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Wie und wohin Gottes Geist führt und leitet, können wir am Lied des Zacharias über die Geburt seines Sohnes Johannes erkennen, am sogenannten „Benedictus“. Dieses Lied aus dem Lukasevangelium wird von der Kirche an jedem Morgen im Morgenlob oder den „Laudes“ gesungen, weil es auch die Erfahrung der Glaubenden ist oder weil wir bitten, dass sie es sein möge.

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Lk 1,67
Sein Vater [nämlich der Vater Johannes des Täufers] Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden:

68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! / Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen; 

69 er hat uns einen starken Retter erweckt / im Hause seines Knechtes David. 

70 So hat er verheißen von alters her / durch den Mund seiner heiligen Propheten. 

71 Er hat uns errettet vor unseren Feinden / und aus der Hand aller, die uns hassen; 

72 er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet / und an seinen heiligen Bund gedacht, 

73 an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat; / 

74 er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, / ihm furchtlos dienen 

75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit / vor seinem Angesicht all unsre Tage. 

76 Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; / denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. 

77 Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken / in der Vergebung der Sünden. 

78 Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes / wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

79 um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, / und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens. 

80 Das Kind wuchs heran und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten. 

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Atmosphärische Störungen und super Klima 

Plötzlicher Regenguss, Glatteis, ungeahntes Gewitter, ein heftiger Sturm, oder gar ein Tornado sind möglich und manchen schon begegnet. Zuweilen auch vierzehn Tage Regenwetter. Unangenehme atmosphärische Störungen. Es gibt sie aber auch oft ganz ähnlich zwischen den Menschen. Und die kennt wohl jede/r. In meinem Büro herrscht mit einem mal ein eisiges Klima. Man redet nur noch das Nötigste. Das Lächeln ist nicht mehr echt, sondern nur noch Maske. Es gibt unter kalter Höflichkeit verborgene Spitzen und Widerhaken. Man kommt sich nicht mehr entgegen, sondern sitzt abwehrbereit hinter der hochgezogenen Zugbrücke seiner Akten. Alles geht mühsam, steif und förmlich zu. Man schaut nur noch auf sich und seinen Schreibtisch und schaut nicht mehr auf die anderen, höchstens heimlich und voller Verdacht und Häme. Die Arbeit wird zur Qual. Ich fühle mich immer unglücklicher. Ich werde krank in dieser Atmosphäre. 

Hoffentlich kennt jede/r auch das Gegenteil. Es gibt Offenheit, Entgegenkommen, Freude miteinander und aneinander. Man hilft sich. Man ist sensibel füreinander. Zeigt Mitgefühl und achtet und beachtet den anderen. Die Arbeit kommt gut voran, weil man den anderen mal fragen kann, wie er/sie beispielsweise mit diesem Computerproblem umgeht oder wo man diese Information herbekommt. Jeder trägt aktiv zum Ganzen bei und hat es auch im Blick. Ich gehe gern zur Arbeit. Ich entwickle mich weiter. Ich bin glücklich und kann so auch zur Freude der anderen beitragen. Super Klima. Super Betriebsklima. 

Das Klima und die Atmosphäre sind entscheidende Dinge. In allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens. (Ganz nebenbei: Sie können sich mal fragen, wie direkt das aufgeheizte Weltklima und das Klima unter den Menschen und Völkern in Zusammenhang stehen!) Oft sind solche „Klimafragen“ sehr schwer zu fassen und doch andererseits sofort körperlich spürbar. Nicht nur das Gesicht, oft viel deutlicher zeigt meine Körperhaltung, wie ich mich in der Gruppe fühle. Wir sprechen da von auch von einem Geist oder einem Ungeist, der in einer Gruppe herrscht. Einerseits ist dieser Geist natürlich Produkt unseres eigenen Verhaltens, auch meines Verhaltens. Aber andererseits steht uns dieser Gruppengeist gegenüber. Er hat sein eigenes Leben, seine eigene Konsequenz und Dynamik. 

