Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Heiliger GeistCharme der Gnade
DeutschEnglishFrancais

Charme der Gnade


Als PDF ansehen


Wenn wir für den Personalausweis erfasst oder als potentieller Käufer durch die Marktforschung eingruppiert werden, dann geht es um Alter, Schulbildung, Einkommen und andere Daten, die man in ein Formular eintragen kann.

Kann meine Person aber wirklich mit einem Formular erfasst werden?


Lässt sich mein Ich in Rubriken einordnen, die dann noch statistisch ausgewertet werden können?


Trotz der vielen Formulare, Versandlisten und Dateien, in die wir eingetragen sind, wir empfinden uns ganz anders. Und die anderen sehen uns genauso wenig „statistisch“. Das lässt sich an einer Einladung einfach zeigen. Wir gehen dann gerne dorthin, wenn wir uns von der Ausstrahlung des Gastgebers und seiner Gäste angezogen fühlen. Ebenso hängt es von unserer Ausstrahlung ab, ob jemand uns als Gast haben will.

Ich reagiere wie andere Menschen auf den Charme eines Menschen. Ich fühle mich nicht durch das, was in seinem Personalausweis oder in seiner Einkommenssteuererklärung steht, sondern durch den Charme, den er, den sie ausstrahlt, angezogen. Wie komme ich aber zu der Anmut, die mich für andere Menschen interessant, vielleicht sogar liebenswert macht?
Als Kind hatte ich diesen Charme. Offensichtlich geht er im Laufe des Lebens verloren, allerdings nicht notwendig. Es gibt betagte Menschen, die sich ihren Charme bewahrt haben und mit denen wir deshalb gerne zusammen sind. Das ist auch bedeutsam für das Religiöse. Denn wer dem Religiösen auf die Spur gekommen ist, entwickelt eine andere Ausstrahlung. Sein Umfeld spürt, dass ein neuer Geist diesen Menschen bewegt. Es geht etwas Besonderes von ihm aus. Meist werden Menschen, die dem Religiösen in ihrem Leben folgen, auch anspruchsvoller. Sie haben weniger Zeit, so über andere zu reden und herzuziehen, wie das in dem üblichen Getratsche der Fall ist.


Der Charme des Erwachsenen

Als Kinder wirken wir charmant, putzig, zum Knutschen, weil wir einfach auf die Welt zugehen und lächeln können. Selbst wenn wir quengeln und schreien, ärgert das Erwachsene nicht so wie wenn jemand mit 14 oder 50 Jahren „ungezogen“, schlecht gelaunt, aggressiv ist. In der ersten Trotzphase zeigen sich andere Seiten unserer Person. In der Pubertät leiden wir an dem Ungenügen der Welt, halten es nur in unseren Träumen aus und sind für unsere Umwelt meist schwer erträglich.
Offensichtlich kann sich niemand den Charme der Kindheit einfach so bewahren. Schmerzliche Erfahrungen können das lächelnde Gesicht eines Kindes in ein ernstes verwandeln. Kommen zu den Verletzungen, die wir einstecken müssen, noch eigene Untaten hinzu, dann geht uns noch mehr von dem Charme verloren, den wir als Kind einmal hatten.
Wer gibt uns den Charme zurück? Vielleicht ein Partner, eine Partnerin oder eigene Kinder, von deren Charme wir uns anstecken lassen. Wir können es anderen Menschen wirklich zutrauen, dass sie uns zum Besseren verändern. Und wir können es Gott zutrauen.


Gnade, die neue Wirklichkeit

Die Menschen empfangen von Gott einen neuen Charme, den sie Charis, das griechische Wort für Anmut und für Gnade, nennen. Diese religiöse Anmut ist Wirkung des Geistes Gottes. Das alles lässt sich an konkreten Erfahrungen zeigen. Pfingsten holte der Heilige Geist die Anhänger Jesu aus ihrer Niedergeschlagenheit und machte sie auf einmal zu mutig gewordenen Verkündern der Auferstehung Jesu.
Eine besondere Verwandlung erfuhr der Jude Saulus. Er war ein verbissener Mensch, bestens als jüdischer Theologe ausgebildet, ein entschiedener Gegner des Neuen Weges der Anhänger Jesu innerhalb des Judentums. Denn die Anhänger Jesu wurden noch nicht Christen genannt, sondern verstanden sich selbst als zur jüdischen Religion zugehörig. Als er nach Damaskus unterwegs war, um die dortigen Jesusanhänger festzunehmen und in Jerusalem dem jüdischen Gericht zu übergeben, erschien ihm Jesus und der Geist Jesu verwandelte das Herz des Paulus. Er solle sich nicht mehr Saulus, sondern Paulus, der „Kleine“ nennen. Einige der leidenschaftlich geschriebenen Briefe des Paulus sind erhalten und Teil der christlichen Bibel geworden. Im 15. Kapitel seines 1. Briefes an die Korinther steht einer der schönsten Hymnen auf die Liebe.

Wie Paulus entdeckten viele andere ihr Herz, erkannten, dass Gott eher bei den Armen als bei den Mächtigen und Reichen zu finden ist. Den Mystikern wie den Sozialaposteln und -Apostelinnen hat der Heilige Geist eine besondere Ausstrahlung geschenkt. Dass der Geist Gottes in die Herzen der Gläubigen ausgegossen ist, das ist die neue Wirklichkeit. Deshalb wagten es einige Bischöfe der frühen Kirche, deren Texte bereits wie des Paulus und des Petrus in das Neue Testament eingegangen sind, die Christen als „Heilige“ anzusprechen.

