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Die Petrus-Statue im Eingangsbereich des Osnabrücker Domes zeigt den ersten Papst mit Attributen seiner wechselvollen Jesus-Nachfolge: im Sockel (Plakette) die Szene des Ganges auf dem See; den sich schämenden Hahn (links); Schlüssel, Stab und Schaf für den Führungsauftrag.

Foto: Hermann Pentermann
© Diözesanmuseum Osnabrück


Nichts kann ungeschehen gemacht werden, weder menschliches Versagen noch Gottes Ruf an den Menschen. Hier einige zentrale Aussagen des Petrus in seiner Beziehung zu Jesus:

„Herr, rette mich!“
Mt 14,30 (Gang auf dem Wasser zu Jesus)

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Mt 16,16 (kurz bevor Jesus ihn mit ‚Fels‘ betitelte)

„Mein Leben will ich für dich hingeben.“
Joh 13,37 (nach der Fußwaschung durch Jesus)

„Ich kenne den Menschen nicht.“
Mt 26,72 (in der Nacht der Gefangennahme Jesu)

„Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe.“
Joh 21,17 (Begegnung mit dem Auferstandenen am See)

Seitwert


© Foto: Marlies Fricke


„Steh auf, bewege dich …“

Die Kinder nennen ihn Mr. Kellogg, den neuen Hahn auf dem Bauernhof. Erst kürzlich hat der Vater ihn als zweibeiniges Frühwarnsystem angeschafft, weil immer öfter der Bussard über den Wiesen kreist und im letzten Winter einige Hennen gefasst hatte. Jetzt gibt Mr. Kellogg rechtzeitig Signale, damit sein arglos pickendes oder in der Sonne dösendes Hühnervolk vor dem Sturzflug des Greifvogels unter die Bäume oder Dächer flüchten kann. Bei jeder Fütterung ist der treue Wächter der Letzte, der zum Trog kommt. - Sind Hähne Altruisten, selbstlos, immer zuerst auf das Wohl der anderen bedacht?

„Stolz wie ein Gockel“ bezeichnen wir manchmal einen Menschen, der mit geschwellter Brust daher kommt. Dann konnotiert das Motiv des Hahnes eine übertrieben selbstbewusste, majestätische, ja, herrschlustige Haltung.

Schließen Selbst-Losigkeit und Selbst-Bewusstsein sich aus? Menschen wie der kürzlich verstorbene Rupert Neudeck geben eine Antwort: Zeitlebens war ihm der barmherzige Samariter (Lk 10,33) Leitbild für sein radikal-humanes Engagements. Dabei konnte Neudeck sich wie ein Streithahn für die Rettung und Rechte von Menschen einsetzen. Er war barmherzig und streitbar, selbstlos und selbstbewusst zugleich – ähnlich wie Mr. Kellogg?

Wann haben Sie zum letzten Mal einen Hahn krähen gehört? Nein, nicht als Handy-Klingelton, sondern so richtig in der Natur oder sogar als Weckruf aus dem Schlaf? Vielleicht mögen Sie in der Urlaubszeit einmal einen Bauernhof (be)suchen. Es muss ja nicht morgens um 4.30 Uhr sein. Hähne krähen oft auch im Laufe des Tages.

Seit dem 9. Jahrhundert setzen Christen kunstvolle Hähne auf ihre Kirchturmspitzen - ursprünglich die höchste Stelle einer Ortschaft -, um damit Christi Auferstehung aus dem Dunkeln ins Licht zu symbolisieren. Der Metallvogel in der Höhe reflektiert die ersten Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne. Erst nach und nach erreicht das Licht des neuen Tages die verschlafenen Straßen, Häuser und Fenster.

Im kirchlichen Stundengebet heißt es in einem Sonntagshymnus (Auszug):

O ew’ger Schöpfer aller Welt, des‘ Walten Tag und Nacht regiert,
du setzt den Zeiten ihre Zeit, schenkst Wechsel in der Zeiten Lauf.

Der Hahn, des Tages Herold, ruft, der Wächter in der Finsternis.
Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht, dem Wanderer zur Nacht ein Licht.

Da steigt der Morgenstern empor, erhellt das schwarze Firmament,
da weicht der dunklen Mächte Schar vom Weg des Unheils scheu zurück.

Hoffnung erwacht beim Hahnenschrei, und Lindrung strömt den Kranken zu. Der Räuber lässt von seinem Tun, Gefallene vertrauen neu.

Der Hahn also als biologischer Taktgeber und Wächter in Gefahr. Als „Glaubensbote“ kündet er von Licht, Hoffnung und Befreiung. Aber haben Sie schon einmal einen Hahn gesehen, der sich schämt?

Im Osnabrücker Dom ist einer der beiden heutigen Tagesheiligen, der Apostel Petrus, mit einem sich niederduckenden Hahn dargestellt (s. rechts). Petrus hatte seinen Freund Jesus verleugnet. Der Hahnenschrei machte ihm das bewusst, „und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Mt 26,75). In unserer Darstellung verkörpert der Hahn die Scham des Jüngers. In seiner dunkelsten Stunde hat der ‚Fels‘ geweint. Aber Kephas durfte neu anfangen. Lüge und Scham führten nicht zum Ende, sondern zur Wende auf seinem Nachfolgeweg. Petrus durfte Vergebung und Vertrauen erfahren. „Weide meine Schafe“ (Mt 21,17ff) sagte der Auferstandene schließlich zu ihm und: „Folge mir nach.“

Zum Schluss möchte ich Ihnen heute einen Kanon mit einem Text von Thomas Laubach schenken:

Steh auf,
bewege dich,
denn schon ein erster Schritt
verändert dich,
verändert mich.

Klingt der Kanon nicht wie ein Hahnenruf? - Gottes Ruf ins Freie? Aber kein Raubvogel regiert in Gottes Lufthoheit, sondern Sein liebender Blick auf uns. Unter diesem Blick wünsche ich Ihnen eine erholsame Urlaubs- und Ferienzeit mit vielen schönen Sonnenaufgängen!

Herzlich grüßt Sie
Marlies Fricke (GCL)

29. Juni 2016

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