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Und auch der Psalm 71 kennt das Alter und die Sorgen damit. Aber auch das Vertrauen, dass Gott uns nicht verlässt, auch wenn wir alt und grau sind.

Tanzendes Paar in Litauen
© Foto: Ignas Kukenys - CC BY 2.0

Psalm 71,1 - 24

71,1Herr, ich suche Zuflucht bei dir. / Lass mich doch niemals scheitern!
2 Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit, /wende dein Ohr mir zu und hilf mir!
3 Sei mir ein sicherer Hort, /zu dem ich allzeit kommen darf. Du hast mir versprochen zu helfen; / denn du bist mein Fels und meine Burg.
4 Mein Gott, rette mich aus der Hand des Frevlers, /aus der Faust des Bedrückers und Schurken!
5 Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, / meine Hoffnung von Jugend auf.
6 Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, / vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer; / dir gilt mein Lobpreis allezeit.
7 Für viele bin ich wie ein Gezeichneter, / du aber bist meine starke Zuflucht.
8 Mein Mund ist erfüllt von deinem Lob, / von deinem Ruhm den ganzen Tag.
9 Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, / verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden.
12 Gott, bleib doch nicht fern von mir! / Mein Gott, eil mir zu Hilfe!
14 Ich aber will jederzeit hoffen, / all deinen Ruhm noch mehren.
15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden /und von deinen Wohltaten sprechen den ganzen Tag; / denn ich kann sie nicht zählen.
16 Ich will kommen in den Tempel Gottes, des Herrn, / deine großen und gerechten Taten allein will ich rühmen.
17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf / und noch heute verkünde ich dein wunderbares Walten.
18 Auch wenn ich alt und grau bin, / o Gott, verlass mich nicht, damit ich von deinem machtvollen Arm der Nachwelt künde, / den kommenden Geschlechtern von deiner Stärke /
19 und von deiner Gerechtigkeit, Gott, die größer ist als alles. Du hast Großes vollbracht. / Mein Gott, wer ist wie du?
20 Du ließest mich viel Angst und Not erfahren. / Belebe mich neu, / führe mich herauf aus den Tiefen der Erde!
21 Bring mich wieder zu Ehren! /Du wirst mich wiederum trösten.
22 Dann will ich dir danken mit Saitenspiel / und deine Treue preisen; mein Gott, du Heiliger Israels, / ich will dir auf der Harfe spielen.
23 Meine Lippen sollen jubeln, / denn dir will ich singen und spielen, / meine Seele, die du erlöst hast, soll jubeln.
24 Auch meine Zunge soll von deiner Gerechtigkeit reden den ganzen Tag. / Denn alle, die mein Unglück suchen, müssen vor Scham erröten und scheitern.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Der alte Rucksack

Immer, fast immer habe ich meinen Rucksack dabei. Ein Freund hat ihn mir mal geschenkt. Das ist sicher zwanzig Jahre her. Solange dient er mir in großer Treue. Aber jetzt wird er langsam schwach. Oben bleicht die kräftige dunkelblaue Farbe aus. Das ist nicht so schlimm. Aber jetzt macht der Reißverschluss schlapp. Der große Hauptreißverschluss. Wie oft habe ich ihn wohl auf- und zugezogen? Sicherlich mehr als die Testmaschinen das tun, die die Dauerhaftigkeit von Gegenständen prüfen. Er ist jetzt schon zweimal aus der Bahn gekommen und schloss nicht mehr. Doch zweimal konnte ich ihn wieder einfädeln. Ich muss mit Sicherheitsnadeln arbeiten, damit ich nicht an die kaputte Stelle komme und der Schieber wieder aus der Bahn kommt.

Ich bin mir klar, dass der Reißverschluss irgendwann endgültig kaputt geht. Früher mal, ganz früher mal hätte man einfach einen neuen Reißverschluss einnähen lassen. Das wäre mir das Liebste. Aber heute ist der Wechsel des Reißverschlusses teurer als ein neuer Rucksack. Einmal nur bisher musste ich ihn reparieren lassen. Der Tragegriff war ausgerissen. Aber das endgültige Ende des Reißverschlusses wird nun auch sein endgültiges Ende sein. Es muss nicht so sein, aber es wird wohl so sein…

Es erinnert mich an die Hose von Konrad Lorenz. Er schreibt irgendwo vielleicht in den „Acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ (1973) über den Ärger seiner Frau an seiner uralten Hose. Sie ist diese Hose leid. Aber er fühlt sich so wohl darin. Eigentlich möchte er immer nur die tragen. Geht ja manchen Leuten mit ihren Jeans so. Und sie sollen auf jeden Fall so aussehen wie mein alter Rucksack. Total gebraucht und durchgewetzt. Sind sie aber gar nicht. Aber die alte verbeulte Hose und mein alter verbrauchter Rucksack sind es und sie sind gewissermaßen mit einem ganz verbunden und ans Herz gewachsen.

Es erinnert mich an eine Geschichte aus einem uralten amerikanischen Kinderbuch:
„Das Holzpferd - so heißt es - lebte länger im Kinderzimmer als irgendjemand sonst. Es war so alt, dass sein brauner Stoffüberzug ganz abgeschabt war. Es war in Ehren alt und weise geworden ...<br/>"Was ist wirklich?" fragte eines Tages der Stoffhase. "Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen und mit einem Griff ausgestattet zu sein?"
"Wirklich", antwortete das Holzpferd, "ist nicht, wie man gemacht ist. Es ist etwas, was an einem geschieht. Wenn ein Kind dich liebt für eine lange, lange Zeit, nicht nur, um mit dir zu spielen, sondern dich wirklich liebt, dann wirst du wirklich."

"Tut es weh?" fragte der Hase. "Manchmal", antwortete das Holzpferd, denn es sagte immer die Wahrheit. "Wenn du wirklich bist, dann hast du nichts dagegen, dass es wehtut."
"Geschieht es auf einmal, so wie wenn man aufgezogen wird?"
"Es geschieht nicht auf einmal, du wirst langsam. Es dauert lange. Das ist der Grund, warum es nicht oft an denen geschieht, die leicht brechen oder die scharfe Kanten haben oder die schön gehalten werden müssen. Im allgemeinen sind zu der Zeit, da du wirklich sein wirst, die Augen ausgefallen; der Reißverschluss ist hinüber, du bist wackelig in den Gelenken und sehr hässlich. Aber diese Dinge sind überhaupt nicht wichtig; denn wenn du wirklich bist, kannst du überhaupt nicht hässlich sein, ausgenommen in den Augen von Leuten, die überhaupt keine Ahnung haben."
"Ich glaube, du bist wirklich", meinte der Stoffhase.
Und dann wünschte er, er hätte das nicht gesagt - das Holzpferd könnte empfindlich sein.
Aber das Holzpferd lächelte nur ...“

Ja, so ist mein alter Rucksack also wirklich geworden und wird immer wirklicher und zugleich macht er sich auf, in die eigentliche Wirklichkeit über diese jetzige Wirklichkeit hinaus zu entschwinden und sich hier aufzulösen.

Und ich merke, dass es mir geht wie meinem Rucksack und wie dem Holzpferd. Die Liebe verwandelt uns und macht uns erst wirklich. Wirklich? Ja, wirklich!

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

18. Januar 2017

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