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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (10,38-42):


In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf.
Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf.
Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen.
Sie kam zu ihm und sagte:
Herr, kümmert es dich nicht,
dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt?
Sag ihr doch, sie soll mir helfen!

Der Herr antwortete:
Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig.
Maria hat das Bessere gewählt,
das soll ihr nicht genommen werden.

Die Zeit - von Christian Morgenstern


Es gibt ein sehr probates Mittel,
die Zeit zu halten am Schlawittel:
Man nimmt die Taschenuhr zur Hand
und folgt dem Zeiger unverwandt,
 
Sie geht so langsam dann, so brav
als wie ein wohlgezogen Schaf,
setzt Fuß vor Fuß so voll Manier
als wie ein Fräulein von Saint-Cyr.
 
Jedoch verträumst du dich ein Weilchen,
so rückt das züchtigliche Veilchen
mit Beinen wie der Vogel Strauß
und heimlich wie ein Puma aus.
 
Und wieder siehst du auf sie nieder;
ha, Elende! - Doch was ist das?
Unschuldig lächelnd macht sie
wieder die zierlichsten Sekunden-Pas.

5 Minuten


1. Wie viele Minuten hat der Tag? 24 x 60 = 1440. Tausendvierhundertvierzig ist schon eine ganze Menge. Aber seien wir etwas realistischer, ziehen wir acht Stunden ab. Das sind 960. Das ist doch noch eine ganze Menge von Minuten am Tag, die mir wachend zur Verfügung stehen. Kann man davon tatsächlich 5 Minuten Gott schenken? Ist es möglich jeden Tag fünf Minuten für niemanden anders da zu als für Gott?
Das hat mich mal als 14 Jähriger unser Kaplan gefragt. Das müsste ich doch wohl hinkriegen.

2. Ich habe es dann versucht. Fünf Minuten Stille. Ohne Radio, ohne Walkman, ohne iPod. Fünf Minuten mit eigenen Worten zu beten versuchen. Nichts auswendig Gelerntes wie das „Vaterunser“ oder das „Gegrüßet seist du Maria“. Damals habe ich gemerkt, fünf Minuten können sehr lang sein. Unglaublich lang.

3. Entscheidend ist allerdings, dabei zu bleiben. Wirklich fünf Minuten am Tag. Jeden Tag. Dann sind die fünf Minuten nicht mehr lang. Sie sind sogar erstaunlich kurz. Wenn man dabei bleibt, dann bleibt es nicht bei fünf Minuten. Bei mir wurde es mit der Zeit eine Viertelstunde. Später eine halbe Stunde. Viel wichtiger als Kürze und Leichtigkeit: sie verändern das Leben.

4. Das verspreche ich einem jeden und einer jeden. Wer dabei bleibt, der oder die bleibt nicht dieselbe. Das tägliche persönliche Gebet, der tägliche persönliche Kontakt mit Gott bringt Frieden und bringt Veränderung. Für mich war es in der schwierigen Pubertätszeit vor allem wichtig, die innere Ausgeglichenheit, die Freude, den Sinn wieder zu finden, die so oft verloren gehen in dieser so veränderungsreichen Zeit. Später dann und bis heute ist es so, dass ich Kraft finde, das jetzt Notwendige zu tun, dass ich Kraft finde, auch aus der Routine oder Trägheit oder Angst herauszufinden.

5. Wo soll denn in unserem heutigen durchprogrammierten Tag Zeit dafür sein? Wie soll ich denn in meinem Familienalltag einen Ort finden, wo ich mal fünf Minuten in Ruhe gelassen werde?
Ich empfehle einen Punkt, der sowieso jeden Tag dran ist. Zum Beispiel nach dem Zähneputzen am Morgen noch fünf Minuten sitzen zu bleiben. Oder vor der Tagesschau. Für die ist ja bei den meisten Deutschen Zeit.
Und wo? Früher hatten Familien eine Gebetsecke – meist im Wohnzimmer, wo gemeinsam beispielsweise der Rosenkranz gebetet wurde. So eine Gebetsecke kann man sich selbst im Schlafzimmer einrichten: ein Bild, eine Kerze, die Bibel auf einem Tuch.

Nur fünf Minuten – sie werden Ihre Welt verändern.