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Das ist die Erfahrung des heiligen Paulus und der Christen von Anfang an. Gott tröstet und beschenkt. Und gerade wenn wir leiden müssen als Gläubige, dann erfahren wir auch den Trost und die spürbare Nähe Gottes als ein solches Geschenk. Wenn auch nicht immer gleich sofort, sondern oft erst nach einer Weile des Ausharrens, des Rufens und der (Un-)Geduld. Und Gottes Trost gibt uns Mut und Kraft, auch andere mit diesem Trost Gottes zu beschenken. So schreibt es uns Paulus gleich am Beginn seines Zweiten Briefes an die Korinther

2 Kor 1,3 - 7

1,3 Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. 4 Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden. 5 Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.6 Sind wir aber in Not, so ist es zu eurem Trost und Heil, und werden wir getröstet, so geschieht auch das zu eurem Trost; er wird wirksam, wenn ihr geduldig die gleichen Leiden ertragt, die auch wir ertragen. 7 Unsere Hoffnung für euch ist unerschütterlich; wir sind sicher, dass ihr mit uns nicht nur an den Leiden teilhabt, sondern auch am Trost.

Seitwert



Das Geschenk

Auf den Impuls vom Schlüsselerlebnis habe ich ein mehrfaches Echo bekommen. Andere Schlüsselerfahrungen. Eine davon möchte ich Ihnen erzählen – natürlich verfremdet, aber wahr.

Erika ist ziemlich am Ende mit den Kräften. Sie hat schwere Erfahrungen gemacht und weiß nicht, wie damit fertig werden und damit zurecht kommen, auch wie nun mit Gott zurecht kommen. So viele Fragen und keine Antwort. Immer wieder die Frage „Warum?“ und „Warum ich?“ und „Warum jetzt?“ Und es tut sich nichts an Antwort. Schweigen des Himmels. Und wachsende Ungeduld und wachsende Verzweiflung bei Erika.

Sie geht für eine Auszeit ins Kloster. Eine Schwester begleitet sie. Sie erzählt ihr die ganze Geschichte, die vielen Fragen, die Ungeduld und die Verzweiflung. Die Schwester versteht sie sehr gut. Sie rät ihr, alle diese Fragen vor Gott zu tragen und auch alle die Gefühle vor ihm zu äußern. Ja, aber das habe ich doch längst getan. Und immer wieder. Ja, sagt die Schwester, Gott antwortet uns nicht so direkt, sondern da müssen Sie sich schon Zeit nehmen, um auf die Antwort zu hören. Und sie sagte, ich solle mich in den Mediationsraum setzen, alles, alles vor Gott bringen und so lange ausharren, bis sich die Antwort einstellt. Aber es kann auch sein, dass Sie das lange Warten nicht aushalten und dann in Ihrer Ungeduld einfach abbrechen und weglaufen. Aber denken Sie daran, Sie sind hier im Kloster und da darf es ruhig lange, lange, lange dauern.

Und Erika ging in den stillen leeren Raum und brachte alles vor. Und die Gedanken, die Fragen, die Ungewissheiten, die verqueren Gefühle, der Protest schwirren herum. Es ist kaum auszuhalten, wie ein Bienenschwarm. Genau wie die Schwester gesagt hat: zum Weglaufen. Aber Erika blieb noch sitzen, gab dem Antrieb wegzulaufen nicht nach. Und langsam, langsam wurde sie ruhiger. Der Schwarm löste sich auf und flog davon. Bis sie zuletzt ganz ruhig und ganz leer war.

Und da tauchte aus dieser Leere ein Wort auf, ein einziges Wort nur und das war die Antwort: Geduld! Es gab also doch eine Antwort! Wirklich und wahrhaftig! Ganz große Dankbarkeit stellte sich ein. Erikas Herz jubelte und hüpfte wie bei Elisabeth im Leibe (Lk 1,41). Ein Geschenk, ein großes Geschenk!

Aber dann beim Gespräch mit der Schwester: Ja, eine Antwort, wirklich eine Antwort! Toll! Aber Geduld habe ich ja gerade nicht. Und gedulden will ich mich nicht! Und dulden und leiden will ich auch nicht mehr! Es ist genug davon. Was mache ich mit dieser Antwort? Ja, sagte die Schwester, wenn Gott Ihnen eine solche Antwort gibt, dann dürfen Sie ihn auch bitten, dass er Ihnen Geduld schenkt – und zwar bald! Schön, einfach schön. Noch ein Geschenk. Und Erika lachte. Lachte mit der Schwester. Und betete darum – immer wieder.

Und damit lebt Erika nun. Viele der Fragen haben sich gelöst, andere sind unwichtig geworden oder sie werden nun mit Geduld ertragen. Sie werden geduldet.

Und die Geschichte ist natürlich noch weiter gegangen. Und das ist oft bei solchen Geschichten der Fall. Dass mir aus meiner Not heraus geholfen wurde durch Gott und durch die Schwester, das soll nicht nur mir zum Trost und nicht nur mir ein Geschenk sein, das möchte ich weitergeben.

Erika lässt sich ausbilden als Telefonseelsorgerin. Und nun hört sie am Telefon oft die Not, Rat- und Ausweglosigkeit von anderen an und spricht mit Menschen, die in ähnlicher Lage sind wie sie. Und es ist ihr großer Trost und ihre große Freude, wenn sie in die Dunkelheit und Seelenfinsternis mit Gottes Hilfe und Beistand einen Lichtstrahl werfen kann. Er muss nur reichen bis zum Morgen, wenn es wieder Tag wird.

Dass auch Sie immer wieder so ein Geschenk bekommen, wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

29. März 2017

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