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Offenbarung 12, 7-12

Der Sturz des Drachen

7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, 8 aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. 9 Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. 10 Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt da er da ist, der rettende Sieg, / die Macht und die Herrschaft unseres Gottes / und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde die Ankläger unserer Brüder, / der sie bei Tag und bei Nacht / vor unserem Gott verklagte. 11 Sie haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes / und durch ihr Wort uns Zeugnis; sie hielten ihr Leben nicht fest, / bis hinein in den Tod. 12 Darum jubelt, ihr Himmel / und alle, die darin wohnen.

Das Übel


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Interessiert sich Gott eigentlich für seine Schöpfung?

Wer sich auf Gott einlässt, wer sich über das alltägliche Leben mit seinen Verpflichtungen und Zwängen hinaustastet, wer seiner Freiheit auf den Grund geht und spürt, dass es eine Macht gibt, die die Welt schön gemacht, die um den Menschen die Natur wie einen Garten gestaltet, die dem Menschen Freiheit gegeben hat und die sogar will, dass das Leben des Menschen gelingt, der wird in einen nicht auflösbaren Widerspruch geführt.

Denn die Welt ist gar nicht harmonisch, sie ist nicht nur schön. Das Gelingen des Lebens ist sehr gefährdet. Vieles im Leben gelingt nicht, manchem Menschen misslingt sein Leben total. Täglich werde ich damit konfrontiert, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte. Es gibt Kräfte, die gegen das Gelingen arbeiten, Neid, Eifersucht, Intrige, Mobbing. Die ständigen Kriege im Großen und Kleinen zerstören alles wieder, was Menschen aufgebaut, was sie sich in Liebe geschenkt, was sie anderen Gutes getan haben. Das soll die Schöpfung sein, bei der Gott sorgend ist, die er nicht ins Nichts zurückfallen lässt, die so angelegt ist, dass der Mensch in Gemeinschaft mit anderen leben kann?

Dieser Widerspruch besteht und kann durch Nachdenken nicht aufgelöst werden. Denn gäbe es einen Gedanken, der den Widerspruch beseitigen könnte, müsste er von einem Menschen inzwischen gedacht worden sein. Und selbst wenn es den Gedanken gäbe, die Nachrichtensendung würde ihn jeden Tag widerlegen. Das Übel erhebt immer wieder seinen Kopf und zerstört, was Menschen sich erhoffen. Was ist aber der Zweck, den das Böse verfolgt?


Das Böse ist am Ende nur „nichts“

In Kirchen wird uns die Überwindung des Bösen so dargestellt, dass der Erzengel Michael den Drachen mit einer Lanze durchbohrt. Das Bild geht auf das letzte Buch der Bibel zurück, das von einem endgültigen Kampf zwischen den Anhängern Gottes und dem „Großen Drachen“ berichtet. Das Böse wird in der Gestalt des Drachen von Michael, dem obersten Engel überwunden. Diese und andere Geschichten, die vom Ursprung des Bösen erzählen, passen zu unseren Erfahrungen.

Aber wir müssen sie gar nicht hören, um vom Bösen Kenntnis zu erhalten. Denn niemand muss überzeugt werden, dass es das Ausgegrenzt-Werden, dass es den Streit und den Krieg gibt und dass dadurch das Gelingen des eigenen Lebens in hohem Maße gefährdet ist. Genau diese Erfahrungen stellen die Frage, woher das Übel kommt. Dafür muss es eine Antwort geben.
Jesus gebraucht das Bild vom Kornacker, um das Böse in unserem Leben zu lokalisieren. Ein Bauer hat den Samen ausgestreut, da kommt nachts ein Bösewicht und streut schlechten Samen, nämlich Unkraut, auf das Feld. Die Knechte des Bauern fragen, ob sie das Unkraut herausreißen sollen. Der Bauer lässt das nicht zu, weil dann auch Triebe, die später eine Ähre tragen werden, mit ausgerissen werden könnten. Erst bei der Ernte, d.h. am Ende der Geschichte, wird das Üble vom Guten getrennt. Der Bauer weiß, dass er mit dem Unkraut leben muss und dass es mit wächst. (Matthäus 13, 24-30).
Der Bauer kann aber auch zuwarten, denn das Unkraut wird das Gute nicht ausmerzen. Denn nicht nur das Böse, sondern auch das Gute wächst. Wenn wir nur auf das Widrige und das uns Übel-Wollende schauen, sehen wir nicht das Gute, das trotz der scheinbaren Übermacht des Bösen wächst und am Ende das Leben sichern wird.

