Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheKompass zu Gott
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Der erste Psalm ist der klassische Text für die zwei Wege, den richtigen und den falschen

Psalm 1, 1 Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / nicht auf dem Weg der Sünder geht, / nicht im Kreis der Spötter sitzt, /

2 sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, / über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.

3 Er ist wie ein Baum, / der an Wasserbächen gepflanzt ist, / der zur rechten Zeit seine Frucht bringt / und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, / wird ihm gut gelingen.

4 Nicht so die Frevler: / Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

5 Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen / noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

6 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, / der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.


Bin ich auf dem richtigen Weg oder gehe ich in die Irre? Führt das zum Guten oder zum Schlechten? Das sind Grundfragen für den Lebensweg. Das sind Grundfragen für den Weg zu Gott und zum Glauben.

Gibt es Wegweiser? Gibt es Kriterien, wie ich herausbekomme, ob ich auf dem richtigen Weg bin?Unser Ordensgründer Ignatius von Loyola (1491-1556) hat solche Wegweiser aufgestellt und solche Kriterien gegeben.
Ich möchte sie gern vorstellen, denn sie sind auch für heute gültig. Sie haben mir und ungezählten Menschen geholfen. Freilich muss man sie aus dem 16. Jahrhundert in unsere Zeit übersetzen. Heute geht es nur um die Grundunterscheidung, die Ignatius macht oder besser, die er am eigenen Leibe erfährt.

1521 liegt er nach einer schweren Verwundung im Krieg lange auf dem Krankenlager. Es ist eine Zeit äußerer Langeweile. Gern hätte er die Krimis der damaligen Zeit gelesen, nämlich Ritterromane mit vielen Abenteuern und Liebesgeschichten. Es gab aber auf seinem heimatlichen Schloss nur ein dickes Buch mit Heiligenlegenden und ein Leben Jesu nach den vier Evangelien. Also liest er sie denkt darüber nach und träumt aber auch davon, in dieser Welt ein berühmter Ritter zu werden.

Dabei macht er folgende Erfahrung: "Es gab jedoch diesen Unterschied: Wann er an das von der Welt dachte, vergnügte er sich sehr. Doch wann er dann aus Ermüdung davon abließ, fand er sich trocken und unzufrieden. Und wann er daran dachte, barfuß nach Jerusalem zu gehen und nur Kräuter zu essen und alle übrigen Strengheiten auszuführen, von denen er las, dass die Heiligen sie ausgeführt hatten, war er nicht nur getröstet, während er bei diesen Gedanken war, sondern blieb auch, nachdem er davon abgelassen hatte, zufrieden und froh. Doch achtete er nicht darauf und verweilte nicht dabei, diesen Unterschied zu wägen, bis sich ihm einmal ein wenig die Augen öffneten und er begann, sich über diese Verschiedenheit zu wundern und über sie nachzudenken, da er durch Erfahrung erfasste, dass er von den einen Gedanken traurig blieb und von den anderen froh. ... Dies war die erste Überlegung, die er in den Dingen Gottes anstellte. Und danach, als er die Übungen (Exerzitien) verfasste, begann er von hieraus Licht für die Frage der Verschiedenheit der Geister zu gewinnen". (Pilgerbericht Nr. 8)

Die Grundunterscheidung ist also die von Freude und Traurigkeit als Folge meines Denkens und Tuns. Das ist der Kompass zu Gott: sein Nordpol ist die Freude. Was ist die Freude, die hier gemeint ist?
Man hat vor einiger Zeit gesagt, wir leben in einer Spaßgesellschaft, bis uns Peter Hahne uns  sein Buch „Schluss mit lustig“ beschert hat. Freude darf nicht mit Spaß, Vergnügen oder Lust verwechselt werden. Wenn Sie schon einmal einen Abend erlebt haben, wo sich Leute im Witze erzählen zu übertreffen suchten, dann erinnern sie sich auch daran, dass man danach oft eine Art Kater hat. Es bekommt einem nicht gut. Es macht nicht wirklich Freude. Wie zu viele Pralinen. Wir haben zwar gelacht und Spaß gehabt, wurden aber nicht froh.

Lust entsteht, so habe ich einmal bei Konrad Lorenz gelesen, durch Abbau der Triebspannung. Wenn ich nach einem langen Marsch durch sengende Sonne im Gasthaus mein Radlermaß trinke und es so richtig zischt, dann ist das eine Lust und ein großes Vergnügen, aber das ist auch noch nicht Freude.
Freude entsteht vielmehr dann, wenn ich nach dem langen Aufstieg auf den Berg endlich auf dem Gipfel stehe, vielleicht hungrig und durstig, aber glücklich und froh, weil ich es geschafft habe. Weil ich den Berg und mich selbst überwunden habe. Freude entsteht dann, wenn ich zum Beispiel endlich den schon lange fälligen Brief geschrieben habe, das dringend nötige Gespräch geführt habe. Sie entsteht immer dann, wenn aus meiner eigenen Enge aufbreche, wenn ich etwas wage, wenn ich über mich hinausgehe. Traurig werde ich, wenn ich nur bei mir selbst egoistisch hocken bleibe, wenn sich alles nur um mich selbst dreht. Glücklich bin ich, wenn ich ganz selbstvergessen im Spiel, bei der Arbeit, beim anderen bin.

Der Mensch hat nämlich diese erstaunliche Fähigkeit, aus sich heraus zu gehen, sich selbst zu verlassen und ganz beim anderen, ganz bei der Sache zu sein. Wenn er das tut, dann tut er das, was sein Menschsein ausmacht. Und das macht ihn froh. Freilich passiert das nicht nur durch Selbstüberwindung. Es geschieht auch, wenn jemand anderes, meine Enge durchbricht, wenn jemand mein Herz erreicht und anrührt durch seine Güte oder durch seine Not und die Liebe in mir weckt.

Und wenn ich das noch ausdrücklich auf Gott anwende, dann lässt sich sagen: wenn sich die Enge meiner oft vernagelten Welt öffnet, die vom Tod, von Sinnlosigkeit und Endlichkeit gezeichnet ist, und sich auftut zu einer neuen, überraschenden Weite aus Licht und unvergänglichem Leben, dann koste ich eine Freude, die es sonst nicht gibt.

Darum sagt man auch, der Teufel kann alles geben, aber keine Freude. Diese Freude ist immer eine Folge und Begleiterin des rechten Denkens und Tuns. Sie kann nicht in sich angestrebt werden wie Spaß oder Vergnügen. Wirkliche Freude ist immer ein Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass man auf dem Weg zu Gott ist. Wenn die Freude auf Dauer schwindet, dann ist das ein heftiges Warnzeichen. Auf dem Weg zu Gott ist, wer sich selbst verlässt und aufbricht zum Nächsten und zu Gott. Seine Begleiterin dabei ist die Freude.

Wann waren Sie zuletzt einmal richtig von Herzen froh und glücklich? Wann hat es in Ihnen gejubelt und gesungen?

Da ist Ihnen, ohne dass Sie es selbst vielleicht gemerkt haben, Gott begegnet. Besinnen Sie darauf und danken Sie dafür.