Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheAlles ist sinnlos...
DeutschEnglishFrancais

Ein solch tröstender Text der Bibel steht ganz an ihrem Ende, in der Offenbarung des Johannes. Immer wieder kann ich ihn mir sagen lassen und glauben: „diese Worte sind zuverlässig und wahr”.


Offb 21,1
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.

2
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.

3
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.

4
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.

5
Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.

(c) Marem - Fotolia.com


„Alles ist sinnlos…“

 
Es hat doch alles keinen Zweck. Geben Sie sich keine Mühe. Es ist sowieso alles sinnlos. Das sind Sätze, die ziehen bei mir den Stöpsel aus der Wanne. Kraft und Freude am Leben fließen unter mir weg und ich sitze da, nackt, feucht und kalt. Es sind Sätze, die mich schwach machen. Ich will sie gar nicht hören. Aber sie werden mir oft gesagt. Meist nicht so bitter ernst. Häufig genug doch ernst gemeint. Und ich bin dagegen oft hilflos und fühle mich ohnmächtig. Was soll ich denn machen? Ich kann doch meinem Gegenüber seine Ansicht nicht einfach ausreden. Sicher, ich versuche zuerst einmal, den Blick wieder zu weiten. Denn meistens ist ja gar nicht alles sinnlos, sondern es geht um eine einzelne heftige Sinnlosigkeitserfahrung. Es klappt nicht mit dem Traumberuf. Mein Partner hat mich verlassen. Ich bin durch eine wichtige Prüfung gefallen. Ich bin schuldig geworden. Es gibt eine schwere Krankheit.
 
Diese eine Sinnlosigkeitserfahrung breitet sich über alles aus. Alles fällt mir ein, was schon schief gegangen ist in meinem Leben. Und dann ist er da der Satz: Es ist doch alles sinnlos. Nein, nicht alles. Dieses eine. Darum ist bei so einer alles überschwemmenden Erfahrung der erste Rat: Schadensbegrenzung. Sandsäcke aufschichten. Flut eindämmen. Lass nicht alles in deinem Leben dadurch schwarz färben. Lass nicht eine begrenzte Erfahrung über alles bestimmen.
 
Aber das reicht oft nicht. Denn ich sehe das vielleicht mit meinem Verstand ein, aber die Trauer, die Enttäuschung, das Sinnlosigkeitsgefühl bleiben. Mein Gegenüber sagt immer noch den schlimmen Satz: Es ist doch alles sinnlos. Und immer noch macht er mich damit schwach. Ich gehe einen Schritt weiter und versuche meinen Gesprächspartner daran zu erinnern, dass er (oder sie) schon andere Erfahrungen im Leben gemacht hat. Dass es auch Glück, dass es auch Gelingen, Harmonie, Schönheit und Sinn gegeben hat. Dieses Erinnern ist wichtig, gemäß dem alten jüdischen Satz: “Vergessen führt in die Verbannung, Erinnern führt in die Befreiung.” Denke daran, was du schon an Gutem und an Güte erlebt hast und geh zu diesen Erfahrungen zurück. Erinnere dich daran. Verinnerliche sie dir. Nimm diese gute Erfahrung genau so ernst, wie du jetzt deine schwere Erfahrung nimmst. Es gibt in deinem Leben nicht nur Sinnlosigkeit. Du hast längst auch schon das Gute erfahren.
 
Aber auch das reicht viele Male nicht. Immer noch wiederholt mein Gegenüber den Satz: Es ist doch alles sinnlos. Jetzt wenigstens, jetzt, in diesem Moment, helfen alle meine Argumente nichts. Und dann habe ich allmählich wirklich das Gefühl: jetzt sind mir Lebensfreude und Kraft davongelaufen und ich sitze, frierend und entblößt in der leeren Wanne. Dann bleibt mir nur noch eines, nämlich nicht mehr Argumentieren, sondern meine Überzeugung und meinen Glauben einfach dagegen zu setzen. Nein, es ist nicht alles sinnlos. Es gibt einen Sinn. Manchmal spüre ich ihn. Manchmal erfahre ich ihn. Und: Es wird wieder gut werden. Freilich frage ich mich: was ist denn das schon? Ist das nicht wie das Kinderlied: “Heile, heile, Gänschen, ist bald wieder gut... !”? Ich bin versucht, so zu denken, es sei nichts anderes als ein Wort und ein Trost für Kinder.
 
Aber gerade im letzten Jahr, bei der Begleitung eines solch immer wieder verzweifelten Menschen, habe ich gemerkt: Nein, das ist mehr als ein leeres, daher gesagtes Wort. Es ist ein Zeugnis. Die Bezeugung einer Wahrheit, für die ich einstehe: ES WIRD ALLES GUT! Und sie hat ihre Wirkung. Das ist es, was ich erfahren habe und was ich gern weitergeben will. Die Bezeugung des Sinnes ist genauso wirksam, wie ich die Wirkung der gegenteiligen Überzeugung spüre. Wenn ich mich dahinter stelle und sie so dem Verzweifelten bezeuge, dann trägt sie auch und bewirkt beim anderen die Schwächung seiner Verzweiflung. Das habe ich gemerkt, weil mir in meiner Hilflosigkeit gar kein Argument mehr einfiel und ich nur noch schlicht der Feststellung: „Es hat alles keinen Zweck”, ebenso beharrlich meine Überzeugung entgegengesetzt habe, dass es doch einen Sinn gibt und dass alles gut wird. Und in diesem geistigen Kampf, in dem ich mich zunächst so hilflos und schwach fühlte, in dem ich meinte, was hast du denn da schon gegen dieses schwarze Loch zu setzen, wie willst du denn das stopfen, in diesem geistigen Kampf habe ich gemerkt, indem ich einfach stur dabei blieb: es ist nicht ohne Wirkung. Die Bezeugung des Sinnes verändert den anderen doch. Und der andere will es auch hören. Er braucht mein Zeugnis. Er will hören, dass es das Gute doch gibt, dass es doch einen Zweck hat, dass das Leben doch sinnvoll ist. Und dass alles gut wird.
 
Das ist es, wozu ich ermuntern will: lass dich nicht irre machen. Bleibe dabei. Stehe beharrlich dazu. Lass dich nicht beeindrucken. Nimm den Kampf auf und halte aus. Auch und gerade, wenn es dich selbst bedrängt, wenn die Kälte in dir selbst heraufsteigt. Sag es zu dir selbst. Widersprich den Argumenten der Sinnlosigkeit. Halte bewusst mit Sätzen dagegen. Es ist eine alte Überzeugung der Mönchsväter, dass ein solches „Einreden” hilft. Anselm Grün hat ein Buch darüber geschrieben.
 
Dass das Leben einen Sinn hat und dass es doch einen Zweck hat, sich zu mühen. Das bleibt wahr. Darauf kann ich immer wieder zurückkommen. Das kann ich wiederholen und immer wieder sagen. Wie ein Wort aus der Bibel. Und so kann auch ich selbst wieder Kraft und Freude am Leben finden. So wie schon nach der Lehre des heiligen Thomas von Aquin ein warmes Bad tröstend wirkt und auch für uns heute noch so eine Wirkung hat, weil es uns zurückversetzt (ohne dass uns das bewusst sein mag) in die Zeit unserer größten Geborgenheit, nämlich unsere Zeit im Mutterleib. Also lasse ich die Wanne wieder voll-laufen.

(07.07.2009)