Das Üble bringt nämlich keine Frucht und ist damit zur Nichtigkeit verurteilt. Zwar wirkt das Böse in der menschlichen Geschichte immer weiter (s. Erbschaft des Bösen), aber es mündet ins Nichts. Denn das Böse kann nur zerstören und nichts Bleibendes aufbauen. Deshalb wird am Ende nur das Gute Bestand haben.
Am Diktator Hitler lässt sich diese Dynamik des Bösen ablesen. Er hatte am Ende nichts mehr in Händen, das riesige Zerstörungswerk hat sein Tausendjähriges Reich in Nichts zusammenstürzen lassen und er selbst hatte auch keine andere Idee mehr, als sich selbst demselben Tod zu überantworten, den er so vielen Menschen gebracht hat. Wir können also darauf vertrauen, dass das Böse am Ende nicht die Überhand gewinnen wird. Aber mit dem Weg des Bösen ins Nichts ist die Frage nach dem Bösen für unser alltägliches Leben noch nicht gelöst. Und für Gott ist es auch nicht so einfach, dass er abwarten könnte, bis das Böse sich selbst in Nichts auflöst. Denn Gott ist ja selbst der Bauer, dem ein anderer Unkraut in die Saat geworfen hat, das genauso wächst wie das gute Getreide. Wer ist dieser andere?


Der Mensch lässt sich mit dem Bösen ein

In der Geschichte vom Paradiesbaum ist es die Schlange, in deren Gestalt das Böse den Menschen durch List verführt. Sie bringt den Menschen dazu, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Das Bild hat erst einmal mit der Entdeckung der Sexualität zu tun; s. Die Erbschaft des Bösen. Aber das ist nicht alles. Denn mit dem Biss in den Apfel liefert der Mensch sich dem Bösen aus.

Auch wenn in der Bibel das Verb „erkennen“ für sexuelle Vereinigung steht, z.B. „Abraham erkannte Sarah“, führt der Biss in den Apfel zu dem Wissen, was das Böse ist. Der Mensch lebt nicht mehr in Unschuld, sondern weiss, was Gut und Böse ist. Der Übergang von der kindlichen Unschuld in das Alter, in dem der Mensch mit dem Bösen konfrontiert wird, wird in der griechischen Mythologie an der „Büchse der Pandora“ erklärt. Die Büchse enthält all das Üble, das der Mensch selbst in die Welt gelassen hat und mit dem er nicht fertig wird.

Heute wenden wir das Bild auf die Atomkraft und die Gentechnologie an. Der Mensch kann die Finger nicht davon lassen, aber jeder weiß, dass der Mensch die Folgen dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht beherrscht und ihm das Ganze aus der Hand gleiten wird. Die Menschheit ist wie die junge Frau Pandora. Sie weiß gar nicht, was sie tut, als sie Büchse öffnet. Aber das Böse kann jetzt in die Welt einziehen und sein Unwesen treiben. Die „Büchse der Pandora“ erklärt auch, warum Menschen Krimis und Thriller schauen und man mit der Berichterstattung über Verbrechen eine Zeitung erfolgreich machen kann. Das Böse hat offensichtlich etwas Faszinierendes. Menschen, die andere überfallen, die morden, haben sich in einen Bereich vorgewagt, der den Zuschauern zu heikel ist. Deshalb lassen wir Verbrecher wie Kundschafter das Reich des Bösen erkunden und schauen ihnen zu. Natürlich wollen wir, dass der Verbrecher zur Strecke gebracht und bestraft wird.

Der eigentliche Held ist daher nicht der Verbrecher, sondern der Kriminalbeamte oder der tapfere Bürger, der mit dem Einsatz seines Lebens das Böse wieder aus der Welt hinausdrängt. Jedes Mal, wenn wir einen Krimi oder Thriller schauen, tun wir das nur mit dem Wissen, dass die Instanz „Kino“ oder „Fernsehen“ einen Helden schickt, der das Böse besiegen wird. Zugleich haben wir uns damit abgefunden, dass das Böse bereits in unsere Welt eingedrungen ist und in ihr sein Unwesen treibt. Wir wissen, dass wir gegen das Böse kämpfen müssen. Wir glauben auch dran, dass das Böse überwunden werden kann. Aber was hat Gott mit dem Bösen zu tun?


