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Wie viel Hoffnung macht dieser Psalm 122. Wie sehr ist die Freude zu spüren, die Kraft gibt weiterzuwandern und Schritt vor Schritt zu setzen, bis wir da sind am Ziel in Jerusalem und einst dann im himmlischen Jerusalem. Kein Herumirren mehr, sondern ein endlich Ankommen und zu Hause sein.

Älteste Stadtkarte von Jerusalem (6.Jh).

Psalm 122,1-6

122,1[Ein Wallfahrtslied Davids.] Ich freute mich, als man mir sagte: /
«Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.»
2 Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: /
3 Jerusalem, du starke Stadt, /
dicht gebaut und fest gefügt.
4 Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn, /
wie es Israel geboten ist, / den Namen des Herrn zu preisen.
5 Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht, /
die Throne des Hauses David.
6 Erbittet für Jerusalem Frieden! /
Wer dich liebt, sei in dir geborgen.
7 Friede wohne in deinen Mauern, /
in deinen Häusern Geborgenheit.
8 Wegen meiner Brüder und Freunde
will ich sagen: In dir sei Friede.
9 Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, /
will ich dir Glück erflehen.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Im Labyrinth

Ja, so kommen sich sicher viele zuweilen vor. Wie im Labyrinth. Verloren. Oder noch so weit vom Ziel, das schon so nahe schien. Sind Sie schon einmal in einem Labyrinth gewesen? Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht? Sie können sehr unterschiedlich sein je nachdem, in welcher Art von Labyrinth Sie gelaufen sind.

Es gibt ja zwei Arten von Labyrinthen. Das eine ist tatsächlich ein Irrgarten, in dem man sich verläuft und verliert und in dem man auch verlaufen und verlieren soll. So ist es angelegt. In einem solchen Irrgarten hilft der Ariadnefaden, um wieder herauszufinden. Der griechische Held Theseus hatte diesen Faden von Ariadne, der Königstochter von Kreta erhalten, als er in das Labyrinth von Kreta ging, um den Minotaurus zu töten. Mit Hilfe des Fadens findet er wieder heraus und flieht mit Ariadne von Kreta. Das ist die eine Art von Labyrinthen, nämlich der Irrgarten.

Die andere Art von Labyrinthen ist eigentlich die ältere Form. Da hat das Labyrinth nur einen einzigen Weg, der unweigerlich zum Ziel führt, wenn ich ihn weitergehe. Und ebenso finde ich wieder heraus, wenn ich zurück gehe. Es wird auch Pilgerlabyrinth genannt und findet sich oft im Eingangsbereich von mittelalterlichen Kirchen und Kathedralen. Das Besondere an dieser Form des Labyrinthes ist es, das auf einer recht kleinen Fläche ein ganz langer Weg zurückzulegen ist. Dieser Weg geht von außen nach innen, aber manchmal führt er auch schon ganz nah ans Ziel heran und dann wieder weg. So im Labyrinth oben im Bild.

Es ist klar, dass diese zweite Form die hoffnungsvollere ist. Sie führt ganz sicher in die Mitte und zum Ziel, auch wenn sie einen langen Weg gehen muss, der dann schon mal ganz dicht dran ist, aber dann doch wieder weg führt. Aber sicher führt er zum Ziel, wenn ich nur unterwegs bleibe und weiter Schritt vor Schritt gehe. Auf diese Weise ist dieses Labyrinth das Pilgerlabyrinth. Denn das ist die Hoffnung der Pilger: wenn ich nur Schritt für Schritt weiter gehe, dann komme ich sicher ans Ziel.

Diese Form der Pilgerlabyrinthe ist gewöhnlich auch übersichtlich. Im Grunde kann ich sehen, an welcher Stelle ich mich befinde. Ich kann mich ja nicht verlaufen. Ich soll mich auch nicht verlaufen, sondern soll nur tapfer weitergehen. Darum gibt es diese Form auch als Fingerlabyrinth. Die fahre ich einfach mit dem Finger nach. Es soll mir nur deutlich machen, dass ich geduldig sein und auf dem Weg bleiben soll. Und es ist wirklich immer ein Aufatmen und eine Befreiung, wenn ich endlich im Zentrum bin. Der Ausweg ist oft ganz kurz…

Das Labyrinth als Irrgarten ist meist in der Form gebaut, dass ich nicht sehen kann, wo ich mich befinde. Da ist die Hecke höher, als ich sehen kann. Ich muss mich da entscheiden, welche Abzweigung ich nehmen will. Es ist da gar nicht leicht, ins Zentrum und wieder heraus zu finden. Und es ist verständlich, dass es die modernere Form des Labyrinthes ist. Denn die Moderne ist gekennzeichnet durch eine Zunahme an Freiheit zur

Entscheidung aber eben auch oft an Orientierungsschwierigkeit.

Freilich weiß ich auf meinem ganz konkreten Lebensweg, den ich gehe, nicht, ob mein Weg ein Pilgerweg ist, der unweigerlich ins Ziel führt. Oder ob ich in einem Irrgarten spaziere, in dem ich mich verliere und nicht mehr weiß, wie ich mich zurechtfinden soll. Für den Irrgarten spricht, dass ich immer wieder vor Wegentscheidungen stehe und im wirklichen Leben keinen ständigen Blick auf die Mitte habe. Dafür spricht, dass ich öfter mal Panik habe, ob ich denn wirklich auf dem rechten Weg bin.

Für den Pilgerweg spricht, dass ich mich so oft geführt weiß durch den Glauben und dafür auch Beispiele anführen kann. Dafür spricht, dass ich oft schon Ziele erreicht habe und so oft doch alles gut gegangen ist. Dafür spricht die Hoffnung, die mir die anderen Pilger und Pilgerinnen machen. Darum ist dieses Labyrinth in so vielen Kirchen oder auch auf dem Gelände von Klöstern oder Exerzitien zu finden ist, wie oben auf dem Gelände von St. Bonifatius in Elkeringhausen.

Haben Sie Hoffnung und vertrauen Sie, dass Sie auf einem Pilgerweg sind!

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

8. März 2017

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