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Spiritualität


In mir gibt es Bewegungen. Ich lebe nicht allein mit mir, sondern anderes ist da, das auf mein Ich zukommt: Stimmungen, Gefühle, Sympathien entstehen in mir, werden aber auch von außen ausgelöst. Andere Menschen wirken auf mich ein, allein dadurch, dass sie neben mir im Zug oder im Büro sitzen. Dann gibt es das, was gerade „angesagt“ ist, Moden, politische Strömungen, die ich meist unbewusst aufnehme. Sie stammen vielleicht aus einer Zeitschrift, einer Fernsehserie oder aus den Gesprächen im Bekanntenkreis. Dort bekomme ich mit, wie andere Menschen denken.
Dann kommen mir Stimmung mir entgegen, wenn es um Heiraten, um Kinder, um politische Richtungen geht. Eindrücke beziehe ich auch aus den Dialogen der Fernsehserien, aus Starporträts, aus Geschichten von Menschen, die etwas erlebt, erreicht haben, die mit einer Krankheit oder einer Scheidung konfrontiert waren.

Es kommt mir immer etwas entgegen und webt an meinem Leben mit.


Wenn dieses Tuch meiner Seele mit jedem Tag ein Stück weiter wächst, laufen viele Fäden mit, die nicht von mir sind. Dieses Seelen-Tuch, was sich in mir webt, ist die Basis für meine „Spiritualität“. Denn es hängt zu einem guten Teil von mir ab, wie das Tuch dann aussehen wird. Ich kann einzelnen Fäden, die von außen kommen, einen zentralen Platz in meinem Seelenleben geben. Ich kann einen bestimmten Faden verstärken, so dass er die Struktur meiner Seele trägt.
Manche Fäden kann ich auch ganz wieder aus dem Tuch „heraus-weben“. Es hängt also entscheidend von mir ab, was sich in mir webt, welcher Faden das Ganze trägt und welcher weniger Berücksichtigung findet. Überlasse ich meinen Seelenteppich ganz den äußeren Einflüssen, gerät vieles durcheinander.

Ich kenne mich bald selbst nicht mehr in meiner Seele aus. Vor allem werde ich immer unfreier, wenn ich den Webstuhl meines Lebens nicht selbst in der Hand halte. Ich werde dann zu einem Menschen, der nicht mehr entscheiden kann, weil es natürlich immer eine Stimme in mir, einen „Faden“ gibt, der mir sagt: „Tu das besser nicht.“ Oder: „Das wird zu anstrengend.“ „Damit hast du sowieso keinen Erfolg.“

Befördert wird diese Verunfähigung zur Freiheit durch die Fülle der Angebote, die mir die Konsumwelt bietet. Je mehr Auswahlmöglichkeiten, desto geringer die Chance, das Richtige auszuwählen. Nur wenn ich meinen inneren Seelenteppich in Ordnung halte, rette ich meine Freiheit. Da nur ein Teil der Fäden von mir kommt, muss ich auswählen und nur die von außen kommenden Fäden in mein Seelentuch einweben, die ich wirklich will. Dazu hilft mir eine Spiritualität.


Spiritualität: Leben mit dem Geist 

  
Das lateinische Wort “Spiritus“ kennen wir im Deutschen als brennbare Flüssigkeit. Im Lateinischen ist die Bedeutung des Wortes nicht so reduziert. Der Spiritus Dei, der Geist Gottes, der in den Hymnen „Veni Creator Spiritus“, oder „Veni Sancte Spiritus“ bis heute besungen wird, ist der Geist, der uns zu Jesus führt. Aus der Erfahrung dieses Geistes ist die Kirche hervorgegangen.

In jeder Generation haben sich Menschen darum bemüht, nicht nur hin und wieder vom Geist Gottes berührt zu werden, sondern sich täglich auf den Geist auszurichten. Die Wege, die sie gefunden haben, nennen wir „Spiritualität“. Aus dem 6. Jahrhundert stammt der Weg des Benedikt von Nursia, dem heute noch viele Menschen sowohl in Benediktiner- und Benediktinerinnen-Abteien wie auch in Verbindung mit diesen Zentren der Spiritualität folgen.
Der nordafrikanische Bischof Augustinus inspiriert nicht nur den Orden der Augustiner, sondern z.B. auch die Altenwohnheime, die „Augustinum“ heißen. Eine andere Spiritualität hat Franz von Assisi entwickelt. Er stellt die Armut, das einfache Leben in den Mittelpunkt. Von dem Basken Ignatius von Loyola stammen die Exerzitien, „spirituelle Übungen“.

