Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheEinen Stern berühren
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Gott bleibt nicht allgemein.
Er wird konkret
Er sagt nicht: MAN
müsste, könnte, sollte...
Er sagt:    ICH
bin mit euch.


Gott bleibt nicht fern.
Er wird konkret.
Er sagt nicht     IRGENDWO
Könnte, sollte, müsste man...
Er kommt nach NAZARETH
    nach JERUSALEM
    in die KRIPPE, ans KREUZ.

Gott bleibt nicht abstrakt.
Er wird konkret.
Er sagt nicht:    IRGENDWANN
sollte, könnte, müsste man...
Er sagt:    HEUTE
ist diesem Haus
das Heil geschenkt worden.


So kann auch ich konkret werden
und sagen: HEUTE - HIER - ICH.

Einen Stern berühren


Das ist das Streben des Menschen: hoch hinaus
. Hinauf zu den Sternen. Über sich hinauswachsen. Das zeigt ja schon unsere Körperhaltung an. Unser aufrechter Gang. Das zeigt unsere Architektur: hoch hinaus. Wir bauen Wolkenkratzer und Kirchtürme. Das zeigen unsere Wissenschaft und unsere Technik: in den Weltraum, zum Mond, zum Mars.
Wir verlassen die Erde. Wir gehen hoch hinaus. Im Raum des Materiellen. Im Raum des Intellektes ebenso: in ungeahnte Höhen, ins Abstrakte, ins Allgemeine.
Das haben wir gelernt und das tun wir und davon sind wir geprägt. Damit sind wir auch erfolgreich.

Je mehr ich aber mit dem geistlichen Leben zu tun bekam, um so mehr habe ich erlebt, dass der Weg Gottes genau anders herum geht. Gottes Weg geht nicht nach oben, sondern nach unten. Er geht nicht ins Abstrakte und Allgemeine, sondern er geht ins Konkrete und ins Besondere. Und wenn unser Lebensweg ein Weg zum Heil werden soll, dann muss er auch diese Richtung einschlagen.

Gerade komme ich von einer kurzen, aber sehr intensiven Reise nach Äthiopien zurück. Sie hat mich ganz nach unten, ganz ins Konkrete geführt. Im Haus der Mutter-Teresa-Schwestern für die Ärmsten der Armen in Addis Abeba wollen wir die Physiotherapie verbessern, damit die Behinderten mit Hilfe von Massagen und anderen Unterstützungen besser mit ihren Behinderungen umgehen können.

Zunächst haben wir uns das Gelände der Schwestern angesehen. Als erstes den Teil, in dem 450 Männer leben und sterben. Männer allen Alters und mit unterschiedlichsten Krankheiten, von Malaria, TBC und HIV, über Augen-, Haut- und typische Tropenkrankheiten wie Elephantiasis. Und die vielen seit Kindheit Verkrüppelten und durch Kinderlähmung Behinderten. Sie liegen in Räumen mit etwa vierzig Betten, dicht an dicht. Schwer erträgliche Gerüche, trotz intensiver Bemühungen um Sauberkeit und Hygiene.

Dann die Abteilung mit Frauen und Mädchen, oftmals mit ihren Kindern, nochmals über vierhundert Personen. Viele von ihnen sind auch psychisch krank. Dann noch die Kinderstation. Wieder an die vierhundert. Viele, viele Waisen. Und viele von ihnen kamen zu uns gelaufen, klammerten sich an unsere Beine und wollten so gern hochgenommen werden auf den Arm, wollten ein wenig Aufmerksamkeit, Nähe und Zärtlichkeit. Ich habe ihnen über den Kopf gestreichelt. Eines auf die Arme zu nehmen, habe ich mich nicht getraut…

So viel Leid und Not auf einem Platz. Dann aber auch so viel Liebe, Lachen, Freude und Hilfsbereitschaft und Einsatz. Als wir von der Kinderabteilung über die Straße ins Hauptgebäude gingen, lag auf der Straße ein Bündel. Eine der Schwestern ging hin und schaute nach. Es war ein Mann unter einer Decke, der total abgemagert dort vor der Tür der Schwestern hingelegt worden war. Sie holten sofort einen Rollstuhl und fuhren ihn ins Hauptgebäude. Am selben Abend gegen neun Uhr ist er gestorben. Es war der dritte Tote an diesem Tag. An anderen Tagen sind es auch mehr.

Ganz aus dem Abstrakten und Allgemeinen ins Konkrete und Besondere gehen. Das ist der Weg Gottes.

Es gibt einen schönen Spruch von Hugo von Hoffmannsthal:

Das kluge Kind

Kannst Du einen Stern anrühren? fragte man das kluge Kind.
Ja! antwortete es.
Neigt sich und berührt die Erde.


Jeder von uns kann einen Stern berühren. Wer wirklich zu den Sternen greifen will, der soll sich neigen und diese Erde berühren. Das hat Gott getan.

Dieses kluge Kind ist das Jesuskind. Jesus neigt sich und berührt unsere Erde. Er neigt sich und berührt die Kinder und nimmt sie in seine Arme. Er neigt sich zur Bahre des Kranken und heilt ihn. Er neigt sich und wäscht seinen Jüngern die schmutzigen Füße. Er neigt sich mir zu und nimmt die Kälte aus meinem Herzen.