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Die Frommen Israels wie Abraham oder Isaak kannten noch kein Jenseits und darum auch keine himmlische Glückseligkeit. Alles Glück und aller Sinn des Lebens musste sich hier und jetzt erfüllen. Also reiner Materialismus? Nein, gerade dieses Leben bekam einmaligen Wert und die Erfüllung und das Glück wurde dem geschenkt, der Gottes Wort hört, Seinen Willen tut und auf Seinen Wegen geht. Das sagt uns der Psalm 128. Und all denen verheißt dann Jesus das Himmelreich (vgl. Mt 7,24ff).

Alter Olivenbaum
© Foto: Tim Bekaert - via Wikimedia Commons

Psalm 128, 1 - 6

1 Glücklich Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt / und der auf seinen Wegen geht!
2 Was deine Hände erwarben, kannst du genießen; / wohl dir, es wird dir gut ergehn.
3 Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau / drinnen in deinem Haus. Wie junge Ölbäume sind deine Kinder / rings um deinen Tisch.
4 So wird der Mann gesegnet, / der den Herrn fürchtet und ehrt.
5 Es segne dich der Herr vom Zion her. / Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen
6 und die Kinder deiner Kinder sehn./
Frieden über Israel!

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Was macht dich glücklich?

Eine große Pappe mit dieser Überschrift hat jemand am Holbeinplatz in Augsburg am Geländer zum Mittleren Lech aufgehängt und mit einer Tüte Kreide versehen. Über den Platz gehen viele Menschen und viele haben auch etwas darauf geschrieben, obwohl das nicht ganz bequem war. Man musste so halb in die Knie gehen, um zu schreiben. Ich nenne mal die Glücklichmacher, die ich in der untersten Zeile lesen kann: Kinder, Musik, Sex, Mom, Hund, Tanzen. An einer Stelle steht auch Gott. Finden Sie sie? Und viele Herzen, na klar!

Würden Sie etwas darauf schreiben? Es wäre ja immerhin so eine Art öffentliches Bekenntnis. Was wäre das? Oder würden Sie eher einen Witz daraus machen? Eine/r hat geschrieben: Kreide. Oder würden Sie eher zynisch reagieren? Oder eher zerstörerisch? Wie das seltsame YLLA oder vielleicht YALLA? Ich habe nichts aufgeschrieben. Dafür schreibe ich jetzt darüber. Denn ich fand es natürlich sehr gut, eine tolle Idee, dieses Plakat anzubringen, weil jede und jeder dann natürlich mit dieser Frage im Kopf weitergeht. Darum habe ich es auch gern fotografiert.

Und ich bin dann natürlich auch mit der Frage im Kopf weiter gegangen. Was macht mich glücklich?

Ganz glücklich kann ich sein und bin ich auch, wenn etwas glückt: also doch noch die Straßenbahn bekommen und pünktlich zur Verabredung da gewesen, zum Beispiel. Also doch eine Idee oder so ein Foto für den nächsten Text zu finden wie hier, die mich selbst überraschen und überzeugen. Oder jetzt habe ich ein sehnsüchtig gesuchtes Buch, das es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, doch antiquarisch und dazu noch sehr preiswert bekommen (weil die Leute ja oft gar nicht wissen, was sie da verkaufen). All so etwas macht mich ganz glücklich und strahlend und dankbar. Glück als das gelingende Leben und da ist immer Gottes fügende Hand dabei. Er scheint da auch Seine Freude dran zu haben. Gott sei Dank!

Aber tiefer noch als dieses plötzliche und meist ja nicht zu machende Glück ist der Frieden. Ist die Dankbarkeit. Ist das Spüren der Harmonie und des Einklangs. Also auch Zufriedenheit, hier verstanden als ein Im-inneren-Frieden-Sein. Und das kommt davon, dass ich das Gefühl habe, am richtigen Platz zu sein, Sinnvolles zu leben und zu tun. Menschen etwas geben zu können. Raten und helfen zu dürfen. Ja, geborgen zu sein, getragen zu sein, angekommen und angenommen zu sein. Ja, das ist dann das Glück. Und das spüre ich – und nehme es viel zu selbstverständlich. Darum dafür vor allem: Gott sei Dank!

Das ist freilich auch immer mit Mühe, Arbeit und Anstrengung verbunden. Mit Selbstüberwindung und mit Annahme von Grenzen. Das ist auch immer gefährdet und es kann plötzlich in Frage stehen – wie die Gesundheit. Und es hängt nicht vollständig von mir ab, aber doch auch zum großen Teil von mir und meiner Lebenseinstellung und meiner Überzeugung. Es hat viel mit dem zu tun, was Viktor Frankl die Sinnfrage nennt. Der Mensch leidet am sinnlosen Leben. Nur wenn er Sinn findet und lebt, wird er auch glücklich. Und da ist der Sinn wichtiger als das Glück, als das Glücksgefühl.

In die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hat das Streben nach Glück (pursuit of happiness) als ein originäres Freiheitsrecht Eingang gefunden. Aber bitte beachten: nicht das Glück selbst und an sich ist das Recht, sondern das Streben danach, die Suche danach, die Verfolgung des Glücks. Damit wird die antike Auffassung übernommen, dass alle Menschen zuletzt nach der Glückseligkeit streben. Das ist der tiefste Antrieb aller. Was denken Sie? Ist das der tiefste Antrieb, die größte Sehnsucht? Das, was alles zuletzt bestimmt?

Es lohnt, darüber nachzudenken und vielleicht auch zu meditieren.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

21. Juni 2017

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