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Ein europäisches Leben, das auch zeigt, dass Schweden damals schon eng mit Europa verbunden war

Die noch zu ihren Lebzeiten aufgezeichneten Visionen und die von Birgitta verfassten Gebete wurden in die europäischen Sprachen übersetzt. Klöster der Birgittinnen wurden nicht nur in Skandinavien gegründet, sondern auch in Polen, in England, in den Niederlanden, in Deutschland (Altomünster). Da es in Danzig eine Brigitta-Tradition durch ein dort gegründetes Kloster gibt, wählte die Solidarnosc-Bewegung Birgitta, neben Maria, zur Schutzpatronin. Wohl deshalb hat Papst Johannes Paul II. Birgitta, neben Benedikt von Nursia, zur Patronin Europas erklärt.
In Deutschland gibt es seit 2002 ein Birgittinnen-Kloster in Bremen. In Rom sind die Birgittinnen bis heute Anlaufstelle für skandinavische Pilger.

Bildquelle: Wikipedia


Brigitte von Schweden, gestorben am 23. Juli 1373

Hausfrau und europäische Leitfigur


Die Zeitschrift „Brigitte“ ist seit Jahrzehnten das Leitmedium vieler Frauen. Darin wird in Bild und Text gezeigt, wie man sich anzieht, wie man gut kocht und doch schlank bleibt, wie man die Kinder erzieht. Viele weitere gute Tipps, die Frauen im Alltag helfen, finden sich alle 14 Tage im Briefkasten oder am Kiosk.
Was in der Zeitschrift erklärt und erzählt wird, stimmt für die erste Lebensphase der Brigitta. Sie war verheiratet und gebar 8 Kinder. Als ihr Mann in den Reichsrat berufen wurde, wurde sie Hofmeisterin der Königin. Hatte sie schon vorher einen großen Haushalt geleitet, war ihr jetzt noch mehr Personal anvertraut.

In der Zeit als Hausfrau war sie bereits religiös orientiert. Sie war in einem religiösen Elternhaus groß geworden. Beide Eltern führten ein religiöses Leben. Der Vater starb auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostella.
Auch ihr Mann war ein religiöser Mensch. Das war eher Zufall, dass sie einem Mann gleicher Gesinnung angetraut wurde. Denn als Adelstochter wurde sie mit dem Sohn eines anderen wichtigen Mannes verheiratet. Ademar Ulf Gudmarson war 18 Jahre alt, sie 13. Mit ihm war sie 20 Jahre verheiratet. Beide machten eine Wallfahrt nach Santiago. Dabei lernte das Ehepaar Europa kennen. Frankreich litt unter den Folgen des Hundertjährigen Krieges, der auf Erbstreitigkeiten beruhte, jedoch wie die meisten Kriege ein Kampf um militärische Vormacht war. Als das Ehepaar zurückkehrte, zogen sie sich in ein Kloster zurück, Ulf in ein Zisterzienserkloster, sie in ein Zisterzienserinnenkloster. Als ihr Mann 1344 starb, war Birgitta 41 Jahre alt. Ihre Kinder waren groß genug, so dass sie ihre zweite Lebensphase beginnen konnte. Sie hatte schon lange den Gedanken mit sich herumgetragen, einen Orden zu gründen. War sie bisher Hausherrin und Hofmeisterin, wurde sie zu einer Ordensgründerin und einer Friedensvermittlerin. Als Chefin einer Burg hatte sie sich bereits für arme Frauen eingesetzt, am Hof Einfluss genommen. Auf dem langen Weg nach Santiago und zurück hatte sie aber wohl die Kraft geschöpft, Neues zu wagen.

Schon als Kind fühlte sie zu einer tiefen Gottesbeziehung hingezogen, sie war ein visionärer Mensch. Es wird beichtet, dass in einer Schau Maria ihr eine Krone auf den Kopf gesetzt habe. Schon als Kind war sie vom Leiden Jesu beeindruckt und fühlte sich zur Anteilnahme an seinem Leiden berufen.Der König schenkte ihr das Gut Vadstena am Vätternsee. Dort sammelte sie nicht nur Frauen, sondern auch Männer, vor allem Priester um sich. Die Idee war weniger, einen Seelsorgsorden aufzubauen, sondern eine Lebensgemeinschaft. Wie Norbert von Xanten für die Prämonstratenser und Dominikus für seine Ordensgründung wählte Brigitta die Ordensregel des heiligen Augustinus und erweiterte diese. Das war 1346. Sie wollte für ihre Gründung die Anerkennung des Papstes. Diese war jedoch nicht so einfach zu bekommen, denn der Papst residierte, auf Druck des französischen Hofes, in Avignon. So gehörte Brigitta zu denjenigen, die sich für die Rückkehr des Papstes nach Rom einsetzte.

Nachdem sie 1348 versuchte, im Französisch-Englischen, dem Hundertjährigen Krieg, zu vermitteln, kam sie 1349 nach Rom. Sie hatte noch 24 Jahre Lebenszeit vor sich. Ihr Haus in Rom wurde Herberge für schwedische Pilger. Sie nahm sich Frauen an, die in die Prostitution abgerutscht waren. Und sie war unterwegs in Italien und unternahm eine Reise ins Heilige Land. Die Anerkennung für ihre Ordensgründung zog sich lange hin. 1370 erhielt sie eine erste Zusage, jedoch war die Regel von der päpstlichen Kurie gekürzt worden. Erst 1378, fünf Jahre nach ihrem Tod, der Papst war inzwischen nach Rom übersiedelt, wurde die Neugründung endgültig anerkannt. Der Aufbau des Erlöserordens, Birgittinnen genannt, lag in den Händen einer ihrer Töchter, Katharina, die die Mutter begleitet hatte. Sie sorgte dafür, dass die Gebeine ihrer Mutter in Vadstena beigesetzt wurden. Der Ort wurde so Ziel von Pilgern.

Eckhard Bieger S.J.