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Gott ist Beziehung


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Die letzte Wirklichkeit ist Beziehung

Jeder von uns macht die Erfahrung, allein zu sein. Besonders deutlich wird uns das Alleinsein, wenn wir verlassen worden sind. Ob sich der Mond, die Sonne im Andromedanebel auch einsam fühlen können? Fühlt sich der Wolf, der durch die Taiga streift, einsam? Einsam kann sich vielleicht nur ein Wesen fühlen, das Sehnsucht nach einer anderen Person hat, die ebenso Einsamkeit wie ich spüren kann. Ist diese Sehnsucht nur eine trügerische Illusion, die ich mir abgewöhnen müsste? Oder führt mich gerade die Sehnsucht weiter zu dem, was die Welt tiefer begründet und mir auch über mein Leben Aufschluss gibt?


Die Welt ist offen für meine Augen und für meinen Geist


Wenn ich morgens die Augen aufschlage, liegt die Welt vor mir. Ich kann schauen, ob es Wolken gibt, andere Menschen tauchen in meinem Gesichtsfeld auf, in der Zeitung steht, was anderswo geschehen ist.

Ich bin dadurch Teil dieser Welt, dass auf mich physikalische Gesetze einwirken. Es sind die gleichen Gesetze, die einen Stein ruhen, das Wasser fließen, den Mond durch das Weltall kreisen lassen. Jedoch nehme ich ganz anders als ein Stein Anteil an der Welt. Ich nehme die Welt wahr. Das ist uns so selbstverständlich, dass wir unseren Alltag darauf aufbauen. Wir können etwas erkennen und unterscheiden, wir erhalten Nachrichten und können auf der Basis vieler Informationen den Tag gestalten. Ohne das Wahrnehmen würde unser Leben gar nicht planbar sein.

Das setzt aber voraus, dass sich die Dinge zu erkennen geben, die Wolken, das nächste Haus, auf das ich blicke, der Baum, der blüht oder schon Früchte trägt. Unser Erkenntnisvermögen reicht sogar bis an die Grenzen des Weltalls. Aber nur deshalb können wir Milchstraßen in Milliarden Lichtjahren Entfernung beobachten, weil diese sich durch die Aussendung von Licht zu erkennen geben. Die Welt liegt nicht verschlossen vor uns, sondern gibt sich zu erkennen. Die Welt ist nicht einfach da, sondern sie ist auf Beziehung hin angelegt. Denn Beziehung fängt damit an, dass das einzelne nicht für sich existiert, sondern für anderes überhaupt zugänglich und damit auf anderes bezogen ist.


Gibt es etwas, das prinzipiell für uns nicht erkennbar ist?

Es könnte auch sein, dass es Welten gibt, die unserer Erkenntnis entzogen sind und damit nicht mit in uns in Beziehung treten. Diese Frage wird in der Astronomie unter der Thematik diskutiert, ob es vielleicht ein anderes Weltall gibt, das ähnlich wie das unsere durch einen Urknall entstanden ist. Es könnten, so die Überlegung, neben unserem Universum noch viele andere existieren, von denen wir aber nichts wissen.
Wahrscheinlich können wir gar nicht aus unserem Universum „herausschauen“, weil kein Lichtstrahl von einem anderen Weltall in das unsere gelangen kann. Wäre das so, dann würden Welten entstehen, die füreinander nicht zugänglich sind.

Anders ist es, wenn es auf einem anderen Planeten auch Leben gibt und die Lebewesen dort Informationssysteme entwickelt haben, über die sie mit uns in Beziehung treten können. Wenn es irgendwo im Weltall geistig begabte Wesen gibt, dann besteht prinzipiell die Möglichkeit, dass wir mit ihnen in Beziehung treten. In Sciencefiction-Filmen ist diese Möglichkeit schon durchgespielt worden.
Aber leben wir in einer Welt, neben der es noch andere gibt, die wir prinzipiell nicht erreichen können und die auch in unser Universum nicht „hineinfunken“? Dann gäbe es eine Wirklichkeit, die mit unserer Welt nicht beziehungsfähig ist. Die Frage lässt sich mit den Erkenntnismitteln der Physik nicht beantworten.

