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Es gibt im Buch Numeri eine schöne Geschichte von Bileam und dem Esel. Sie hat Ähnlichkeit mit der Geschichte von Ignatius und dem Maultier. Bileam ist ein Prophet. Er soll nach dem Willen Balaks des Königs von Moab das Volk Israel verfluchen. Auf dem Weg dorthin stellt sich ihm der Engel Gottes entgegen. Der Esel sieht den Engel. Bileam nicht. Und darum schlägt er den Esel. Es lohnt sich die ganze Geschichte zu lesen. Hier nur der entscheidende Moment.

Rembrandt, Bileam und der Esel (1626)

Num 22,26 - 31

22,26 Der Engel des Herrn ging weiter und stellte sich an eine besonders enge Stelle, wo es weder rechts noch links eine Möglichkeit gab auszuweichen. 27 Als der Esel den Engel des Herrn sah, ging er unter Bileam in die Knie. Bileam aber wurde wütend und schlug den Esel mit dem Stock. 28 Da öffnete der Herr dem Esel den Mund und der Esel sagte zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt schon zum dritten Mal schlägst? 29 Bileam erwiderte dem Esel: Weil du mich zum Narren hältst. Hätte ich ein Schwert dabei, dann hätte ich dich schon umgebracht. 30 Der Esel antwortete Bileam: Bin ich nicht dein Esel, auf dem du seit eh und je bis heute geritten bist? War es etwa je meine Gewohnheit, mich so gegen dich zu benehmen? Da musste Bileam zugeben: Nein. 31 Nun öffnete der Herr dem Bileam die Augen und er sah den Engel des Herrn auf dem Weg stehen, mit dem gezückten Schwert in der Hand. Da verneigte sich Bileam und warf sich auf sein Gesicht nieder.

Seitwert


Rubens, Leben des Ignatius, Bild 10 Ignatius und der Maure
(Quelle: Jesuit Institute London)

Mit dem Dolch

Wir sind dabei, die Wurzeln und Gründe für den Extremismus tiefer zu verstehen, der unsere Zeit kennzeichnet und gehen darum tief in die Geschichte hinein. Ignatius von Loyola (1491-1556), der Gründer des Jesuitenordens, hilft uns dabei.

Der dreißigjährige Ignatius hat sich auf dem Krankenlager bekehrt und will ein neues Leben anfangen. Und er will es mit aller Radikalität tun. Denn alles, was er tut, tut er mit größter Ernsthaftigkeit und Konsequenz. Koste es, was es wolle. So will er jetzt heilig werden, ganz und gar und ohne Rücksicht auf sich selbst und auf die Familie und andere. Er verlässt nach seiner Genesung die Verwandtschaft und macht sich mit seinem Maulesel und seiner Ritterkleidung auf den Weg zum Kloster Montserrat.

Auf dem Weg reitet er zufällig ein Stück zusammen mit einem Mauren und fängt mit ihm ein religiöses Gespräch über die Jungfrau und Gottesmutter Maria an. Mauren waren übrigens die Nachkommen der aus Nordafrika stammenden Moslems. Die beiden werden sich selbstverständlich nicht einig in ihrem Dialog. Der Maure reitet davon. Ignatius denkt über das Gespräch nach und spürt ganz stark, dass er die Ehre der Gottesmutter wieder herstellen müsse. „Und so kam ihm das Verlangen, den Mauren suchen zu gehen und ihm Dolchstiche für das zu geben, was er gesagt hatte (Pilgerbericht 15).“ Da haben wir ihn also wieder den alten Macho Ignatius. Das ist der Impuls, dem er früher sicher gefolgt wäre, vielleicht nicht wegen der Gottesmutter Maria, aber sicher wegen jeder anderen Frau, die der andere beleidigt hätte.

Jetzt aber ist doch etwas anders. Er ist im Zweifel, ob das richtig ist, ihm Dolchstiche zu geben. Er überlegt und folgt nicht unmittelbar dem Impuls. Aber er kommt zu keinem Ergebnis. „Und indem er es so müde geworden war, zu erforschen, was gut zu tun gewesen wäre, und er nichts Gewisses fand, wozu er sich entschließen sollte, entschloss er sich zu diesem: nämlich das Maultier mit verhängtem Zügel zu dem Ort gehen zu lassen, wo die Wege sich teilten. Und wenn das Maultier auf dem Wege in das Städtchen ginge, würde er den Mauren suchen und ihm Dolchstiche geben. Wenn es nicht in die Richtung des Städtchens ginge, sondern auf dem Königsweg, würde er es bleibenlassen. Und indem er es so tat, wie er gedacht hatte, wollte unser Herr [Christus], dass das Maultier den Königsweg nahm“ (Pilgerbericht 16). Und dass es ihn so bewahrte vor diesem Gewaltverbrechen.

Manchmal kennt eben ein Maultier Gottes Willen besser als wir. Ignatius schreibt über sich selbst als den absoluten Anfänger auf dem Glaubensweg, dass er vor allem durch übergroße Leistungen in Gebet und Buße Gott gefallen wollte: „Und so nahm er sich, wann er sich daran erinnerte, eine Bußübung auszuführen, die die Heiligen ausgeführt hatten, die gleiche und sogar noch mehr auszuführen vor. Und in diesen Gedanken hatte er seine ganz Tröstung. Er schaute auf nichts Inneres und wusste auch nicht, was denn Demut und Liebe und Geduld waren und Klugheit, um diese Tugenden zu regeln und zu bemessen; sondern seine ganze Absicht war, solche großen äußeren Dinge auszuführen…“ (Pilgerbericht 14).

Das, was er lernen muss, und auch lernen wird, ist, auf das Innere zu achten und Liebe, Demut und Geduld zu lernen. Und er wird die Klugheit lernen, recht abzuwägen und zu erspüren, was jetzt in dieser Situation dem Willen Gottes entspricht. Führt es mehr in die Wahrheit? Mehr in die Freiheit? Mehr in die Mitte? Lässt es wachsen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Komme ich Gott näher und dem Nächsten und darin auch mir selbst? Das werden die Fragen sein, die er sich und anderen stellt bei der Unterscheidung der Geister. Der Extremismus führt aber ins Aus, ins Nichts, in die Gewalttätigkeit gegen andere und sich selbst.

Jeder hat Neigungen ins Extreme. Das müssen nicht immer Dolchstiche sein. Das können auch solche Bußübungen sein, die völlig übertrieben und extrem sind und deren Motiv eher der Wunsch ist, es noch besser und perfekter zu machen als die anderen. Dieser Neigung werden wir im nächsten Impuls nachgehen. Sie hat Ignatius fast umgebracht.

Jetzt können wir erstmal lernen, dass es gut ist, nicht sofort dem unmittelbaren Impuls zu folgen, sondern zu überlegen und lieber mit verhängtem Zügel weiterzureiten.

Es grüßt sie herzlich
Thomas Gertler SJ

21. September 2016

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