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Der grundlegende Text über die alltägliche Arbeit und den Sonntag steht im Buch Exodus bei den 10 Geboten


Ex 20,9 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
10 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.
An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter,
dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde,
der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.
11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und
alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr
den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.

Die Mühsal der täglichen Arbeit ist Folge der Sünde des Menschen. So schildert das Buch Genesis


Gen 3,17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum
gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes musst du essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.



Der Durchschnitt ist Durchschnitt. Das ist sehr banal. Als Aussage und als Feststellung. Genau wie eben der Durchschnitt und der Alltag sind. Der Durchschnitt meines Lebens besteht aus Durchschnittlichem. Aus dem Gewöhnlichen. Dem was immer geschieht. Es ist sehr demokratisch, denn es ist immer die Mehrheit. Die Mehrheit der Tage ist Alltag. Die Mehrheit der Menschen ist mittelmäßig. Die Mehrzahl meiner Taten ist gewöhnlich. Und ich bin eben auch ein ganz durchschnittlicher Mensch.
Und das ist nicht leicht zu akzeptieren, wenn ich darüber nachdenke. Ich möchte mich herausheben und ungewöhnlich und einmalig sein. Und das bin ich ja auch. Aber selbst meine Einmaligkeit ist die Einmaligkeit aller: auch alle anderen haben unterschiedliche Fingerabdrücke und Augen und Erbanlagen. Ich bin einmalig, aber auch auf eine Weise wie auch die anderen. Jedenfalls in gewisser Weise.

Nun ist diese Alltäglichkeit nicht nur etwas, was alles einebnet und alles auf das gleiche Niveau absenkt. Sie ist auch etwas sehr Tröstliches und Nötiges. Das Gewöhnliche ist ja auch das Wohnliche. Das, wo ich zu Hause bin. Das Vertraute. Das Bergende. Das Bekannte und auch Bewältigbare. Was ich schaffe. Es hat mit Gewohnheiten und Ritualen zu tun. Und Gewohnheiten und Rituale geben mir ein zu Hause, auch wenn ich gar nicht zu Hause bin sondern unterwegs. Wenn ich jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehe. Wenn ich jeden Morgen die gleichen gymnastischen Übungen mache. Wenn ich jeden Morgen das Gleiche frühstücke. All das schafft mir ein Zuhause, ein Gehäuse, das mich birgt.

Welches sind solche bergenden Riten und Gewohnheiten in meinem Leben?


Der Alltag ist auch das, was ich oft gar nicht mehr richtig wahrnehme und sehe, weil es so nahe und vertraut und bekannt ist. Und darum ist es auch gar nicht leicht, über den Alltag zu sprechen und nachzudenken. Wir sind ihm viel zu nahe. Erst wenn man im Ausland ist, dann fällt einem auf: huch hier sind ja alle Straßenbahnen rot. Alle Taxis sind blau weiß. Alle Häuser haben ein Flachdach. Ja, es gibt auch so ganz typische Gerüche: die italienischen Gewürze, die einem sofort Appetit machen, aber eben auch fest mit Spagetti und Pizza verbunden sind. Und wir haben im Osten Deutschlands den typischen Geruch des Trabants gar nicht mehr wahrgenommen oder die Luft mit dem Braunkohlegestank. Das hat uns erst der Westbesuch gesagt. Wenn es uns so vertraut ist, dass wir es nicht mehr wahrnehmen, dann sind wir zu Hause.

Alltäglichkeit und Durchschnittlichkeit sind nötig, damit es davon unterscheidbares Ungewöhnliches gibt. Wenn alles von gleichem Grün ist, dann gibt es auch dieses Grün nicht mehr, weil alles genau so grün ist. Das Grün ist nur als Grün erkennbar und unterscheidbar, wenn es wenigstens noch eine andere Farbe gibt. Das Ungewöhnliche gibt es nur auf dem Untergrund und Hintergrund des Gewöhnlichen.

Der Höhepunkt hat davor und danach die Ebene. Und diese Ebenen sind auch wichtig. Denn Sonntag gibt es nur, wenn es auch den Alltag gibt, und das Fest braucht die graue Gewöhnlichkeit. Nicht nur als Kontrast. Sondern der Alltag muss auch die Mehrheit sein. Wir halten es sonst gar nicht aus. Wir sind wirklich alltägliche Menschen. Wir brauchen das Gewohnte, die Gewohnheit, den Trott und die Routine. So sehr wir darunter stöhnen und so sehr uns oft Zeitung, Radio und Fernsehen täglich und stündlich das Ungewöhnliche, Einmalige und Außerordentliche vor Augen führen wollen. Auch diese Sensationen und Katastrophen sind gewöhnlich sehr gewöhnlich, nicht extraordinär, sondern ordinär.

Wie stehe ich zu diesem Alltäglichen und Gewöhnlichen bei mir?


Ist es eher lästig und langweilig?


Oder ist es mir eigentlich lieber als der Festtag?


Nun ist das Erstaunliche, dass auch Gott nicht nur sonntäglich ist – wie wir gewöhnlich denken, sondern auch alltäglich ist. Das will schon der Schöpfungsbericht sagen, innerhalb dessen auch Gott sechs Tage schafft und arbeitet und erst am siebten Tage ruht.
Menschwerdung Gottes bedeutet gerade, dass Gott sich in diese Struktur selbst eingelassen hat und auch bei ihm die meiste Zeit Alltag ist. Jesus hat dreißig Jahre im Verborgenen gelebt und wohl als Handwerker gearbeitet und höchstens drei Jahre in der Öffentlichkeit gewirkt. Und auch in diesen Jahren der Öffentlichkeit war die Mehrzahl der Tage Alltag.