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Paulus sagt den Athenern, dass es Spuren Gottes gibt und wir nach ihnen suchen sollen, denn er ist keinem von uns fern. Er versucht ihnen Jesus zu verkünden, aber er erntet Spott. Heute ist Athen eine christliche Stadt. Auf die Dauer haben auch die Athener Gottes Spuren festgestellt.

Paulus predigt auf dem Areopag

Apg 17,22 - 32

17,22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen. 23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. 24 Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. 25 Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. 26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. 27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. 28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art.29 Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. 30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte. 32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler

Spuren im Schnee

Jetzt ist endlich richtig Winter. Am 5. Januar schneite es und der Schnee blieb liegen. Wunderschön. Ich mache gerade stille Tage im Kloster Alexanderdorf bei Berlin. Meistens zu dieser Zeit. Und ich gehe jeden Tag wenigstens eine Stunde in den Wald oder übers Feld. Gestern bin ich in den Wald gegangen. Der Schnee war noch großenteils unberührt. Auf dem Weg keine Spur. Nur der frisch gefallene Schnee. Und so eine große Stille. Nur ab und zu eine Krähe.

Heute nun immer noch Stellen, wo der Schnee noch nicht durchlaufen ist, aber jetzt natürlich überall schon Spuren. Da von einer Katze. Da von Hasen oder Kaninchen. Und da ist jemand durch den Wald geritten. Und eine Schlittenspur. Und jetzt unverkennbar Rehe. Und noch viel unübersehbarer Wildschweine. Sie haben nicht nur Spuren, so genannte Trittsiegel als Abdrücke ihrer Klauen hinterlassen, nein, sie haben den ganzen Weg zerwühlt. Das ist oft der Fall. Dann läuft es sich nicht mehr so gut. Gesehen habe ich noch keine. Eher schon mal Rehe oder einen Hasen.

Als Heranwachsender habe ich davon geträumt, wie ein Trapper durch die Prärie oder die Wälder zu streifen und so gut Spuren lesen zu können wie Winnetou oder Old Shatterhand. Die Karl-May-Bände habe ich alle mit Begeisterung gelesen, allerdings die langen Landschaftsbeschreibungen oft überschlagen und bin schnell wieder dorthin gegangen, wo es spannend wurde. So denke ich auch jetzt bei meinen Gängen oft noch darüber nach, was die Spur wohl so sagen könnte. Wie alt sie ist. Dass auch die Vögel im von den Schweinen aufgewühlten Weg nach Futter gesucht haben. Was die Schweine da wohl suchten? Ach ja, wir stehen unter einer Eiche. Eicheln natürlich.

Aber mehr noch bin ich in diesen Tagen auf anderen Spuren. Die Stille hilft mir, mir selbst und Gott wieder auf die Spur zu kommen. Was hat denn da Spuren bei mir hinterlassen im letzten Jahr? Ist nicht spurlos an mir vorübergegangen? Was hat sich tief eingegraben? Was nur ganz oberflächlich? Das ganz Oberflächliche weiß ich gar nicht mehr. Aber das ist nicht immer so. Zuweilen kommt mir auch eine völlige Nebensächlichkeit wieder in den Sinn. Komisch. Es hilft mir sehr, dass ich zu dieser Zeit auch immer meinen Kalender wechsle. Von einem zum anderen Jahreskalender muss umgetragen werden: die Geburtstage, die Namenstage, die Termine. Das kostet einen ganzen Tag und will mit Liebe und Aufmerksamkeit gemacht sein. Sonst vergesse ich etwas und das kann dann eine Katastrophe bedeuten.

Mit dem Umtragen des Kalenders mache ich zugleich einen Jahresrückblick. Da denke ich: Ja, der 70. Geburtstag Ende Mai und der 65. Geburtstag im September. Ach ja, der Katholikentag in Leipzig. Da habe ich so viel liebe Bekannte getroffen. Das war so schön. Und da habe ich auch alte Plätze von meiner Zeit als Studentenpfarrer von 1983 bis 1986 wieder gesehen. Das waren meine „wilden Jahre“. Ich muss mal nach den alten Fotos schauen! Die waren damals alle noch schwarz/weiß und winzig klein. Heute alles digital. Schnee von gestern? Verwehte Spuren? Nein! Es war eine so wichtige Zeit. Die Spuren sind da.

Ich merke heute schon Unterschiede zum Erleben vor zwanzig und dreißig oder gar vierzig Jahren. Es geht manches jetzt nicht mehr so tief. Es prägt sich nicht mehr so tief ein. Anderes doch. Und andere Spuren werden wichtiger und sind nötig, gelesen zu werden. Aus meiner Abiturklasse sind schon vier Mitschüler gestorben. Wichtige Lehrer und Professoren sind schon gegangen. Solche, die bei mir Spuren hinterlassen haben. Die in mir noch präsent sind, wie Lothar Ullrich mein Doktorvater. Lieber Thomas, auch du merkst schon manchmal das Alter und hast Gedanken an den Tod. Soll man ja so nicht sagen heutzutage. Ist aber so. Er ist längst schon da mitten in uns.

Aber jetzt freu ich mich der Stille und des Schnees und des Waldes und all der lebendigen Spuren und ich nehme in der Stille des Meditationsraumes wieder die Spur Gottes auf.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

11. Januar 2017

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