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Enttäuscht und niedergeschlagen sucht der Prophet Elija Schutz in einer Höhle. Aber Gott fordert ihn dort buchstäblich „heraus“ und teilt sich dem Resignierten auf unerwartete Weise mit. - Nicht nach unseren Vorstellungen, sondern nach seinen führt Gott uns oft weiter, aus dem Dunkel ins Licht:

© Foto: Łukasz Szczurowski - CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

1 Kön 19,9-13

9 Dort ging Elija in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? 10 Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 11 Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. 13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

Seitwert


© Foto: Marlies Fricke


Gott im Kleiderschrank

10.000 Dinge soll angeblich jeder Deutsche durchschnittlich besitzen, von der Nagelschere bis zum Gartenstuhl, von der Wasserwaage bis zum Wäschetrockner und vom Smartphone bis zur Sonnencreme. Es wäre einmal interessant, in der eigenen Wohnung, vielleicht nur in einem einzigen Zimmer oder erst recht im Keller nachzuzählen, was sich da angesammelt hat an lieben und lästigen Dingen. Vielleicht käme man schneller als man denkt auf 1.000, 2.000 oder … Dinge.

„Gott in allen Dingen suchen und finden“, so lautet eine markante Formel der ignatianischen Spiritualität. Gemeint sind weniger die materiellen Dinge, obwohl auch sie ihre Sprache sprechen können. Mit den „Dingen“, in denen wir Gott suchen und finden können, sind vor allem unsere Erfahrungen und Begegnungen gemeint, unser Denken und Fühlen, Erlebtes und Erlesenes, unsere Träume, Phantasien und inneren Bilder und auch die Sprache unseres Leibes. „Die Welt ist Gottes so voll“, schreibt Alfred Delp, „aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.“

Einmal habe ich eine Frau, Ende 30, in Exerzitien begleitet. Nennen wir sie Frau Fröhlich. Frau Fröhlich sprach eher beiläufig von ihrem Kleiderschrank, der seit Jahren viele Stücke birgt, für die sie eigentlich keine Verwendung mehr hat und die ihr auch gar nicht mehr so richtig passen. „Aber ich hänge an ihnen“, sagte sie wiederholt. „Außerdem bin ich zu sparsam, um sie einfach wegwerfen zu können.“ Im Laufe der Tage wurde der Exerzitantin in Gebet, Stille und Gespräch bewusst, warum sie wirklich an diesen Stücken hängt und warum die volle Kleiderstange sie eigentlich ständig bedrückt: „Die Kleider“, so sagte sie, „stammen aus einer Zeit, in der ich in einer Beziehung mit einem Mann gelebt habe, die für mich sehr schmerzhaft auseinander gegangen ist.“ Seitdem hängen die Sachen wie Trauerkleider in ihrem Schrank. Außerdem spielt ihr näher rückender 40. Geburtstag eine Rolle, den sie noch nicht wirklich wahrhaben will; mit 30 passt manche Hose einfach noch besser.

Die Kleider hingen also nicht nur schwer auf der Stange, sondern auch schwer auf ihrer Seele. Am Ende der Exerzitien konnte Frau Fröhlich sich vorstellen, zu Hause von einer Reihe von Blusen, Röcken und Hosen Abschied zu nehmen genauso wie von der Illusion, dass es irgendwann wieder so sein würde, wie vor 10 Jahren. Und sie ahnte schon jetzt eine neue Freiheit, die mit dem Gang zum Caritas-Kleiderladen beginnen würde. Einen Vers aus dem Alten Testament hat sich Frau Fröhlich in Ihrem Tagebuch besonders unterstrichen: „Der Herr wartet darauf, euch seine Gnade zu zeigen.“ (Jes 30,18)

Gott spricht zu uns durch die Freuden und Leiden des profanen Alltags. Manchmal durch eine zu schwer gewordene Kleiderstange.

„Gottes Spuren in Begebenheiten des Alltags zu entdecken, seine Gegenwart ständig in den Dingen wahrzunehmen, scheint fern und schwierig zu sein, gehört jedoch zum Schönsten einer christlichen Spiritualität“, so Stefan Kiechle SJ. Das Entdecken der Gottesspuren, die letztlich immer zu (mehr) Freiheit und (mehr) Leben führen wollen, kann aber nicht nur in langen Gebetszeiten oder in Exerzitien geschehen, sondern auch im kurzen Verweilen vor Gott, in stillen Momenten der Reflexion, im Tagesrückblick. „Gott, was willst Du mir sagen durch diese Erfahrung?“, so dürfen wir beten. „Was willst du mir sagen durch diesen Menschen hier? Durch dieses Ereignis? Durch diese Lebendigkeit in mir? Durch diesen Schmerz?“ - Genau so dürfen wir beten! Genau so sollen wir beten!

Der Monat Mai ist nach katholischer Tradition Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Aus dem Evangelium kennen wir Maria als die Hörende, die Vertrauende, die Empfangende. Auch als die Selbstbewusste und Glaubensfrohe: „Der Mächtige hat Großes an mir getan“ (Lk 1,49). Ebenso begegnet sie uns als Fragende, als Trauernde, als Nichtverstehende - „Kind, warum hast du uns das angetan?“ (Lk 2,48) Sollte diese Maria uns nicht eine gute Glaubens- und Lebensgefährtin sein? Damals in Nazareth fing für sie alles an. Wie sollten nicht auch wir uns von Gott finden und rufen lassen in unserem je eigenen Nazareth?

Gott finden

in allen Dingen
den Unbedingten suchen

vor allen Dingen aber
ist Gott selber es
der dich
in allen Dingen sucht

bedingungslos

Andreas Knapp

Mit herzlichen Maiengrüßen!
Marlies Fricke (GCL)

3. Mai 2017

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