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Lk 11,1 - 13

11,1 Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, /dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme. 3 Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. 4 Und erlass uns unsere Sünden; /denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns nicht in Versuchung. 5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, 7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? 8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. 9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. 10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, 12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? 13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Seitwert


Foto via Pixabay


Was macht Gott mir unseren Gebeten?

Das Leben mit Gott geht über menschliche Beziehungen hinaus. Eine Besonderheit besteht darin, dass ich mein Gegenüber nie ganz begreifen kann, er aber von mir alles weiß. Warum also überhaupt bitten, wenn Gott doch alle meine Bedürfnisse kennt? Wenn Gott Mensch geworden ist, möchte er von uns auch so als Menschgewordener wahrgenommen werden. Das heißt, er möchte um konkrete Anliegen gefragt werden. Dadurch, dass ich frage, gebe ich meinem Anliegen eine Gestalt, ich nutze die Gabe meines Geistes, die Gott mir geschenkt hat, um mit ihm, dem Schenkenden, zu sprechen. Ich ehre den Schöpfer, indem ich seine Gabe, mich ihm zuzuwenden in einer Weise gebrauche, wie ich das auch in Bezug auf einen Menschen tun würde. Ich lerne so mit der Zeit immer besser, um etwas zu bitten. Aber was ist mit der Antwort? Jeder hat schon einmal im Stillen um etwas gebeten, um dann die Erfahrung zu machen, dass das Ersehnte nicht eingetroffen ist. Das Gebet wurde erhört, aber Gott tat das nicht so, wie ich mir das vorstellte. Was für eine Enttäuschung! Wir bitten Gott um ein gutes Leben, eine gute Position in der Gesellschaft, einen Partner mit bestimmten Eigenschaften oder einfach darum, dass unsere Lieben wieder gesund werden, und er tut es nicht?

Als ich noch klein war, hörte ich die biblische Erzählung von den Söhnen des Zebedäus (Mt 20;21) und die unverschämte Bitte ihrer Mutter, sie im Reich Gottes rechts und links neben Christus sitzen zu lassen. So betete auch ich um einen Platz nahe bei Jesus, weil ich wollte, dass es mir gut geht. Dieses etwas egoistische Gebet eines kleinen Jungen geht mir heute noch nach, weil ich in der Folgezeit eine Offenheit auf Gott hin bewahrte. Ich war sicher, Gott wird mich beschützen und mich zu sich führen, wenn es so weit ist. Später wurde mir klar, wie recht ich damit hatte! Wenn ich auch heute nicht weiss, wer im Reich Gottes neben Jesus sitzen wird, so bin ich doch sicher, dass mein Platz der richtige sein wird, weil seit diesem Gebet meine subjektive Wirklichkeit von Gott bestimmt wurde: Gott gab einen Geist, der Raum in meinem Leben einnahm und sich in meinen Handlungen und Beziehungen verwirklichen konnte. Egal, was ich getan habe, wo ich mich verfehlt oder gesündigt habe, Gott blieb als Möglichkeit und Ansprechpartner für meine Schwierigkeiten eine ständige Option. Einmal war ich stinkwütend, weil ich etwas nicht bekommen hatte, und als meine Eltern es mir schließlich dann doch besorgten, lernte ich eine Lektion: Ich konnte mich nicht mehr so richtig darüber freuen, weil ich mich vorher so geärgert hatte. Ich hatte meinen Eltern und mir gegenüber mein Gesicht verloren. Aber Gott wusste das, vor ihm brauchte ich mich weder schämen noch verstecken. Mit der Zeit stellte sich bei mir eine größere Gelassenheit im Umgang mit den eigenen Bedürfnissen ein.

Christus hat seinen Jüngern, als sie ihn fragten, wie sie beten sollten ein praktisches und ein umschreibendes Beispiel gegeben. Konkret gab er ihnen das Vaterunser, danach erklärte er ihnen den Zusammenhang. Es geht immer um eine freiwillige Selbstverpflichtung, wie bei dem Freund, der nachts um Brot gebeten wird. Er möchte lieber liegenbleiben, aber das Drängen des Anderen treibt ihn um der Liebe willen aus dem Bett. Die Freundschaftsliebe kommt von Gott, das Brot von dem Freund. „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ ist im Vaterunser die Bitte um ausgleichende Gerechtigkeit. Hier wird deutlich, wie das mit Gott ist, er lässt kein Brot vom Himmel regnen, wenn das nicht notwendig ist. Er ist Adressat für die Voraussetzungen allen Gebets, den Heiligen Geist, der gerecht macht. So ist meine Bitte um konkrete Dinge an Ihn eine Bitte, die sich auf die Bedeutung dieser Dinge bezieht: Etwas in meinem Leben ist nicht stimmig, es stört meine Beziehung zu Gott. Es fehlt etwas, ich bin nicht glücklich. Gott soll etwas tun, er soll Kraft, Weisheit und Erkenntnis geben. Er soll mir den Heiligen Geist geben, der mich inspiriert, Lösungen für mein Problem zu finden, und der mich motiviert, sie in die Tat umzusetzen. Dafür ist Gott da, er wird meiner Bitte nach Brot in der Weise entsprechen, dass er mich auf den Freund bringt, dem ich so verbunden bin, dass ich ihn nachts aus dem Bett klingeln kann. Bitte und Dank, Lob und Klage, Preis und Ehre – sie wachsen auf diesem Vertrauen. Möge der Geist von Pfingsten auch Ihnen die Liebe und die Freundschaft Gottes erschließen.

Es grüßt Sie herzlich
Michael Sinn

1. Juni 2016

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