Aber wenn auch die Physik ihre Grenzen erreicht hat, der menschliche Geist kann weiter „denken“. Denn wir können uns zumindest ein anderes Universum vorstellen, das neben unserem existiert. Dann haben wir, auch wenn es den Erkenntnismitteln der Physik unzugänglich ist, doch eine Beziehung zu diesem anderen Universum aufgenommen. Das ist zwar nur eine gedankliche Beziehungsaufnahme, die sich durch physikalische Messungen nicht bestätigen lässt, aber es bestünde immer noch die prinzipielle Möglichkeit, dass geistige Wesen in dem anderen Universum einen Weg finden, mit uns in Beziehung zu treten.

Es zeigt sich in diesem Gedankenexperiment die Fähigkeit des Geistes, auch zu einem solchen Universum eine Beziehung aufzunehmen, das wir physikalisch nicht erreichen. Das bedeutet aber, dass das Geistige umfassender ist als das physikalisch Messbare. Daher kann uns das Geistige mehr Auskunft darüber geben, inwieweit alles mit allem zusammenhängt. Wir müssen also auf der Spur des Geistigen bleiben, um die Welt tiefer zu verstehen.

Das Geistige ist auf intensivere Beziehung angelegt

Die Sterne, die Materiewolken, die Milchstraßen sind schon auf Grund ihrer physikalischen Beschaffenheit aufeinander bezogen. Durch die Gravitationskraft wirkt ein Körper auf den anderen. Da die Materie auch Energie ist, bleibt Materie nicht in sich verschlossen, sondern tendiert auf anderes hin. Was sich im Materiellen zeigt, wird im Geistigen noch deutlicher. Geist heißt ja, „Erkennen Wollen“ und sich auf anderes hin öffnen. Geist ist nicht Kreisen um sich selbst, sondern ist kreativ, Ideen entwickeln, sich ausdrücken, sich auf anderes beziehen. Dieses Sich-Beziehen beinhaltet nicht nur, sich auf anderes hin ausrichten, sondern auch anderes erkennen, es verstehen, sich von anderem ansprechen und damit in eine Beziehung hinein nehmen lassen. Weil wir die Ausrichtung auf Beziehung bereits im Materiellen erkennen und im Geistigen noch viel mehr verwirklicht sehen, können wir davon ausgehen, dass Beziehung die tiefere Wirklichkeit ist.

Unser alltägliches Empfinden ist allerdings meist anders geprägt. Das Zusammenleben lehrt uns, dass Macht die bestimmende Größe unseres Lebens ist, Macht die wir haben, Macht die andere über uns ausüben können. In unserer Kultur symbolisiert sich die Macht im Geld, über das jemand verfügen kann. Wir haben uns deshalb die Überzeugung angeeignet, dass nicht Ideen, sondern das Geld die Welt regiert. An den Softwarefirmen und Internetunternehmen sehen wir zwar, dass Ideen den Erfolg machen. Aber eine Idee wird von uns erst dann ernst genommen, wenn sie zu viel Geld führt. Deshalb spielen Kunst und Religion in unserer Gesellschaft keine bestimmende Rolle mehr, bzw. erst, wenn der Geldwert eines Gemäldes bei einer Versteigerung die Millionengrenze überschreitet. Dann ist das sogar eine Nachricht „wert“.

Aber stimmt diese Sicht, dass die sich im Geld verkörpernde Macht die letzte Bestimmungsgröße für unser Leben ist? Die Frage beantwortet sich, wenn wir mit 60 oder 70 Jahren auf unser Leben zurückblicken. Wenn das Gelingen meines Lebens sich am Geldwert orientiert, dann stimmt es, dass Geld das Wichtigste ist. Dann wären die Reichen und nicht ein Mozart oder Michaelangelo diejenigen, deren wir uns voll Bewunderung erinnern würden. Aber es ist nicht so. Nicht derjenige ist groß, der ein Gemälde für 10 Millionen ersteigern kann, sondern der, der es gemalt hat.

Wir fallen leicht auf das Geld herein. Wir halten es für eine objektive Größe, so wie wir auch versucht sind, einen Stern oder ein Milchstraßensystem für die letzte Realität zu nehmen. Aber die Sterne werden verglühen und zu Schwarzen Löchern kollabieren. Das Geld ist noch viel flüchtiger, denn es hat ja nur seinen Wert, wenn wir es entgegennehmen, um dafür zu arbeiten oder unser Haus zu verkaufen. Nur so lange der Wert des Geldes akzeptiert wird, hat es Macht. Bei einem Kollaps der Börse oder einer Inflation wird deutlich, dass jemand mit seinem Geld nur so lange Eindruck machen kann, wie andere vor dem Geld stramm stehen. Auch Geld funktioniert nur in Beziehung.