Ein schreckliches Beispiel dafür erzählt Solschenizyn im „Archipel Gulag“. In einer großen Versammlung wird eine Lobrede auf Stalin gehalten. Langer Beifall. Lang anhaltender Beifall. Nicht enden wollender Beifall. Ja, es war verhängnisvollerweise der Punkt verpasst, wo der nicht enden wollende Beifall normalerweise ohne Gesichtsverlust ein Ende gefunden hätte. Aber die Versammlung klatscht weiter. Sie konnten nicht aufhören, denn es war klar, wer jetzt aufhört, dem sind seine Hände lieber als das Väterchen Stalin. Der kommt dafür ins Lager. Einer von den alten Genossen oben auf der Tribüne gibt dann irgendwann auf, weil er physisch einfach nicht mehr konnte. Er und auch andere landeten im Gulag, im Zwangslager. Zwang und Ungeist einer Gruppe. Schrecklich. Es passiert in der einen oder anderen Form immer wieder auf der Welt. Die Nazizeit hatte auch solche Todesdynamik. Jede/r kennt Ähnliches. 

Aber es gibt eben auch das Gegenteil: Befreienden, lebendig machenden Geist, denn nicht nur das Böse ist ansteckend, auch das Gute. Der Geist der Gewaltlosigkeit, der von Mahatma Gandhi ausging und auch ganz viele entzündete. So stark, so mächtig wurde dieser Geist, dass die Weltmacht Groß Britannien seine Kolonie Indien in die Freiheit und Selbständigkeit entließ. Ich hoffe, es fallen auch Ihnen konkrete Beispiele aus dem großen und dem kleinen Leben ein. 

Die Bibel spricht bei diesen Erfahrungen, die wir alle kennen, von „Mächten und Gewalten“. Es sind gute Mächte und auch dämonische Mächte. Oder auch Engel und Dämonen. Plötzlich sieht es hier etwas anders aus als bei dem himmlischen Geflügel des letzten Impulses. Plötzlich hat jede/r im eigenen Alltag damit zu tun. Freilich bleibt auch hier offen, inwieweit das personale Kräfte sind mit einer eigenen Existenz oder ob es das ist, was der Philosoph Hegel den „objektiven Geist“ nennt. Das sind solche geistigen Wirklichkeiten, die dem Einzelnen gegenüberstehen (=objektiv), an denen er aber auch selbst mitwirkt und in denen er lebt, die ihn prägen und die ein Eigenleben führen und eine eigene Dynamik entwickeln. Am wichtigsten die Sprache, die wir jeweils sprechen. Es ist meine Sprache, aber auch unsere Sprache und wir folgen (meistens) ihren Gesetzen. Als zweites vielleicht die Institutionen, in denen wir leben, von der Familie, über den Gesangverein und das Büro oder die Fabrik, bis hin zum Staat. Oder ob es tatsächlich solche Kräfte personaler Art sind, die oft die Bibel im Auge hat. Aber auch die Bibel und auch die spirituellen Traditionen sind da nicht so festgelegt, was das genau ist. Und das ist auch nicht entscheidend. 

Für die Bibel und die ganze geistliche Tradition ist aber entscheidend, wie wir diese Mächte und Gewalten erkennen und wie wir damit umgehen sollen. Denn der Ungeist hat seine Kennzeichen und der gute ebenfalls. Das Böse richtet sich immer gegen das eigentlich Menschliche, nämlich gegen unsere Fähigkeit zur Wahrheit und zur Freiheit. Der Ungeist vernebelt, kompliziert, blendet, verdreht, lügt. Der Ungeist zwingt mich, versklavt mich, wendet gegen mich Gewalt an, übt Druck aus, macht Angst und eng und macht fanatisch. Letztlich führt er immer in Ohnmacht und Blindheit, in die kalte Einsamkeit und in das Nichts. Der Ungeist nichtet und vernichtet. 

Gottes guter Geist tut in allem das strikte Gegenteil: er führt in die Wahrheit, ins Licht, in die Freude. Er führt in die Freiheit, in die Erlösung, zur Mitte oder in die Konzentration, in die Gemeinschaft, in die Versöhnung und die Barmherzigkeit und die Liebe, in den Lobpreis und die Dankbarkeit. Das Gute macht lebendig und befreit aus Finsternis und Todesschatten. 

Welche Mächte und Gewalten kenne ich? Wo bin ich verstrickt? Wo erlebe ich Wahrheit und Freiheit? 

Die Adventszeit und die Weihnachtszeit künden uns an, dass Gottes Macht zu uns unterwegs ist und den Geist des Todes vernichtet und uns in das Reich des Lichtes, des Friedens und der Freiheit führt. 

Dass ihnen davon ein Licht aufgeht, wünsche ich Ihnen mit jeder Kerze am Kranze

(15.12.2009)