden kann.

(c) Thomas Gertler


Die Überschrift zum Impuls stammt aus einem Lied von Wolf Biermann, das einmal für die eingemauerte und zubetonierte DDR wichtig, trostreich und ermutigend war. Man kann es hier anhören.

Ich denke an einen Bibeltext, der ebenfalls diese große Kraft der Pflanzen als Bild nimmt. Sie kennen es alle. Es ist das kleine Senfkorn. Und Jesus übertreibt in diesem Gleichnis, denn natürlich wird aus dem kleinen Senfkorn kein Baum, nur eine Staude. Aber weil seine Hoffnung und sein Vertrauen so groß sind, sieht er mehr. Wenn ich es mit meinen eigenen Worten formuliere, so sagt Jesus zu denen, die ihm zuhören: „Ja, Ihr habt Recht, wenn Ihr sagt, was, das soll das Reich Gottes sein, das Du bringst? Diese paar Jüngergestalten, diese paar Heilungen und diese paar guten Predigten? Das soll das Reich Gottes sein? Ja, antworte ich Euch, Ihr habt Recht, es ist klein und armselig. Es ist nicht viel. Aber in diesem kleinen Beginn, da steckt die Kraft, alles zu verändern. Aus diesem kleinen Senfkorn, da wird ein riesiger Baum, in dem dann nicht nur die Vögel aller Himmelsrichtungen wohnen, nein, das wird ein Baumhaus, worin alle Völker Platz haben. Das fängt so klein an. Und das sprengt allen Beton und allen Asphalt und wächst und gedeiht und ist fruchtbar über alle Maßen. Ja, und ihr könnt es schon sehen in jedem kleinen Gras und jeder Pusteblume.“ 

Diesen Glauben und dieses Vertrauen und diese Augen für die Wirklichkeit wünsche ich Ihnen!

(25.05.2010) 

Thomas Gertler SJ

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