Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheSuche nicht in der Ferne, suche in der Nähe
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Deuteronomium 30,11


Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.

12 Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können?

13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für
uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können?

14 Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen,
du kannst es halten.

Suche nicht in der Ferne, suche in der Nähe!


Im Thriller *Das Schweigen der Lämmer" gibt Hannibal Lecter der FBI-Agentin Clarice Starling (so wie ich es vom Film her in Erinnerung habe) den Rat: *Denken Sie an die Prinzipien, an das Fundamentale: Suchen Sie nicht in der Ferne, suchen Sie in der Nähe." Es ging darum, die Identität des Mörders herauszufinden, was ihn umtreibt und wo er seine Taten begonnen hat. So sucht Clarice in der nahen Umgebung des ersten Opfers und kommt so dem Mörder auf die Spur.

1. Wir suchen nach Lösungen meist in der Ferne, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Wir denken beispielsweise, woanders ginge es mir besser. Überall ist es besser als hier. Oder ich denke, wenn ich noch einen Artikel über dieses Thema finden würde, dann käme ich endlich vorwärts mit meiner Abschlussarbeit. Wenn ich diesen Arzt noch aufsuche, diese neue Therapie noch ausprobiere, dann wird es gut. Wir suchen unser Heil in der Ferne. Das ist auch ganz verständlich so, denn wir empfinden uns als Wesen, denen immer Wesentliches fehlt. Wir sind Mängelwesen.

Und aus mir selbst kann ich den Mangel nicht ausgleichen. Andere haben es, nicht ich. Andere wissen es, nicht ich. Also muss ich in die Ferne schweifen, um das Gute zu finden. Endlich halte ich den Zeitschriften-Artikel in den Händen, dessen verheißungsvoller Titel alle meine Frage zu behandeln verspricht. Ich fange an zu lesen und merke, ach, das ist es wieder nicht.

Mein in die Ferne Schweifen ist oft nur Ausweichen oder Zeit Gewinnen. Ich gehe mir selbst und meinem eigenen Inneren aus dem Weg. Ich will, dass andere meine Probleme lösen.

2. Gut, dann will ich also dem Rat von Hannibal Lecter folgen und in der Nähe suchen. Was finde ich da? Ja, zuerst einmal den Grund, warum ich in die Ferne gehe und woanders suche. Ich stoße auf meine Probleme, meine Mängel und meine Unfähigkeiten. Meine Probleme kommen ja aus meiner eigenen Lebensgeschichte, aus der größten Nähe. Ich schlage mich schon sehr lange mit ihnen herum. Sie sind uralt.
Und ich fühle mich darum auch so ohnmächtig ihnen gegenüber. Es ist eben schon so lange mein Problem, das ich nicht überwinden kann: sei es (wenn ich cholerisch bin) meine Wut, die immer wieder mal unkontrolliert aufbricht und alle meine Beziehungen gefährdet. Sei es (bei einer depressiven Veranlagung) meine Angewohnheit, mich bei Schwierigkeiten zurückzuziehen, mich in einem dunklen Loch zu verstecken und eben nicht um Hilfe zu bitten. Oder sei es bei einem eher perfektionistischen Charakter, Probleme einfach zu überspielen, auf andere zu schieben, nie selbst was falsch machen zu können, nie einen Fehler zugeben zu können.

3. Aber eben nicht nur meine Mängel, nicht nur meine so widerwärtigen immer gleichen Unfähigkeiten kommen aus der Nähe. Aus dieser Nähe kommt auch die Lösung. Das allerdings muss mir erst gesagt werden. Da komme ich selbst nicht so ohne weiteres drauf. Clarice Starling brauchte den Tipp von Hannibal Lecter.

Jeder Mensch hat die Grundausstattung, um mit dem Leben hier auch fertig zu werden. Jeder Mensch hat im Prinzip auch die Menschen um sich in seiner Nähe, die ihm helfen können mit den Fragen, die er nicht allein lösen kann.
Das ist nicht zuerst eine Faktenfeststellung * denn viele werden dem heftig widersprechen, sondern das ist ein Glaubenssatz, besser ein Satz des Vertrauens, des Vertrauens darauf, dass nicht nur das Unheil in unserer Nähe wohnt, sondern auch die heilenden Kräfte.
Ja, dass das Heil uns näher ist, als das Unheil. Wenn ich aber auf diesen Satz vertraue und daraus handle, dann bleibt es nicht nur ein Glaubenssatz, dann wird es auch Wirklichkeit.

Und das beginnt damit, dass ich meine schwachen Seiten und meinen Charakter erst einmal annehme.
Wer die Karten beim Spiel nicht aufnimmt, der kann nicht spielen. Wenn ich aber zu spielen bereit bin, dann kann ich auch mit einem schwachen Blatt z.B. einen Null beim Skat gewinnen.
Annehmen und meine starken Seiten entwickeln und die schwachen Seiten eingrenzen.

4. Das hört sich erst einmal fast nur nach Psychologie an, aber es hat auch wirklich mit dem Glauben zu tun. Das ist die frohe Botschaft Jesu: Das Reich Gottes ist nahe. Ja, Jesus sagt sogar, es ist mitten unter uns (Lk 17,20f). In der Übersetzung Luthers: *es ist inwendig in euch". Augustinus, der auch erst mal außerhalb und weit weg das Heil suchte, sagt aus seiner Erfahrung, dass Gott uns näher ist, als wir es selbst uns sind. Auf dieses Tiefste in uns, auf das uns Nächste, auf Gottes Stimme in uns gilt es zu hören. Wenn wir ihr folgen, dann kommen wir auf den Weg des Heiles.