Heilig sind sie nicht wegen eigener asketischer Vollkommenheit, sondern weil sie mit dem Geist Gottes begabt sind. Paulus nennt daher den Leib der Getauften „Tempel des Heiligen Geistes“.

Aber warum wirkt dieser Charme nicht mehr?


Wie viel Menschen ärgern sich über Christen, in den christlichen Gemeinschaften geht es nicht nur friedlich zu. Und welches Image hat gerade die katholische Kirche! Unter den Charme mischen sich viele Misstöne.

Der Hang zum Bösen bleibt


Das war die Erfahrung der ersten Generation: Es hat sich grundlegend etwas geändert, der Mensch kann, weil durch Jesus Christus erlöst, Gott wieder anblicken. Er erfährt Gottes Geist – aber der Hang zum Mittelmäßigen, es sich bequem machen, sich von schlechten Ideen infizieren lassen, das Unkraut bleibt.
Im Miteinander kann man schon heftig reagieren, wenn ein anderer nervt. Oder wenn man hintergangen worden ist, dann noch wie Gott barmherzig sein und den anderen nicht verdammen. Die vielen Bosheiten, die es unter den Christen gibt, die Rechthaberei und der nicht selten lieblose Umgang sowie die manchmal freudlose Ausstrahlung lassen Außenstehende daran zweifeln, ob der Heilige Geist in den Christen wirklich so wirksam ist, dass sie ganz vom Geist beseelt sind. Offensichtlich wirken nicht nur der Geist in den Herzen der Glaubenden, sondern auch andere Geister.

Seitdem Menschen intensiv ein Leben mit Gott suchen, die sog. Wüstenväter haben, als die Zeit der Verfolgung vorüber war, den Anfang gemacht, spielt die Auseinandersetzung mit den eigenen Lastern und den unguten Geistern eine wichtige Rolle. Das Böse ist zwar niedergerungen, es wird nicht den endgültigen Sieg davon tragen, aber es ist nicht gefesselt und seiner Wirkung beraubt. Es wird sogar dem, der fastet, viel betet, sich von den Gefahren des Reichtums und des Wohllebens fernhält, gefährlich. Denn wer seine schlechten Neigungen im Griff hat, Versuchungen überwunden hat und seinen Tag nach den Gebetszeiten strukturiert, kann durch den Stolz versucht werden, indem er auf andere herabblickt, die im religiösen leben nicht so „erfolgreich“ sind.

Jede Generation der Glaubenden hat neu lernen müssen, wie verführbar sie ist. Es sind nicht zuletzt die Spaltungen und die daraus folgende Rechthabereien, die den Charme des Christlichen ins Umgekehrte wenden und zu zerstörerischen Kriegen geführt haben. Das Böse wirkt mitten in der Gemeinschaft der Glaubenden. Wer damit nicht rechnet, wird am leichtesten sein Opfer. Aber trotz dieser Realität muss der Christ nicht resignieren. Das Böse kann nichts aufbauen, es zerstört die, die ihm folgen. Was Bestand hat, ist vom guten Geist gewirkt.
Zusammenfassung
Der Geist Gottes wirkt in den Herzen der Glaubenden. Um diesem Geist Raum zu geben, führen Christen ein geistliches Leben. Dafür gibt es, teils über Jahrhunderte, erprobte Spiritualitäten, die alle die Bibel in die tägliche spirituelle Praxis einbeziehen. Die Unterscheidung der Geister ist ein wichtiges Element der Spiritualität, denn ungute Geister wirken weiter.

Im geistlichen Leben gibt es Stufen des Wachstums und auch Phasen, in denen der Betende sich im Dunkeln erlebt, weil er die Gegenwart des Geistes Gottes nicht spürt. Der Geist Gottes bewirkt Gnade, eine neue Anmut im Menschen. Diese beinhaltet, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt ist, nicht, weil er sich selbst von der Sünde und ihren Folgen befreien könnte, sondern weil er von Gott erlöst wurde. Aber ihm werden nicht nur wie einem Schuldner die Sünden erlassen, sondern er wird durch die Einwohnung des Geistes Gottes zu einem neuen Menschen, der bereits mit einem Fuß im Reich Gottes steht, auch wenn das Böse noch Einfluss auf ihn hat.

Weiterführende Themen

Die Begabung mit dem Geist, die die erste christliche Gemeinde aus ihrer Niedergeschlagenheit herausriss, ist die innere Wirklichkeit der Kirche. Das Sakrament der Firmung formt den Glaubenden noch einmal tiefer im Heiligen Geist. Um die Frage, wie die Begnadung des Menschen genau zu verstehen ist und welcher Beitrag vom Menschen kommen muss, damit die Gnade wächst, führte zu heftigen Kontroversen im Zeitalter der Reformation.
Diese Gegensätze sind überwunden. Zwischen Lutheranern und Katholiken gibt es zwar keinen Dissens mehr, was die Gnade betrifft, aber unterschiedliche Akzentsetzungen: Rechtfertigung und Gnade.


Hinweis:


Als registrierter Nutzer  haben Sie die Möglichkeit sich einen Begleiter zuteilen zu lassen, mit dem Sie sich über die einzelnen Fragen austauschen können.
Zur Erstanmeldung gelangen Sie hier...