Es gibt auch viele „Neue geistliche Bewegungen“, so die Focolare, das Neokatechumenat, die Gruppe Emmanuelle oder die Kleinen Brüder und Schwestern Jesu, die sich an Charles de Foucauld orientieren.

Wie sieht eine Spiritualität konkret aus und was macht eine Spiritualität zu einer christlichen?

Orientierung an der Bibel, regelmäßige Gebetszeiten


Alle christlichen Spiritualitäten haben die Bibellektüre als Basis. Das geschieht in unterschiedlicher Weise. So steht bei den Benediktinern das Gebet der Psalmen im Mittelpunkt, bei Ignatius von Loyola die Meditation von Texten aus den Evangelien, das Neokatechumenat akzentuiert das Gespräch über Bibeltexte in den gottesdienstlichen Versammlungen.
Die meisten spirituellen Schulen geben dem Tag eine Struktur. So strukturiert das gemeinsame Gebet der Psalmen den Tagesablauf nach der benediktinischen Spiritualität. Auch Ignatius von Loyola hat solche strukturierenden Elemente, nämlich mittags und abends auf den Tag zurückzublicken und zu beobachten, was mich bewegt hat, um so dem Geist nachzuspüren und zu erkennen, wo ich von dem Weg abgekommen bin, den ich mir vorgenommen habe.

Die asiatischen Spiritualitäten, vor allem Yoga, beziehen durch Übungen den Körper in die Spiritualität ein. Die muslimischen Derwische, die den spirituellen Schulen des Buddhismus und des Christentums vergleichbar sind, haben eine Körperbewegung entwickelt, die fälschlich Tanz genannt wird. Sie bilden in kreisenden Bewegungen die kosmische Ordnung ab, indem sie sich auf einem Fuß drehen.

Innerhalb des Jahresablaufes werden auch Schwerpunkte gesetzt. Jede christliche Spiritualität hat die großen Feste des Kirchenjahres zum Thema. Es gibt auch noch weitere Elemente. So gehört es zur ignatianischen Spiritualität, einmal im Jahr eine Woche oder 10 Tage Exerzitien zu machen.

Warum sind diese, an sich einfachen Elemente, im Tages und Jahresablauf so prägend und warum bekommen die einzelnen wie auch die christlichen Gemeinschaften von einer Spiritualität ihre Inspiration und ihre Kraft?

Was wir täglich tun, das prägt am meisten unser Leben. Wer täglich joggt oder in anderer Weise seinem Körper Zeit widmet, ist leistungsfähiger, kann Stress besser verarbeiten und hat auch ein anderes Lebensgefühl. Wer sich täglich durch Bibellektüre inspirieren lässt und wer betet, ändert sich und bewahrt sich davor, der eigenen Charakterschwäche zu viel Raum zu geben. Die Kraft entspringt aber nicht dem Tun selbst. Wir können uns auch Rituale angewöhnen, die uns nicht helfen, uns zu konzentrieren, sondern die Nichtigkeiten zum Inhalt haben.

Da sich in der christlichen Welt die Spiritualitäten durchgesetzt haben, die über Jahre ihre Tragfähigkeit bewiesen haben, geht man kein Risiko ein, wenn man sich einer der Schulen anschließt. Ihre religiöse Qualität ist nicht zuletzt dadurch gesichert, dass sie die Bibel als Grundlage haben und  anleiten, regelmäßig zu beten. Jedoch sind Bibellektüre, Psalmengebet, Meditation nur der Weg, um dem Geist Gottes Raum zu geben. Die Wirkungen des Geistes, die Paulus schon im Galaterbrief beschrieben hat, kann jeder an sich spüren. (Siehe Unterscheidung der Geister)Die innere Freiheit nimmt zu und ein freudiger Grundton hält längere Zeit an.

