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Der große Anwalt der christlichen Freiheit war der Apostel Paulus. Am meisten ist davon im Galaterbrief zu spüren. Paulus hat durchgesetzt, dass diejenigen, die aus dem Heidentum kamen, nicht erst Juden werden mussten, um Christen zu werden. Zeichen für die Zugehörigkeit zum Judentum war die Beschneidung. Wer sich beschneiden lässt, wird Jude und muss das ganze jüdische Gesetz halten mit allen Speise- und Kultvorschriften. Davon hat Christus befreit. Hier geht es bei Paulus auch um die Unterscheidung der Geister. Welcher führt zur Freiheit? Welcher in die Sklaverei. Aber auch bei ihm gilt, dass die Freiheit immer auf die Gemeinschaft und auf die Vernunft ausgerichtet sein muss.

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Gal 5,1 Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!

2 Hört, was ich, Paulus, euch sage: Wenn ihr euch beschneiden lasst, wird Christus euch nichts nützen.

3 Ich versichere noch einmal jedem, der sich beschneiden lässt: Er ist verpflichtet, das ganze Gesetz zu halten.

4 Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt, dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun; ihr seid aus der Gnade herausgefallen.

5 Wir aber erwarten die erhoffte Gerechtigkeit kraft des Geistes und aufgrund des Glaubens.

6 Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.

7 Ihr wart auf dem richtigen Weg. Wer hat euch gehindert, weiter der Wahrheit zu folgen?

8 Was man auch gesagt hat, um euch zu überreden: es kommt nicht von dem, der euch berufen hat.

9 Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.

10 Doch im Glauben an den Herrn bin ich fest davon überzeugt, dass ihr keine andere Lehre annehmen werdet. Wer euch verwirrt, der wird das Urteil Gottes zu tragen haben, wer es auch sei.

11 Man behauptet sogar, dass ich selbst noch die Beschneidung verkündige. Warum, meine Brüder, werde ich dann verfolgt? Damit wäre ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.

12 Diese Leute, die Unruhe bei euch stiften, sollen sich doch gleich entmannen lassen.

13 Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!

14 Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

15 Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt Acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.

16 Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.

17 Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, sodass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.

18 Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.

19 Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben,

20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen,

21 Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben.

22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,

23 Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht.

24 Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.

25 Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen.

26 Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen.

Seitwert
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Befreiung 

Die Regeln zur Unterscheidung der Geister helfen uns zu erkennen, von welchem Geist wir beeinflusst werden. Sie helfen uns, gute Entscheidungen zu treffen. Sie helfen uns, Gottes Willen für unser Leben zu finden. Alles drei hängt zusammen. Nur wenn wir uns vom Geist Gottes leiten lassen, können wir Gottes Willen erkennen und uns recht für Ihn entscheiden. 

Die erste Regel lautet daher: Wer Gottes Geist erkennen will, muss bereit sein, auf ihn zu hören, ihn zu vernehmen. Das geht nur durch Stille und Rückzug. Das geht nur durch Gebet. Ohne diese Bereitschaft und ohne das Gebet und die Stille, werde ich Gottes leise Stimme nicht vernehmen und unterscheiden können von den vielen anderen Stimmen, die in mir reden. 

Die zweite Regel lautet und die habe ich schon im vorigen Impuls genannt: in dieser Zeit der Stille und des inneren Vernehmens soll ich jenen Stimmen, jenem Geist folgen, der mich in die bleibende Freude führt. Wobei Freude etwas Tieferes oder Höheres ist als Spaß und Vergnügen oder einfach nur gute Laune. Freude stellt sich ein, wenn ich mich selbst verlasse, aus mir herausgehe, mich überwinde. Mich auf Größeres ausrichte als ich selbst bin. 

Jetzt kommen wir zur dritten Regel. Der Geist Gottes führt aus Enge in die Weite. Er führt aus Ängsten und Zwängen in die Freiheit. Er hilft mir mit der Freiheit recht umzugehen. Der Ungeist verspricht Freiheit führt aber in Zwänge und Ängste. Das trifft für mich als einzelne/n zu. Das gilt aber auch für Gemeinschaften, ja ganze Gesellschaften. 

Fangen wir mit dem Negativen an. Das ist oft leichter zu erkennen. In der Jugend schaue ich auf die ganz coolen Typen einer Gang. Die haben tolle Sachen. Die haben vor niemandem Angst. Im Gegenteil die anderen haben Angst vor ihnen. Ein Versprechen von Freiheit geht von ihnen aus. Wenn ich mich aber darauf einlasse, dann gerate ich ganz schnell in eine äußerst brutale Hierarchie mit absolutem Gehorsam. Schnell werde ich gezwungen Sachen zu tun, die ich nicht will und die mich zum Verbrecher werden lassen. Von der Verheißung der Freiheit gerate ich in Ängste und Zwänge.  

All das kann auch geschehen unter dem Deckmantel des Religiösen. Auch da wird mir Freiheit, Zugehörigkeit, Wertschätzung verheißen, ich bekomme aber eiserne Regeln. Verlangt werden Selbstverleugnung, Aufgabe aller Selbständigkeit und inneren Eigenständigkeit bis hin zur Gehirnwäsche. Überall da, wo das geschieht ist sicher nicht Gottes Geist am Wirken, sondern das Gegenteil. Flucht daraus ist unbedingt nötig. 

