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Das Gegenbild zu unserer Versuchungsgeschichte Gottes stellt die Versuchungsgeschichte Jesu bei Matthäus im 4. Kapitel dar.



Mt 4,1 Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.
2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.
3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

5
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, / dich auf ihren Händen zu tragen, / damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

8
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

11
Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.



Immer an der Kante, immer am Rand. - Kennen Sie das?

Wir leben meist nicht in der Mitte, sondern eher am Rand. Ob es bei der Arbeit ist: eher an der Ecke des zu viel. Dafür dann im Urlaub totale Faulheit bis zum Überdruss und Ekel. Oder ob es beim Essen ist, wieder beim zu viel. Oder heute bei vielen jungen Frauen am Rand des zu wenig (oder sogar darüber hinaus). Beim Schlaf, eher zu spät ins Bett, eher zu wenig Schlaf. Ob es beim Sport ist, ich müsste mehr tun. Oder mein Sport wird zur Sucht. Ich überanstrenge mich regelmäßig. So dass der Sport gar nicht mehr gesund ist.

Wann bin ich mal so richtig ausgeglichen in allem?

Oder vielleicht wichtiger, warum gibt es diese Gleichgewichtsstörungen?

Warum immer on the egde, immer an der Kante zum Absturz?

Warum immer diese Übertreibungen?


Immer ein zu viel oder ein zu wenig. Fällt Ihnen das bei Ihnen auch auf? Und wo ist Ihre Absturzkante, über die Sie immer in den Abgrund hinunterschauen?

Es gibt verschiedene Antworten, woher denn dieser Drang an den Rand kommt. Sie können ja einmal selbst nachdenken und nachfühlen, wo es bei Ihnen Klick macht.

Erster möglicher Grund:

wir denken: „einer geht noch, einer geht noch rein...“ Jetzt nur noch das erledigen und dann ist es gut. Oder nur noch das eine Stückchen Schokolade. Dann mache ich Schluss. Oder jetzt nur noch diese Seite schreiben, lesen, korrigieren, dann bin ich ja auch fertig. Oder beim TV: vielleicht kommt doch noch was Interessantes auf irgendeinem Sender. Und dann zappe ich noch eine frustrierende halbe Stunde.

Zweiter möglicher Grund:

Wenn alles so ganz im Gleichgewicht und in der Mitte ist, dann ist doch das Leben langweilig. Ich habe einen heimlichen Widerwillen gegen dieses so schön geordnete und ausgeglichene Leben. Man muss doch einfach auch seine Grenzen austesten. Das tut doch schon ein Kind. Die Ermahnungen der Eltern fordern doch dazu heraus. Und jetzt bin ich doch erwachsen, da will ich es selbst ausprobieren. Jetzt muss ich nicht mehr das liebe Mädchen, der brave Junge sein. Es ist ja auch mal schön, ein bad boy oder ein böses Mädchen zu sein. Und mal an der Klippe zu stehen und das Schwindelgefühl im Bauch zu spüren.

Dritter möglicher Grund:

ich bemühe mich immer wieder um die Mitte, aber ich gerate von selbst immer wieder heraus. Das liegt an den Schwächen meines Charakters. Ich habe eben so ein Temperament, das immer wieder zum zu viel und zum zu wenig führt, aber eben nicht in der Mitte bleiben kann. Ich möchte viel lieber im Frieden mit mir selbst und meiner Welt leben, aber nein, immer wieder tue ich das, was ich nicht will. Davon schreibt schon der Apostel Paulus so deutlich aus eigener Erfahrung (Röm 7,14-25). Wir stimmen eben einfach nicht mit uns selbst überein, sondern haben die Sicherheit der Instinkte verloren. Und so müssen wir es mühsam lernen, in ein Gleichgewicht zu finden und darin zu bleiben.

Vierter möglicher Grund:

Ich denke, es muss doch noch einen anderen Weg geben, um mein Ziel, mein Glück zu erreichen, nicht diese Mühe der Askese, des Fleißes, der intensiven Arbeit, der Geduld und des Kampfes mit mir selbst. Es sollte doch noch einen anderen Weg geben zum Glück. Einen einfacheren, weniger harten und weniger steilen, sondern einen breiten, angenehmen, leichten. So wie ihn früher das HB-Männchen gezeigt hat: gerade nachdem alles schief gegangen war: „Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst“ (http://de.youtube.com/watch?v=wi7LeqsOVH4&NR=1).
Dieser Reklamespruch ist verboten worden und fehlt auch bei den jetzt noch gezeigten Videoclips von früher, weil sie so eine tiefe Sehnsucht des Menschen ansprach und verhieß: es geht alles wie von selbst und ordnet sich und so auch ich und mein Leben – eben ohne Mühe und Anstrengung wie von selbst. So was müsste es geben und das versuche ich immer wieder, obwohl ich weiß, es wird so nichts.

Fünfter möglicher Grund:

Noch darunter, unter all diesen Gründen liegt für mich noch ein anderer. Und das ist ein religiöser Grund. Es steckt darin nämlich auch so eine Art Versuchung Gottes. Ein Test, ob es trotzdem noch alles gut geht.

So eine heimliche Frage: Liebst du mich auch, wenn ich so etwas Unvernünftiges tue?
Hältst Du meine Welt zusammen und bewahrst mich, obwohl ich mich nicht richtig und korrekt verhalte?
Hast Du mich erwählt?
Lässt Du für mich rote Rosen regnen?
Kann ich Deine Liebe zu mir daran erkennen, dass mich die Welt trotz allem noch trägt, erhält und gut zu mir ist?


Es ist nicht ganz einfach, diesen religiösen Grund zu erkennen, weil es ja so ein kindlich/kindisches Denken und Verhalten ist. Das sollte ein Erwachsener wie ich ja gar nicht an den Tag legen. Aber ich denke, das ist schon manchmal der Fall und das Kind in uns bleibt lebendig: diese Herausforderung Gottes und das sich fallen lassen in seine Vorsehung. Sie muss mich doch tragen.

Wenn ich es oft genug erfahren habe, dass es irgendwie doch noch immer gut gegangen ist und ich (durch Gottes unglaubliche Geduld mit mir seinem Kind) vor dem Schlimmsten bewahrt wurde, wenn auch nicht ohne Schrammen und ohne Scham und Wut auf mich selbst, dann hoffe ich für mich, endlich bereit zu sein, meinem guten Gott zu vertrauen, auch ohne ihn immer wieder zu testen.