Befreiung von der Umklammerung durch das Böse

Wir haben bereits gesehen, dass Gott auf das Verschwinden des Bösen warten kann, denn die Zeit bringt das Böse zur Strecke. Da das Böse nicht nur anderes vernichtet, sondern am Ende sich selbst, überlebt es nicht. Denn das Böse lässt nichts zurück, was Bestand haben könnte.
Wir wissen allerdings auch, dass jede menschliche Generation sich neu mit dem Bösen auseinandersetzen muss. Die revolutionären Bewegungen treten jeweils an, die Menschen endgültig vom Bösen zu befreien. Aber auch sie verstricken sich sehr schnell selbst in das Böse.

Dafür ist der Kommunismus ein Beispiel. Er hat das Böse mit dem Kapitalismus gleichgesetzt. Mit der Überwindung der Macht des Kapitals sollte der Mensch in einen paradiesischen Zustand zurückkehren. Um dieses Ziel zu erreichen, schien Gewalt gerechtfertigt. Eine Generation durfte geopfert werden, um der nächsten den Einzug in das Paradies zu ermöglichen. Tatsächlich haben viele Menschen nach der kommunistischen Revolution und dann noch einmal mit der Aufrichtung der kommunistischen Herrschaft in Ostdeutschland geglaubt, dass man den Zustand der völligen Versöhntheit erreichen und damit in das Paradies einziehen könne. Diese Zielvorstellung wird in der kommunistischen Lehre die „kommunistische Gesellschaft“ genannt.

Als deutlich wurde, dass auch die nächste Generation das kommunistische Paradies nicht vorfinden würde, sprach man von der „Sozialistischen Gesellschaft“ als Ziel. Jedoch verkam die Lehre zu einem Instrument des Machterhalts. Das Üble in der Form der Korruption hat sich dann wie die Ackerwinde als unausrottbares Unkraut in jedem kommunistischen System ausgebreitet. Ein Grund für diese innere Schwäche des Kommunismus ist auch, dass das Böse in den Strukturen und nicht im Herzen des Menschen gesucht wird, um dort überwunden zu werden, wo es entsteht. Anders als die diesseitigen Heilslehren, wie der Kommunismus, rechnen die Religionen mit dem ständigen Kampf gegen das Böse und versuchen, das Herz des Menschen anzusprechen.

Aber sie versprechen auch die Überwindung des Bösen. Die jüdische und die aus ihr hervor gegangene christliche Tradition zeigen uns Gott als den, der die Menschheit nicht in ihrer Verstrickung in das Böse allein lässt, sondern ihr einen Retter schickt. Im Orient wird dies in dem Bild der Jungfrau dargestellt, die die Menschheit verkörpert, die bedroht ist und die vor dem Drachen gerettet werden muss. Auch deshalb spielt Maria in der christlichen Tradition eine so große Rolle, denn sie ist wirklich gerettet und mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen.
Fast jede Barockkirche stellt uns daher die Aufnahme Mariens in den Himmel als Altarmotiv dar. Das eigentliche Zeichen für die Überwindung des Bösen ist das Kreuz. Gott hat seine Gegner, die sich zu Handlangern des Bösen gemacht haben, nicht vernichtet, sondern das Böse am eigenen Leibe ausgehalten und damit von innen her überwunden; s. Dynamik des Bösen und Auferstehung.

Das Böse wirkt zwar weiter, aber ihm ist der Stachel entzogen. Der Mensch ist nicht mehr dem Diktat unterworfen, dass das Böse sich selbst schädigt und sogar umbringt, sondern er hat die Gnade der Erlösung empfangen. Hat das Gesetz noch den verurteilt, der sich nicht auf dem Weg des Guten hält, sondern in seinem Herzen dem Bösen Raum gibt, so hat Gott im Kreuz Gnade vor Recht ergehen lassen, d.h. er hat die vernichtende Kraft des Bösen ausgehebelt. Aber wie steht Gott selbst zum Bösen. Ist das Böse vielleicht ein Teil in Gott, das er selbst wie wir Menschen überwinden müsste?


Das Böse als göttliche Macht?

Es gibt immer wieder religiöse Vorstellungen, die das Böse in die göttliche Sphäre legen. Der Manichäismus, dem der große Theologe Augustinus anhing, ehe er seine Bekehrung erlebte, sieht zwei gleichstarke Mächte, einen Gott des Guten und einen des Bösen.