Freude an Gott


Schon die ersten Christen haben nach der Niedergeschlagenheit, in die sie durch die Hinrichtung Jesu kommen mussten, zunehmend Freude gespürt, selbst wenn sie wie ihr Meister Depressionen ausgesetzt waren und die Verfolgungen begannen. Sie waren nicht von Gefühlen des Hasses besetzt und wurden auch nicht von dem Gedanken getrieben, den Tod Jesu rächen zu müssen. Diese Freude äußert sich bis heute im Gesang.
Diese innere freudige Gestimmtheit, die als Wohlwollen auf andere ausstrahlt, leitet sich nicht von äußeren Erfolgen ab, weil z.B. viele Menschen sich bekehren und taufen lassen. Sie kommt vom Hören auf den Geist, zu dem die Worte der Bibel hinführen. Man freut sich natürlich, wenn jemand zum Glauben findet, aber eine Freude, die sich vom äußeren Erfolg abhängig macht, und die in Wut und Niedergeschlagenheit umschlägt, wenn der Erfolg ausbleibt, kommt nicht vom Geist Jesu.

Dass die Freude sich in Ausgelassenheit zeigt, hat im Karneval auch religiöse Wurzeln, denn der Karneval stellt eine Gegenwelt dar. Der Narr ist der Dummkopf, der in der Schöpfung, dem Werk Gottes, den Schöpfer nicht erkennen kann. In den Masken werden die Laster verspottet, in den Büttenreden und Figuren auf den Karnevalswagen die menschlichen Schwächen.

Auf die Dauer zeigen sich die Wirkungen des Geistes in der Freude am Gebet, der Meditation, dass man gerne in der Bibel liest. Aber das heißt nicht, dass auch andere Stimmungen den Tag prägen können.

Niedergeschlagenheit, Melancholie, Traurigkeit


Was in barocken Kirchen an die Decken gemalt ist, eine durchgehende Freude, ist dem Glaubenden für diese Welt nicht versprochen. Die spirituellen Leitgestalten, schon die ersten christlichen Mönche in der ägyptischen Wüste, berichten von Phasen der Niedergeschlagenheit, von innerer Schwermut und auch Antriebslosigkeit

Die ausführlichste Anleitung, mit diesen Stimmungen umzugehen, findet sich im Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola. Es ist sehr wichtig, mit solchen Phasen im eigenen Leben zu rechnen und sich vorher klar zu werden, wie man sich verhalten soll. Dazu muss wie bei der Unterscheidung der Geister ein Spürsinn entwickelt werden, ob die Niedergeschlagenheit aus der Einsicht in die eigenen Fehler und die schlimmen Taten herrührt, deren Last ich deutlicher spüre, wenn ich mich im Rahmen einer spirituellen Schule auf den Weg mache.
Wenn ich meine Verantwortung für die negativen Seiten meines Lebens deutlicher spüre, kommt die Niedergeschlagenheit vom Guten Geist. Es ist weiter selbstverständlich, dass es in der Entwicklung des inneren Lebens, das sich vom Geist Gottes inspirieren lässt, Wachstumsprozesse gibt. Die anfängliche Freude, weil ich in eine tiefere Schicht der eigenen Person vorgestoßen bin, bleibt nicht. Ich muss Vorstellungen, die ich mir vom Leben gemacht habe, hinter mir lassen. Das bereitet Schmerzen. Da am Anfang des Weges religiöse Erfahrungen nicht selten eine Art Euphorie auslösen, muss ich mich im Laufe des Weges von dieser Grundstimmung lösen und zu einer nüchternen Haltung auch in religiösen Dingen finden. Dann können die innere Schwermut und die Antriebslosigkeit Hinweis darauf sein, dass ich mit meinen Schattenseiten im Kampf liege und dass ich in meinem Wachstumsprozess eine neue Phase durchlaufe. Denn die Beobachtungen der buddhistischen wie der christlichen Mönche zeigen, dass es Entwicklungsstufen gibt, die aufeinander folgen und dass das Wachstum mit inneren Krisen verbunden ist.