Traut der andere mir nicht, dann ist auch mein Geld nichts viel wert. Offensichtlich ist das Weltbild, das unseren Alltag bestimmt, gar nicht so tragfähig. Tragfähiger als Geld sind dann auch Freundschaften und Familienbande. Sie überstehen eine Wirtschaftskrise und sogar Kriege.
Wir sehen, dass Beziehung das tragfähigere ist. Das zeigt sich schon auf der physikalischen Ebene, denn durch die Gravitation stehen bereits materielle Objekte „in Beziehung“. Noch mehr ist der Geist auf Beziehung angelegt. Wenn das so ist, dann muss der Grund der Wirklichkeit selbst Beziehung sein. Aber ist Gott, der letzte Grund der Wirklichkeit, nicht ganz von unserer Welt getrennt und für uns daher unerreichbar?
Die Frage, die die Religion beantworten muss, besteht darin, ob die Beziehungsfähigkeit in Gott verankert ist oder ob Gott vielleicht beziehungslos zur Welt lebt.


Gott, fern oder nah?

Unser alltägliches Bewusstsein denkt Gott weit entfernt. Wenn wir spontan auf die Frage antworten, was der Grund unserer Existenz ist, dann stützen wir uns „auf den Boden der Tatsachen“, und das ist der Boden, auf dem wir stehen.
Aus der Erde, besser aus dem Wasser, stammen wir her. Dort sind die ersten Einzeller entstanden. Gott ist jenseits von allem, in seinem Himmel. Aber das alles wird irgendwann einmal vergehen, spätestens dann, wenn das Weltall seine Energie verbraucht hat. Bleibt dann aber die Beziehung, vielleicht sogar nur noch die Beziehung zu Gott?

Wird dann Gott fern von der Welt bleiben und werden wir mit dem Weltall verglühen und einfach nicht mehr da sein?

In der Frühphase des Christentums hat eine solche Vorstellung von Gott die ganze Bibel auf den Kopf gestellt. Gott, so der Grundgedanke, darf keine Beziehung zur Welt und zum Menschen haben, weil er dann selbst zu etwas Endlichen wird. Diese Schlussfolgerung leitete sich aus philosophischen Überlegungen ab. Die griechische Philosophie hatte eine so erhabene Idee von Gott entwickelt, dass Gott, der ja in Jesus von Nazareth ganz nahe gekommen war, in eine unerreichbare Ferne gerückt wurde.

Diese Vorstellung war von der Idee her entwickelt, dass Gott nicht von etwas Nicht-Göttlichem berührt werden darf, sonst ist er nicht mehr Gott. Damit Gott nicht mit etwas Endlichem in Berührung kommt, hat er den Logos, die Vernunft geschaffen und der Logos ist dann der Urheber der Welt. Aber auch der Logos erreicht Gott nicht, denn auch dann würde Gott seine Göttlichkeit verlieren.

Man nennt diese Vorstellung von Gott, der in sich verschlossen, unerreichbar für jedes andere Wesen, jenseits aller Welten existiert, Arianismus, nach dem ägyptischen Priester Arius, der diese Vorstellung propagiert und viele Anhänger gefunden hat.

S. Arianismus - www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/arianismus.php

Aber muss sich Gott so von dem, was er geschaffen hat, fernhalten, damit er ja seine Göttlichkeit nicht verliert? Ist der Schöpfer nicht immer bei seinem Geschöpf? Wir Menschen können uns vielleicht von dem distanzieren, was wir gemacht haben, was von uns stammt. Aber würde etwas, das von Gott kommt, überhaupt noch existieren, wenn Gott sich von ihm distanzieren müsste, damit er ja nur Gott bleibt?

Es würde doch ins Nichts zurücksinken. Denn Gott formt ja nicht aus etwas Vorhandenem, sondern gibt ihm überhaupt erst Existenz. Aus sich heraus bestehen unser Sonnensystem und die Erde nämlich nicht. Sie kommen von etwas her, das irgendwie einmal seine Existenz erhalten hat. Etwas ins Existieren bringen, das ist die Schöpferkraft Gottes. Würde Gott nicht mehr wollen, dass es existiert, dann würde es ins Nichts zerfließen. Das heißt aber, dass alles Geschaffene nicht nur untereinander in Beziehung steht, sondern noch mehr in Beziehung zum Schöpfer. Aber lebt Gott selbst in Beziehung?