Ähnliche Vorstellungen hatten auch unsere germanischen Vorfahren. Innerhalb des Christentums gab es die Irrlehre des Markion, der den Gott des Alten Testaments mit dem Bösen identifizierte, der für das Üble in der Welt verantwortlich ist. Er nennt diesen Gott auch Demiurg (griech. „Handwerker“) und setzt dagegen den Gott der Liebe, den Jesus verkündet.

Im Moment gerät der Islam in den Verdacht, vom Bösen gesteuert zu sein. Soll man sich solchen Vorstellungen anschließen, um so eine Erklärung für das Böse zu gewinnen? Eine einfache Überlegung zeigt, dass zwei Gottheiten nicht eine letzte Erklärung geben können, denn auch wenn eine der Gottheiten gewinnen sollte, das Böse verschwindet damit nicht einfach aus unserem Leben. Und wo kommen die Gottheiten her? Wenn es tatsächlich eine anfangslose böse Macht gäbe, hätte diese dann diese Welt geschaffen? Sie müsste doch dann eine eigene Welt ins Dasein gerufen haben, in der ihre Gesetze gelten. Aber kann es eine Welt geben, in der nur das Böse wirkt? Eine solche Welt müsste sich auflösen. Das Böse kann also nicht im anfanglosen Sein seine Wurzeln haben. Es ist ja nur, weil bereits etwas existiert. Denn Böses ist nur möglich, wenn es etwas kaputtmachen kann. Es ist also sinnvoll, sich an die Botschaft von der Erlösung zu halten. Auch wenn das Böse stärker zu sein scheint, es kann Gott nicht wirklich antasten. Und Gott überlässt den Menschen nicht der Macht des Bösen, er befreit ihn. Er will, dass der Mensch lebt, sich an der Schöpfung freut und mit Gott in Gemeinschaft lebt.

Aber warum Gott das Böse zulässt, darauf finden wir keine Antwort. Am Ende der Geschichte wird sich erst zeigen, wie die Zusammenhänge wirklich sind und wie Gott diese Geschichte trotz des vielen Üblen zu einem guten Ende führt. Das Böse bleibt das große Rätsel, sei es, dass ich von anderen Bösen erleide und noch mehr, wenn ich selbst Böses tue, einem anderen wirklich schade, ihn mit meinem Neid verfolge, ihn hinaus mobbe, ihm seine Würde als Mensch nehme.


Zusammenfassung

Das Böse stellt das Gelingen meines Lebens in Frage. Der Mensch muss gegen das Böse kämpfen, soll sein Leben gelingen. Die revolutionären Bewegungen versprechen ihm die Überwindung des Bösen, verstricken sich jedoch selbst in das Böse. Sowohl der Nationalsozialismus wie der Kommunismus sind dafür ein Beispiel. Das Böse wirkt zerstörerisch und lässt nichts Gutes zurück.

Das Böse tendiert zum Nichts und wird am Ende „nichts“ in Händen behalten. Die Zeit überwindet das Böse, weil nur das Gute Bestand haben kann. Gott kann auf das Verschwinden des Bösen warten. Denn da nur Geschaffenes vom „Nichts“ angegriffen werden kann, kann das Böse Gott nicht erreichen. Jedoch lässt Gott den Menschen nicht in der Verstrickung des Bösen. Er rettet die Menschheit und überwindet das Böse nicht mit Gewalt, sondern indem Jesus am Kreuz das Böse in seiner vollen Wucht erleidet. Warum aber Gott Böses zulässt und warum es das Böse überhaupt gibt, darauf haben wir keine Antwort. Erst am Ende der Geschichte wird sich zeigen, warum das Böse eine solche Zerstörungskraft gewinnen konnte und welchen Stellenwert es tatsächlich in der Geschichte hat.


Weiterführende Überlegungen

Das Böse hängt mit der Freiheit zusammen, jedoch ist die Freiheit nicht die Wurzel des Bösen (siehe „Ursprung des Bösen“). Der Kampf gegen das Böse gehört zum religiösen Leben, denn Religion kann dem Menschen nur dann eine Antwort geben, wenn sie ihm einen Ausweg aus den Verstrickungen in das Böse eröffnet. Wir müssen auch eine wirkliche Befreiung erleben, wenn wir uns auf eine religiöse Praxis einlassen. Zu dieser Praxis gehört im Christentum die Unterscheidung der Geister.


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