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Lukas 13,22

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
23 Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24 Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25 Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26 Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27 Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!
28 Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29 Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30 Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.



Himmel und Hölle

1 Tim 2,4 Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“


Stimmt der schöne Karnevalschlager: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind…“? Und hat die köllsche Theologie Recht, wenn sie sagt: „Der liebe Gott is ja nich so…“? Haben Sie eine Meinung zu dieser Frage, liebe Leser/innen der Internetsite?

Die Kritik der Traditionalisten an dieser These lautet: Wenn alle in den Himmel kommen, hebt das die Moral auf, denn dann habe ich gar keinen Grund, mir Mühe zu geben, gut zu sein und gerecht, dann kann ich ruhig „ein Schwein sein“ in dieser Welt, denn ich komme ja doch am Ende in den Himmel. Wenn also die modernen Theologen sagen, „in der Hölle brennt kein Feuer“ (Thomas und Gertrude Sartory 1968), dann zerstören sie die Moral.

Ist diese Auffassung richtig? Aber wenn es die Hölle gibt, wie steht es dann mit dem Gottesbild? Was ist das für ein Gott, der Menschen quält, und zwar in Ewigkeit?
Wie straft Gott? Straft er überhaupt? Und hat diese Frage eine Bedeutung für mich hier und heute?

Meine Auffassung ist die folgende: Gott straft nicht so, wie unsere Eltern: „Weil du den Spinat nicht gegessen hast, bekommst du auch keinen Nachtisch!“ Also Gott denkt sich nicht einen Straf-Ort aus, wo es einen ewigen Folterkeller gibt. Vielmehr ist es so, dass das Böse, das ich tue, die Strafe in sich selbst trägt.
Das Böse straft sich selbst. Es lohnt sich nicht. Wer lügt, verbirgt nicht nur anderen die Wahrheit, sondern webt damit auf die Dauer ein Netz, in dem er sich selbst verfängt. Eine Lüge zieht die nächste unweigerlich nach sich. Wer ständig lügt, misstraut den Menschen immer mehr, weil er glaubt, selbst angelogen zu werden. Die Lüge scheitert schließ auf die Dauer auch immer an der Wirklichkeit.

Als ehemaliger DDR-Bürger habe ich das sehr konkret erfahren. Wir lebten in einem System der Lüge. Alle Produktionszahlen waren geschönt, genauso die Wahlergebnisse, keiner wusste die tatsächliche Zahl der Ausreiseanträge, auch die Stasi nicht, weil jede Behörde versuchte, die tatsächlichen Zahlen nicht weiterzugeben. Wir haben uns eine schöne neue Welt vorgemacht. Die Wirklichkeit war grau und trist. Das Lügengebäude ist dann an der Wirklichkeit gescheitert. Ich kann mich in der Lüge so sehr verstricken, dass ich die Wahrheit nicht mehr zu erkennen vermag. Das wurde mir am deutlichsten am schrecklichen Ende solcher Gestalten wie Erich Honecker oder schlimmer noch Nicolae Ceausescu aus Rumänien, die nicht mehr erkannten, was eigentlich los war. Die Bibel nennt das Verstockung. Da sind dann auch eine Umkehr und ein Erwachen zur Wahrheit nicht mehr möglich. Das kann dann hoffentlich noch Gott.

Wer unmenschlich handelt, fügt nicht nur seinen Mitmenschen unendliches Leid zu, er zerstört sein eigenes Menschsein. Er wird zum Unmenschen. Und das Schlimmste daran ist, wenn man es selbst gar nicht wirklich gewahr wird. Jede/r kann an seinem eigenen Leben überprüfen, was das selbst getane Böse mit ihm/ihr macht.

So straft also Gott, dass das Böse seine Strafe in sich selbst trägt und dass sie darin besteht, dass Gott unsere Freiheit ernst nimmt und sich unsere Taten auswirken und ihre Folgen zeitigen. Und Hölle besteht dann darin, dass ich mich nicht mehr zur Güte, zur Wahrheit, zur Liebe zu Gott öffnen will, sondern mich im Bösen und im Hass auf alles, auf Gott und die Welt und mich selbst verschließe.
Gott steckt also niemanden in die Hölle. Die Hölle ist selbst gemacht und in ihr ist nur, wer nachdrücklich und ausdrücklich diese Situation so will, weil er/sie sich nicht ändern, umkehren, aufschließen und wandeln lassen will. Gott will immer unsere Umkehr und unsere Gemeinschaft mit ihm (vgl. 1 Tim 2,4). Aber er erzwingt sie nicht. Ich muss selbst Ja dazu sagen. Und darum kann auch die Möglichkeit der Hölle nicht aufgehoben werden, wenn wir die menschliche Freiheit ernst nehmen. Wir hoffen und beten aber, dass die Liebe Gottes tatsächlich stärker ist und das Eis des Hasses schmilzt und jedes Herz zum Lieben erwecken kann und erwecken wird. Aber ob das wirklich geschehen wird, das können wir nicht wissen, nur hoffen und erbeten. Hier gibt es also die erste Antwort: es kommt sehr darauf an, ob ich in dieser Welt gut oder böse handle. Es hat nicht nur wesentliche Bedeutung für hier und heute, sondern es hat auch Ewigkeitswert.

Umgekehrt ist es – Gott sei Dank – so, dass das Gute sich lohnt, also seinen Lohn in sich selbst trägt. Wer das Gute tut, wird dadurch selbst gut und besser. Wer wahrhaftig ist, nähert sich selbst immer mehr der Wahrheit und kommt damit auch Gott selbst näher, der die Wahrheit ist. Und die Wahrheit ist auf die Dauer siegreich und erfolgreich, weil sie die Wirklichkeit erkennt und versteht. Wer die Wahrheit tut, kommt zur Freiheit. Und so bin ich auch anderen Menschen hilfreich. Wie das Böse immer anderen schadet, nicht nur mir, so hat das Gute einen Überschuss, der anderen gut tut.
Wer wahrhaft liebt, holt den Himmel auf diese Erde und zwar nicht nur für sich, sondern auch für die anderen Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass das leicht ist, nein, es ist schwer. Das weiß ja jeder, der sich darum bemüht. Und wir können es immer nur mit Gott zusammen, niemals ohne ihn. Aber es bringt den Frieden, das Glück, auch wenn ich vielleicht viele und schwerste Widerstände erfahre. Am meisten und vollkommensten hat das Gute nach christlicher Auffassung Christus getan. Und er hat so allen Menschen durch seine Liebe den Himmel auf die Erde geholt. Er aber hat auch am meisten Widerstand erfahren. Bis zum Tod am Kreuz. Aber seine Güte, seine Liebe hat den Sieg davon getragen und letztlich dem Bösen das Genick gebrochen.