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Die Schubladen zur Zeit des hl. Paulus waren: Juden, Griechen, Sklaven, Freie, Männlich, Weiblich. Manche davon existieren immer noch. Sie sind für Paulus aber durch den Glauben an Jesus Christus überwunden. Wir sind frei und müssen nicht mehr in Schablonen passen wie diese Köpfe von Albrecht Dürer:

© Foto: Wellcome Library, London - CC BY 4.0

Gal 3,26 - 29

3,26 Ihr seid alle durch den Glauben Söhne [und Töchter] Gottes in Christus Jesus. 27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus [als Gewand] angelegt. 28 Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus. 29 Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Schublade

Schubladen sind enorm praktisch. Rein mit den Messern, Gabeln und Löffeln und weg sind sie. Und natürlich, je ordentlicher aufgeräumt um so besser. Meine Geschenkpapiere zusammen mit den Flaschentüten und Bindebändern, alles in einer Schublade. Alle Elektrosachen eine Lade. Und Medizin – braucht allmählich einen Schrank. Kennen Sie auch, haben Sie auch alles? Quadratisch, praktisch und gut, so eine Schublade.

Aber leider wird auch vieles andere in solche Schubladen gesteckt. Einstellungen, Parteien, Weltanschauungen, Religionen und natürlich auch Menschen: Lehrer, Gewerkschafter, Politiker, Priester, Hundebesitzer, BMW-Fahrer, Protestanten, Katholiken. Na, Sie wissen schon. Für alles eine Schublade und damit auch weggepackt, abgeschlossen, fertig und Ruhe.

Rainer Maria Rilke hat ein Gedicht darüber geschrieben, schon im Jahr 1898

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Es ist eine Beschreibung der modernen Definitionssucht der Menschen. Definitionen sind Eingrenzungen (finis=Ende): hier ist Beginn und das Ende ist dort. Es ist als ob man beim Baum Blätter und Wurzeln entfernt, durch die er mit allem verbunden ist. So wie jeder von uns durch Atem und Essen, durch unsere Antennen und die fünf Sinne ständig mit allem verbunden ist. Wenn man das wegnimmt, dann sind wir schnell am Ende: Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Die Moderne war und ist ja außerordentlich erfolgreich. Wir wissen alles, was wird und war, kein Berg ist für uns noch wunderbar, sondern er wird erforscht und dann ausgebeutet. Erst die Bäume, dann die Kohle und das Erz oder was immer. Mit unseren modernen Mitteln grenzen wir grade an Gottes Allmacht und Allwissenheit.

Stattdessen wünscht sich Rilke eben nicht den harten neuzeitlichen Zugriff, sondern dass wir fern bleiben, Abstand halten und nicht alles und alle angreifen, sondern dass wir lauschen auf das Singen von den Dingen. Dass wir wahrnehmen den Zusammenhang von allem mit allem. So vielen ist das heute verloren gegangen: dieser Zusammenhang der Dinge mit uns und unsere Verbindung mit allem. Dann weiß ich nicht mehr, wozu ich da bin. Dann ist der Sinn der Welt und meines Lebens verloren gegangen. Und Gott kommt da erst recht nicht mehr vor.

Schubladen sind praktisch und nützlich. Aber sie schließen auch weg. Und wenn wir Menschen da hinein tun, verlieren wir die Verbindung zu ihnen. Dann wirken sie mit einem Mal bedrohlich. Hier ist ein sehr schönes Video aus Dänemark dazu.

Eine Jugendgruppe im Allgäu hat sich als Vorsatz für die Fastenzeit genommen, Menschen nicht mehr in Schubladen zu stecken. Und dazu hat Sr. Hannah dieses Gedicht geschrieben:

In den Schubladen der Vorverurteilungen
sind wir gefangen
wie ein Vogel im Käfig, der Freiheit sucht.
Freiheit, um mich, und die Menschen um mich herum neu zu denken
Freiheit, in dem Raum für den ganzen Menschen ist
oft ist unser Denken und Handeln gefangen, wie Vögel im Käfig.
Denken und fliegen wir uns frei!

Das könnten wir uns ja auch überlegen. Ich wünsche Ihnen guten Flug! Gleich ab heute!
Thomas Gertler SJ

1. März 2017

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