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Das Buch Deuteronomium, Kapitel 6

Dtn 6,4 Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.

5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

6 Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrie-ben stehen.

7 Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.

8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.

9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.

10 Und wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land führt, von dem du weißt: er hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es dir zu geben - große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,

11 mit Gütern gefüllte Häuser, die du nicht gefüllt hast, in den Felsen gehauene Zis-ternen, die du nicht gehauen hast, Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast -, wenn du dann isst und satt wirst:

12 nimm dich in Acht, dass du nicht den Herrn vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat.

13 Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten; ihm sollst du dienen, bei seinem Na-men sollst du schwören.

14 Ihr sollt nicht anderen Göttern nachfolgen, keinem Gott eines Volkes, das in eurer Nachbarschaft wohnt.

15 Denn der Herr, dein Gott, ist als eifersüchtiger Gott in deiner Mitte.


Am 15. Oktober feiern wir die heilige Theresia von Avila (1515 – 1582) - ihr bekanntestes Wort heißt: „Gott allein genügt – solo dios basta.“

Ich habe mich immer daran gestoßen. Wie soll mir Gott allein genügen? Dazu liebe ich ja diese Welt viel zu sehr. Und ich brauche ja auch etwas zum essen, ein Zimmer, um darin zu leben und etwas zum anziehen. Ich brauche mindestens ebenso liebe Menschen, gute Freunde, Liebe, Freundschaft, Zuspruch, eine Arbeit, die mich fordert und erfüllt. So vieles brauche ich. Wieso kann Gott das alles sein und erfüllen, dass er allein genügt?

Soll das heißen, ich soll komplett auf diese schöne und gute Welt verzichten, weil Gott allein genügt. Es ist doch schließlich Gottes gute Schöpfung. Er hat sie uns gegeben, damit wir darin leben und ihn um ihretwillen loben können. Gott allein genügt?
Dürfen wir Gott und Welt und unser sehnsuchtsvolles Herz so gegeneinander stellen und auseinander reißen? Ja, wenn wir sagen, zuerst kommt Gott und dann erst alles andere. Damit bin ich einverstanden. Aber dann ist ja eben nicht Gott allein, sondern nur an erster Stelle. Und alles andere ist zweitrangig. Aber doch Gott nicht allein, sondern alles mit Gott.

Mir wurde geholfen, als ich mir die Betonung dieses Satzes überlegte. Wir betonen gewöhnlich: Gott allein genügt. Mir ging auf, dass man den Satz anders betonen muss. Wir müssen so betonen: Gott allein genügt. Dann bekommt der Satz einen anderen Sinn und dann kann ich ihn auch gut mitgehen.
Dann heißt er nämlich: Nichts kann das Menschenherz in seiner Unersättlichkeit letztlich erfüllen. Nichts kann uns tatsächlich genügen als allein Gott in seiner unermesslichen Fülle und in seiner geheimnisvollen Größe, mit der wir nie an ein Ende kommen und die auch in der Ewigkeit voller Überraschungen sein wird.

Wir könnten auch so sagen wie Theresia in ihrem spanischen Original:
solo dios basta – allein Gott genügt.

Nichts und niemand anders genügt uns so, dass er, sie oder es uns für immer und alle Zeit genügte. Freilich erwecken die Dinge und die Menschen in unserem Herzen die Sehnsucht nach Glück, nach Erfüllung, ja, sie verheißen es und versprechen es.

Darum verkauft die Werbung auch nicht Sachen, sondern solche Sehnsucht nach Erfüllung. Mit dieser Verheißung der Dinge macht man Reklame. Nicht das Auto wird verkauft, sondern die Verheißung von Freiheit und selbst bestimmtem Leben. Nicht der Alkohol wird verkauft, sondern dann je nach Marke Ge-mütlichkeit oder Partyglück oder das Gefühl dazu zu gehören. Sie können einmal die Reklame darauf hin anschauen. Dinge und Menschen erwecken in uns die Sehnsucht nach der voll-kommenen Erfüllung. Sie können sie aber nicht geben. Oder nur Augenblicke.

Und wir wollen dann sagen: „verweile doch, du bist so schön!“ Es ist so tief wahr, was in dem Theaterstück „Der seidene Schuh“ die Frau zu ihrem Geliebten sagt: „Ich bin das Versprechen, das nicht gehalten werden kann, und gerade darin besteht meine Gnade.“  Die Gnade besteht dar-in, dass uns die Sehnsucht hinausweist auf Gott. Gott allein genügt. So wird die ganze Welt in all ihrer Schönheit zum Hinweis, zum Zeichen, die Theologen sagen zum Sakrament. In ihnen begegnet schon Gott selbst aber als Versprechen, als Verheißung, als Sehnsucht, die unser Herz unruhig macht.

Habe ich noch diese Sehnsucht in meinem Herzen?

Oder habe ich sie aus Enttäuschung, dass sie doch von keinem Besitz und keiner Lust dieser Welt auf Dauer erfüllt wird, in mir abgetötet? Bin ich schon kalt geworden?