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Matthäus erzählt uns von dem besonderen Schlüsselerlebnis des Petrus, als diesem klar wird und er bekennt, wer Jesus ist, nämlich der von Gottes Geist gesalbte Messias, griechisch Christus und der Sohn Gottes. Dafür erhält er von Jesus die Schlüssel des Himmelreiches. Er soll auch anderen den Himmel erschließen. Es macht mir natürlich ein besonderes Vergnügen, diese Stelle hier einzufügen. Denn Luther hatte damals so viel Mühe mit den Nachfolgern des Petrus, mit den Päpsten seiner Zeit. Und sie mit ihm. Heute dürfen wir sie wieder zusammen bringen.

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Die Schlüssel des hl. Petrus

Mt 16, 13 - 19

16,13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? 14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! 17 Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Seitwert


© Foto:Quistnix aus nl - CC BY-SA 3.0


Schlüsselerlebnis

Manchmal hängt mein Schlüssel im Schloss fest. Er dreht sich nicht mehr. Weder rechtsrum noch linksrum. Wie verhext. Ich komm nicht rein. Es passiert dann, dass ich erst nach dem dritten, vierten oder gar fünften Probieren, den Schlüssel wieder drehen kann. O bin ich dann froh, wenn er sich wieder dreht und die Tür sich öffnet. Ein Glück, ich bin wieder rein gekommen in meine Wohnung! Oft hilft da ein kleines bisschen Öl und es geht wieder ganz butterweich.

Schlimm, wenn einem der Schlüssel im Schloss abbricht. Dann muss man meist den Fachmann holen, sonst macht man womöglich das Schloss kaputt. Aber das ist dann schon übel. Und natürlich Panik und Katstrophe, wenn der Schlüsselbund weg ist. Verloren? O weh! Oder ähnliche Panik, wenn mein Passwort beim Computer nicht mehr funktioniert und welch ein Jubel, wenn der Bildschirm wieder hell wird und ich Zugang zu meinen Daten habe. Sesam öffnet sich.

Lauter Schlüsselerlebnisse, die wohl fast jeder kennt und schon gehabt hat. Aber Schlüsselerlebnis ist auch ein Fachausdruck für eine innere Situation, in der erst alles verschlossen und verriegelt ist und sich dann mit einem Mal das Tor öffnet und nun alles klar und hell und froh wird. Eines der bekanntesten Schlüsselerlebnisse dieser Art ist der berühmte Apfel, der Isaak Newton auf dem Kopf fiel und ihm das Gravitationsgesetz erschloss.

Genauso berühmt aber viel älter ist die Geschichte von Archimedes (287-212 v. Chr.), der aus der Badewanne sprang, unbekleidet und laut Heureka rufend durch die Stadt Syrakus lief, weil er in der Wanne das Prinzip des Auftriebs im Wasser gefunden hatte. Zu solchen Schlüsselerlebnissen gehört immer, dass vorher lange gesucht wurde, dass vorher lange verschlossen war, was man wissen, lösen, erfahren wollte. Gerade diese lange und harte Arbeit an dem Problem, das andauernde Suchen und Probieren macht den Suchenden bereit und offen für die Lösung, die sich dann ganz überraschend ergeben kann.

Solche Schlüsselerlebnisse gibt es auch oft auf dem Gebiet des Glaubens. Heute erzähle ich einmal von Luther, weil wir ja sein Jubiläumsjahr begehen und ich in letzter Zeit viel darüber gelesen habe. Luther, der ursprünglich Luder hieß, gelobt bei einem lebensbedrohlichen Gewitter in Stotternheim bei Erfurt, ins Kloster zu gehen, wenn es übersteht. Er wird darum Augustinermönch im strengen Kloster in Erfurt. Denn er möchte nicht unvorbereitet und als Sünder sterben. So betet und fastet er viel. Aber er wird sich seines Heiles nicht gewiss. Immer fragt er sich: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ Er weiß, Gott ist gerecht und vor diesem Gott kann er bei allem Fasten, Beten, Beichten nicht bestehen. Er kann darum diesen gerechten Gott nicht lieben, wie er müsste. Nein, er hasst ihn. Hier können Sie ihn selbst lesen.

Bis es auch bei ihm in all seiner Ohnmacht und Verzweiflung zu einem Schlüsselerlebnis kommt. Er erkennt beim Studium des Römerbriefes, dass Gottes Gerechtigkeit uns nicht verurteilt, sondern gerecht und heil macht, wenn wir sie glaubend annehmen (Röm 1,17). Wenn und insofern wir an Gott und seine heilbringende Liebe glauben, werden wir von Gott gerecht gemacht. Damit hat der gnädige Gott mit seiner Liebe und seiner frohen Botschaft endlich Luther und sein angstvolles Herz gefunden. Denn Gott liebt den Sünder und sucht ihn und will ihn endlich mit sich versöhnen. Gott tut den ersten Schritt. Nicht ich muss mich Gott wohlgefällig machen durch Fasten und Beten, durch die „Möncherei“, wie Luther meinte. Und so erfährt sich Luther nun als Befreiten. Er unterschreibt von da an seine Briefe mit „eleutheros“, der Befreite und Erlöste, und versteht nun seinen Namen so und nennt sich seitdem nicht mehr Luder sondern Luther.

Gab es auch in Ihrem Leben ein solches Schlüsselerlebnis im Glauben? Hat Ihnen schon jemand davon erzählt? Es passiert viel häufiger, als man denkt. Aber wir schweigen oft darüber.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

15. Februar 2017

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