Gott ist in sich Geist und Beziehung

Auch wenn alles, was existiert, von Gott her gewollt sein muss und damit Gott zu allem eine Beziehung hat, sind die Sterne, die Pflanzen und Tiere und nicht zuletzt wir Menschen nicht unbedingt auf Gott bezogen. Wir können sehr gut leben, ohne uns auf Gott zu beziehen. Während Gott mit seiner Schöpferkraft schon immer beim Menschen ist und seinen Geist dem Menschen eingegossen hat, ist der Mensch noch lange nicht bei Gott.

Denn der Mensch lebt so, als würde der menschliche Leib und die materielle Welt immer so weiter existieren. Wir halten die Materie für das Tragende und nicht die Beziehung, wir stehen vor dem Geld stramm und nicht vor dem Geschenk der Freundschaft. Wir leben nicht wirklich in der Wirklichkeit, sondern am Rande, wo eigenartigerweise das Geld regiert. Damit leben wir aber nicht mehr in unserer Freiheit, sondern in materiellen Abhängigkeiten, indem wir uns vor der Macht des Geldes beugen.

Aber schon für die Materie gilt Beziehung als die tragende Wirklichkeit. Beziehung ist auch die innerste Wirklichkeit Gottes. Denn Gott ist Geist und Geist gründet noch mehr als Materie auf Beziehung. Schon der menschliche Geist kann über alles Materielle hinaus denken. Da Gott ist, ist er in sich Beziehung. Die Beziehung in Gott nennt Jesus Sohnschaft;

s. Sohn Gottes: www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/sohn_gottes.php

Jesus nennt nämlich Gott Vater. Der Geist in Gott ist auch nicht einfach abstrakt „Geist“, sondern Person. Denn Person ist nur in Beziehung. Person ist das Wesen, das durch seine Freiheit ganz es selbst und zugleich auf andere Personen bezogen ist.

Für den Menschen wird das an der Sprache deutlich. Man kann nicht allein sprechen, sondern nur zur Sprache in Gemeinschaft mit anderen finden. Wer allein bleibt, bleibt sprachlos. Ich bin aber nicht allein, weil Gott bei mir ist. Weil ich mit Jesus das „Vater unser“ beten kann, bin ich auch in die Beziehung Jesu zu Gott hineingenommen. Der Geist Gottes besiegelt diese Beziehung, in die Gott mich aufgenommen hat.


Zusammenfassung

In unserem alltäglichen Empfinden gehen wir davon aus, dass unser Leben auf der Materie basiert und dass Macht, die sich meist in Geld ausdrückt, unser Leben bestimmt. Jedoch ist die grundlegendere Wirklichkeit Beziehung, denn bereits die Materie steht durch die Gravitation in Beziehung miteinander.

Der Mensch ist nur Mensch in Beziehung, was sich an der Sprache zeigt. Der Mensch kommt nicht allein „zur Sprache“, sondern nur in Beziehung zu anderen. Noch mehr als Materie ist der Geist von innen her Beziehung. Da die Welt im Willen Gottes gründet, denn Gott will, dass etwas existiert, hat Gott eine Beziehung zur Welt. Aber Gott ist nicht nur auf das von ihm Geschaffene bezogen, sondern in sich selbst Beziehung, die Jesus als das Verhältnis Vater-Sohn beschreibt. Der Geist Gottes ist Person, denn erst im Personsein ist die Beziehung am tiefsten begründet.


Weiterführung

Gott ist auf den Menschen bezogen, aber der Mensch bezieht sich nicht selbstverständlich auf Gott. Wenn Gott den Menschen so beließe, wie der Mensch sich selbst sieht, dann würde der Mensch am Rande der Wirklichkeit bleiben, sich vom Materiellen und der Macht des Geldes abhängig machen. Gott muss, soll der Mensch zum Kern der Wirklichkeit gelangen, den Menschen aus seiner Verlorenheit herausholen - lesen Sie ab dem 27.1.08 mehr zum Thema "Gott und Mensch".

Der Mensch wird aber nicht nur durch sein Leben am Rande der Wirklichkeit von seiner Beziehung zu Gott abgehalten, er wird auch durch das Böse von Gott weg gedrängt. Welche Beziehung hat aber Gott selbst zum Bösen - lesen Sie ab dem 3.2.08 mehr zum Thema "Gott und das Übel".


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