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„Im Schauen auf dein Antlitz da werden wir verwandelt. Da werden wir verwandelt in dein Bild.“ Auf diesem Bild von Aert de Gelder vom Beginn des 18. Jahrhunderts singt Simeon sein Danklied. Jetzt ist alles gut. Er hat das Licht gesehen und das Heil. Das spüren wir. Lesen wir noch einmal die Geschichte von Simeon und Hanna aus dem Lukasevangelium.

Simeons Lobgesang
Arent de Gelder, etwa 1700-1710.

Lk 2,22 - 40

2,22 Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, 23 gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. 24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. 25 In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. 26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. 27 Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, 28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: 29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden 30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, / 31 das du vor allen Völkern bereitet hast, 32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel. 33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. 34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. 35 Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. 36 Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 38 In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. 40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Seh-Sucht

Was wir gern sehen, das sehen wir auch besser. So scheint es jedenfalls der Sehtest für Frauen und Männer einzuschätzen. Frauen schauen nach Schuhen. Kerle starren auf Karren. Und da sieht man auch immer gleich vieles mit hinein. Diese Schuhe, diese High-Heels hat jetzt Michelle Obama beim Abschied getragen. Sah super toll aus. So möchte ich auch gern ausschaun, sagen sich die Fraun. Den Ford Mustang hat mal James Bond gefahren. Eine Wahnsinnsverfolgungsjagd war das. Wär ich gern mitgebrettert, sagt sich der Mann.

Wir sehen, was gar nicht auf dem Bild ist. Wir geraten ins Träumen. Das ist das Geheimnis jeder erfolgreichen Reklame. Dass über meine Seh-Sucht meine Sehnsucht angetippt und aufgerührt wird. Denn die Schuhe sind eben nicht einfach nur Schuhe, nein, diese Schuhe vermitteln Gefühle. Sie machen mich zu einer ganz anderen und neuen Frau. Jeder meiner Schuhe zeigt eine andere Seite von mir. Mit diesen Stilettos zum Beispiel steche ich alle anderen aus… Oder als Mann nur einmal in diesem Porsche mit 250 Sachen über die Autobahn jagen. Und den satten Sound im Ohr. Das muss ein Gefühl sein. Leben wie bist du so schön! Freiheit wie bist du so groß.

Wir anverwandeln uns dem Sehnsuchtsbild. Und da gibt es tieferes und wesentlicheres als High-Heels und hohe Stundenkilometerzahlen. Ein einfacher Test: Welche Bilder tragen Sie denn zum Beispiel immer bei sich? Ja, das Bild des geliebten Menschen. Die Fotos der Kinder. Wenn ich diese Bilder anschaue, weiß ich wieder, was mir wichtig ist, was der Sinn von allem ist, wofür es sich zu leben lohnt. Was mich tröstet und mir Kraft gibt. Freilich stehen da auch meine Sorgen und Ängste auf. Wird alles gut gehen? Und mein Glaube und mein Vertrauen werden herausgefordert.

In noch einmal anderer Weise ist das alles der Fall mit den Bildern der Enkel. Ich erlebe das jetzt bei meinen Geschwistern, die inzwischen Großeltern geworden sind. Welch ein Trost, welch eine Freude, welch eine Hoffnung ist so ein Enkelkind.

Das Fest der „Darstellung des Herrn“ oder früher „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar stellt die Begegnung zwischen dem greisen Propheten Simeon und der greisen Prophetin Hanna und dem kleinen Kind Jesus, das seine Eltern in den Tempel bringen, in den Mittelpunkt. Die große Sehnsucht des Simeon wird erfüllt. Seine Augen sehen das Heil, das Gott bereitet hat. Er sieht sie in diesem kleinen Kind erfüllt. Seine alten und schwachen Augen sehen mehr als eigentlich zu sehen ist. Das Heil der Welt in diesem kleinen Kind. Das kann nur Gottes Geist offenbaren.

Und doch ist eine Spur dieser Hoffnung und dieser Überzeugung in jeder solcher Begegnung zwischen Großeltern und Enkeln vorhanden. Jedes kleine Kind offenbart das Ja Gottes zum Leben mitten in einer beeinträchtigten Welt. Und das soll uns herausfordern als Eltern und als Großeltern alles zu tun, damit unsere Kinder und Enkel noch auf einer bewohnbaren Erde leben können. Und damit ist nicht nur die Erhaltung der Natur gemeint, nein, auch der Friede, auch die Gerechtigkeit, auch die Freiheit, auch die Verständigung miteinander.

Für mich ist es ein großer Trost, dass wir als Christen eingeladen sind, am Abend eines jeden Tages in das Danklied des Simeon einzustimmen: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, / das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Das soll am Ende eines jeden Tages stehen, dass wir Gottes Heil sehen, das er für uns bereitet hat. Dann werden unsere Seh-Sucht und unsere Sehnsucht wahrhaft erfüllt. So dürfen auf jeden Tag schauen und die Spuren des Wirkens Gottes darin entdecken und dankbar sein.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler

1. Februar 2017

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