Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheBonifatius
DeutschEnglishFrancais


Bonifatius

Missionar und Baumeister Europas

Ein englischer Benediktiner entschließt sich im Jahr 716 mit 40 Jahren, aufs Festland zu gehen und die Friesen und Sachsen zu missionieren. Durch politische Schwierigkeiten nach dem Tod Pippins II. wird seine Missionstätigkeit unmöglich. Er kehrt nach England zurück, wird  zum Abt von Nursling gewählt und kehrt 718 wieder auf den Kontinent zurück. Er holt sich zuerst bei Papst Gregor II. einen Auftrag und beginnt in Hessen und Thüringen zu missionieren. Er stellt jedoch fest, daß die fränkische Kirche einer Reform bedarf, ehe die Mission weiter nach Osten erfolgen kann. Er holt sich seinen Auftrag vom römischen Papst, wird in Rom 722 zum Bischof geweiht, ist jedoch von den fränkischen Hausmeiern abhängig, Karl Martell, Karlmann und Pippin der Jüngere, ohne die er keine Synoden einberufen noch Reformen durchsetzen kann. Am 5. Juni 754 wird er von friesischen Strauchdieben umgebracht. Er wird Apostel Deutschlands genannt. Seit 1869 versammelt sich an seinem Grab die Deutsche Bischofskonferenz. Was hat dieser Mann geleistet, daß die deutsche Kirche auf ihn wie einen Gründer sieht, auf den die deutschen Bischöfe wie auf ein Fundament bauen?

Trennung des christlichen vom heidnischen Kult
Die größte Aufgabe sah Bonifatius darin, den christlichen Kult von der Verehrung von Bäumen, der germanischen Götter und anderer Praktiken zu unterscheiden und die Christen davon abzubringen, neben Jesus auch Wotan und Freya zu verehren, ein Problem, das bereits Martin von Tours 350 Jahre vor Bonifatius zu lösen versucht hatte. Für diese Aufgabe, die sich Bonifatius gestellt hatte, steht das Fällen der Donareiche (Donar=Thor) zu Geismar. Ein schneller Erfolg war nicht zu erwarten, erst besser ausgebildete Priester, die überhaupt Latein verstanden, waren die Voraussetzung.

Nachwuchs ausbilden, weil Mission Kompetenz braucht
Bonifatius hielt Synoden ab und gründete Klöster, neben Fulda Amöneburg, Fritzlar, Ohrdruf und die Frauenklöster Tauberbischofsheim, Kitzingen und Ochsenfurt. Käme Bonifatius heute nach Deutschland, würde er wirksame Mittel einsetzen, um eine größere Zahl junger Menschen für den Priester- und Ordensberuf zu gewinnen. Es liegt wohl nicht mehr am allgemeinen Bildungsstand, dass es so wenig Nachwuchs für die Aufgaben der Kirche gibt. Das Modell der kirchlichen Gymnasien als Weg zum Priestertum und Ordensberuf hat in der jetzigen Form keine Kraft mehr. Offensichtlich warten die Verantwortlichen, dass sich von selbst etwas ändert. Das hätte Bonifatius sicher nicht getan. Ein weiteres Problem müßte eine Reorganisation der deutschen Kirche lösen, nämlich den Seelsorgern und Seelsorgerinnen einen eigenen Platz zu geben. Seelsorger müssen nicht alle Priester sein, selbst der hl. Franziskus war kein Priester, auch Benediktiner waren nicht mit Notwendigkeit Priester. Die Seelsorge durch die Theologen und Theologinnen kann sich erst entfalten, wenn sie ihren Platz erhalten. Die neuen, größer gewordenen pastoralen Räume schaffen dafür die Voraussetzung.

Die benediktinischen Wurzeln
Bonifatius ist selbst Benediktiner und war in englischen Klöstern Lehrer, er hat eine Grammatik und eine Metrik verfaßt. Beim Concilium Germanicum, das von Karlmann einberufen worden war, empfiehlt Bonifatius die Benediktregel. Karl der Große und Ludwig der Fromme werden sie für das gesamte fränkische Reich vorschreiben und durchsetzen. Die irischen Klosterregeln werden verdrängt. Das Besondere der benediktinischen Regel ist die im „Ora et Labora“ gefundene Verbindung von Jenseitsorientierung und Weltgestaltung. Die irischen Regeln waren zu wenig an der Welt interessiert. Um eine christliche Kultur aufzubauen, um als Ausbildungs- Gesundheits- und landwirtschaftliche Zentren die Entwicklung eines Landstrichs zu leisten, bot sich die Benediktregel an. Benediktinisch heißt, dem Tag eine lebbare Struktur zu geben, die Zeit für das Gebet frei zu halten, auch mit den Händen zu arbeiten und das Leben in einen Rahmen zu stellen, dessen Fundament die Bibel ist. Kontinuität, nicht ständige Veränderung, den christlichen Lebensprinzipien zu trauen, ist das nicht das Heilmittel gegen den Termindruck, den ständigen Wechsel, die immer neuen Reformen, die doch nicht lange tragen und bald durch Reform der Reformen ersetzt werden müssen? Christlich läßt sich das moderne Durcheinander nur bewältigen, wenn es einen festen Bestand gibt, der nicht nur als Feiertagsgewand herausgeholt wird, sondern dem Alltag eine Basis gibt. Kann man angesichts der Erscheinungen des sog. modernen Lebens als Christ überhaupt noch Zeitdruck, die vielen unnötigen Besprechungen, das Übermaß an Regelungen verantworten? Die Benediktregel umfaßt neben dem Vorspann 73 Kapitel, die meist kürzer als eine Seite ausfallen. Das funktioniert seit 1500 Jahren.

Zurück zur Mission
Am Ende seines Lebens, als Achtzigjähriger, begibt sich Bonifatius nach Friesland, wo er seine Missionstätigkeit begonnen hatte. Grund dafür war sicher auch, daß Pippin der Jüngere sich ohne Vermittlung des Bonifatius nach Rom wandte und fränkische Bischöfe als seine Botschafter schickte. Karlmann, der Bonifatius am nachhaltigsten unterstützt hatte, war 747 ins Kloster gegangen. 754 erlebte Bonifatius noch den Besuch Stephans II. von Ungarn im Frankenreich, den er vorbereitet hatte. Aber es sollte ohne ihn weiter gehen. Daß er als Missionar den Tod erlitt, hat sicher seine Verehrung befördert. Zugleich stellt es eine Herausforderung für die Bischöfe heute dar, sich persönlich der Aufgabe zu widmen. Würde sich Bonifatius nicht heute in Mitteldeutschland engagieren? Anders als in den ehemals deutschen Ostgebieten, wo sich unter den Polen, die aus Weißrußland und der Westukraine vertrieben worden waren, eine lebendige Glaubenspraxis aufgebaut hat, scheint Mitteldeutschland religiös erstorben. Es ist geografisch die gleiche Situation wie zur Zeit des Bonifatius, der Glaube wandert vom Westen nach dem Osten. Ist es nicht Aufgabe der westdeutschen Bistümer, den Blick nach Osten zu wenden und die wenigen Christen dort nicht mit der Aufgabe allein zu lassen? Eine missionarische Initiative würde vielen Bistümern zu mehr Abstand zu den hausgemachten eigenen Problemen verhelfen und durch den Blick über den Zaun auch die Energien freisetzen, die zur Lösung der Probleme offensichtlich fehlen.

(10.06.2009)

Eckhard Bieger S.J.