Ich kenne solche Unfreiheiten auch aus meinem ganz persönlichen Leben: "Mit meinem Essproblem/Alkoholproblem/Tablettenproblem/Rauschgiftproblem werde ich NIE fertig." "Mit meinem Jähzorn wird das nie anders. Alle meine Beziehungen werden daran zerbrechen." "Ich werde immer ein Mauerblümchen bleiben. Niemals wird mich jemand beachten und lieben." Jede/r kennt solche "Ohnmachtssätze". Ich auch. Welches sind Ihre? Sagen Sie sie einmal laut. Sagen Sie sie bewusst einmal laut, dass Sie selbst die Furchtbarkeit und Endgültigkeit hören. Das ist nicht Gottes Geist! 

Im Gegenteil aus solcher Ohnmacht will Gottes Geist uns herausführen. Und er ist immer schon dabei das zu tun. Er ist schon auf dem Wege, uns aus dem Gefängnis zu führen. Jetzt, während Sie das lesen! Tun Sie heute den ersten Schritt heraus! Nur den ersten Schritt! Den ersten kleinen Schritt! Und sobald Sie den tun, wachsen in Ihnen sofort Hoffnung und Zuversicht, ja sogar wieder ein kleines Lächeln. Und wenn Sie wieder fallen, haben Sie die Demut, wieder von vorn anzufangen. Schauen Sie auf die kleinen Kinder, die gehen lernen. Wie oft fallen sie hin! Wie oft versuchen sie es wieder. Unermüdlich. Und sie schaffen es. Eines Tages können sie laufen. Und wie sie dann vor Freude quietschen! Und auch Sie können es mit Gottes Hilfe schaffen. Es gibt wirklich Befeiung! Es gibt wirklich Schritte hinaus. Und auch Sie dürfen dann voll Freude jubeln. 

Gottes Geist führt aus den Ängsten in die Freiheit. Aus der Enge in die Weite. Bei Ignatius war es so, dass er aus dem Schloss von Loyola im Baskenland in eine Gemeinschaft geführt hat, die bei seinem Tode schon die Welt umspannte und mehr als Tausend Mitglieder hatte.

Er hat selbst so gesagt: "Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden." 

Heute leben wir hier in einer freien Gesellschaft. Die Freiheit gehört zu den Grundwerten. Wir sind so frei, dass viele schon wieder mit der Freiheit ihre liebe Not haben. Was soll ich tun? Ich kann mich nicht entscheiden. 

Nach dem Ende der DDR durfte ich ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbringen. Mit einem guten Freund habe ich dort eine Kneipe besucht. John fragte, was sie so für Bier hätten. Es gab nur eine Sorte. "Too much choice is not good for people", sagte die Kellnerin. Zu viel (Aus-)Wahl ist nicht gut für die Leute. Ich musste sehr lachen. Das war ein Satz, nach dem auch unsere untergegangene Regierung verfahren war. Ist nicht was Wahres dran? Manche wünschen sich weniger Auswahl. Das Leben wäre (wieder) einfacher. Im mehrfachen Sinne des Wortes. 

Viele haben Angst vor Entscheidungen. Sie meinen, sie verlören dadurch an Freiheit. So machen sie keinen Gebrauch von der Freiheit. Sie lassen alles offen und in der Schwebe und so ist dann ihr Leben. Nein, das Gegenteil ist der Fall: ein konkreter Mensch, ein einmaliger Mensch mit Charakter und Wirksamkeit, werde ich nur durch diesen Gebrauch der Freiheit, durch Entscheidung und Entschiedenheit. Dadurch wird mein Leben reicher, lebendiger und wirklicher. 

Freilich bedeutet Freiheit nicht Beliebigkeit. Bedeutet nicht einfach, zu machen, was ich will und mir davon keine Rechenschaft zu geben. Nein, Freiheit will Verantwortung. Freiheit ist das Gegenteil von Willkür. Willkür gibt sich keine Rechenschaft, welcher Geist denn da am Werke ist und treibt. Willkür liefert sich ungewussten und unbewussten Kräften aus. Freiheit will wissen, was sie tut. Sie kann nur dann sinnvoll gebraucht werden, wenn sie mit der Vernunft gepaart ist. So gehören Freiheit und Wahrheit innerlich zusammen. Aber das ist das nächste Thema und die nächste Regel. 

Heute heißt die Regel: Gottes Geist führt in die Freiheit. Entscheide dich für die tiefere Freiheit, die nie nur deine allein sein kann, sondern auch die Freiheit des anderen und des anders Denkenden. Freiheit will die Freiheit für alle und setzt sich dafür ein. Unsere endliche und begrenzte Freiheit bedarf der absoluten Freiheit Gottes. 

Dass Sie etwas von Ihrer Weite erspüren, das wünscht Ihnen 

Thomas Gertler SJ

03.08.2010

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