Es gibt auch die Erfahrung der Abwesenheit Gottes, der „Dunkeln Nacht“. Jesus hat sie erfahren, als er am Ölberg betete und am Kreuz von den Schmerzen durchbohrt wurde. Mystiker wie der Spanier Johannes vom Kreuz berichten, dass für sie alles dunkel wurde und sie so mit dem Geheimnis Gottes konfrontiert wurden. Das spirituelle Leben verspricht zwar auf Dauer Freude, aber nicht eine ständig heitere Stimmung. Es sind auch nicht alle Missstimmungen Zeichen für ein positives Wachstum:

Der böse Geist wirkt weiter


Bereits von dem ersten Christ, der sich in die Wüste zum Gebet zurückgezogen hatte, von Antonius, dem Wüstenvater, wird berichtet, dass er von dämonischen Kräften, die sich in inneren Gesichtern zeigten, bedrängt wurde. Ignatius von Loyola berichtet in seiner Autobiografie davon, dass in einer Phase intensiven Gebetes und geistigen Ringens in ihm der Gedanke auftauchte: „Dieses strenge Leben stehst du doch nicht durch. Willst du wirklich dein weiteres Leben mit all den Entbehrungen so weiter verbringen.“
Er erkannte in diesem Gedanken eine Versuchung durch den bösen Geist und hat sich von seinem Weg nicht abbringen lassen. Die innere Stimmung lässt sich etwa so beschreiben: Ich fühle mich auf einmal im Gebet und in der Beschäftigung mit der Bibel äußerst unwohl und spüre den starken Drang, mich davon zu befreien. Es ist wie in einer Fastenwoche: Plötzlich überkommt mich ein Heißhunger und ich glaube, es nicht mehr aushalten zu können. Gerade wer sich auf eine intensivere Beziehung mit Gott einlässt, muss damit rechnen, dass der Geist, der sich gegen Gott gestellt hat, die Bibel nennt ihn den Verwirrer, Beelzebub oder Satan, Einfluss zurückgewinnen will. Menschen früherer Generationen haben mit diesen Kräften gerechnet.

Für den eignen Weg bedeut das: Wenn meine Niedergeschlagenheit nicht auf innere Wachstumsprozesse hindeutet, sondern vom bösen Geist herrührt, zeigt sich das an den Zielen, auf die mich die Stimmung hin steuert. Soll ich mich von Gott distanzieren, das religiöse Leben mit etwas weniger Elan betreiben und werde ich missmutig und aggressiv gegen andere, dann handelt es sich nicht um einen Wachstumsprozess, sondern um einen Geist, der mich vom Weg abbringen will. Der Mensch der Moderne, der sich einseitig auf die Verstandeskräfte stützt, hat das Gespür für die Einflüsterungen des Bösen verloren, weil er meint, dass er sein Seelenleben mit dem Verstand vollständig unter Kontrolle halten könnte. Der Blick auf die eigene Geschichte wie auch auf die Zeit des Nationalsozialismus zeigt, dass diese Kontrolle durch den Verstand eine Utopie ist. Es sind auch nicht einfach naturwüchsige Kräfte, die man für die Vernichtung der Juden und den Terror gegen die eigenen Landsleute verantwortlich machen kann, es sind vielmehr geistige Kräfte, die dahinter stehen.

Zusammenfassung


Durch einen spirituellen Weg kann ich dem Geist Gottes in mir Raum geben. Dazu haben die spirituellen Schulen jeweils eine bestimmte Praxis entwickelt. Allen christlichen Schulen ist gemeinsam, dass sie die tägliche Beschäftigung mit der Bibel in der Form von Psalmengebet, Meditation, Gespräch über biblische Texte zu Grunde legen.
Diese tägliche Praxis führt zu einer tieferen Freude und zu mehr Wohlwollen und einer größeren inneren Freiheit. Es gibt auch Phasen der Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Diese können durch die inneren Wachstumsprozesse wie auch durch böse Geister ausgelöst sein. Ich kann die Geister unterscheiden, wenn ich auf die Richtung achte, in die sie mich drängen.

Weiterführende Themen

Wer betet und täglich in der Bibel liest, wird innerlich bewegt. Um das Schiff gut durch diese Bewegungen zu steuern, braucht es täglich die Unterscheidung der Geister. Für die einzelnen spirituellen Schulen gibt es jeweils Zentren, Abteien und Klöster, Exerzitienhäuser wie auch Gruppen, die sich regelmäßig treffen. Diesen kann man sich anschließen.



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