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Gott und Mensch


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Auf die Frage von Gretchen in Goethes Faust, „wie hältst du es mit Gott?“, fühlen wir uns meist in der gleichen Situation wie Dr. Faustus. Wie soll ich „es mit Gott halten“, wenn er so wenig greifbar ist?
Wir behandeln ihn wie einen Bekannten, auf dessen Handy die Mailbox eingeschaltet ist und der doch nicht zurückruft, wenn ich eine Nachricht hinterlasse. Wenn Gott sich so zu verbergen scheint, warum soll ich mit ihm in Beziehung treten? Dann ist es menschengemäßer, dass ich mich meinen täglichen Aufgaben zuwende als zu beten oder in der Bibel zu lesen. Es gibt genug zu tun, zumal Gott seine Welt offensichtlich ihrem Lauf überlässt. Kümmert er sich wirklich darum, wenn Kinder und Frauen misshandelt, wenn die Armen immer ärmer, die Reichen immer reicher werden? Aber stimmt dieses Grundgefühl, das viele Menschen in den westlichen Ländern haben, mit der Wirklichkeit überein?


Gott ist bei seiner Schöpfung

Eine kurze Überlegung zeigt, dass das Grundgefühl in unserer Kultur nur deshalb funktioniert, weil wir die Welt als Materie nehmen, die für unsere Arbeit da zu sein scheint. Wir verbrauchen die Rohstoffe der Natur, ohne darüber nachzudenken, dass Kohle und Erdöl nicht einfach da sind, sondern aus Pflanzen geworden sind. Pflanzen stehen aber in unmittelbarem Wechselverhältnis zur Atmosphäre, weil sie Kohlenstoff und Sauerstoff brauchen.

Mit Tieren gehen wir auch nicht anders als wie mit Rohstoffen um. Wir stellen Fleisch in Tierfabriken her. Wir nehmen die Bodenschätze, die Luft, die Tiere und Pflanzen als ständen diese nicht in einem größeren Zusammenhang, von dem auch wir nur ein Teil sind. Weil wir den Blick für das Ganze verloren haben, sehen wir auch nicht mehr, wie großartig die Schöpfung geworden ist, damit wir überhaupt leben können (s. Der Mensch im Kosmos).

Ist die Welt nicht so aufgebaut, dass alles dem Menschen zu seiner Selbstverwirklichung zur Verfügung steht?

All das, was wir vorfinden, kann aber nur so lange existieren, wie die Macht, die hinter allem steht, es sein lässt, sonst würde es ins Nichts zurücksinken. Daher wird alles, auf dem wir stehen, was wir atmen, essen, trinken, die Menschen, die uns in ihre Sprachgemeinschaft aufgenommen haben, von Gott getragen.

Im Alltag sehen wir das nicht, weil wir wie Kinder sind, die noch nicht perspektivisch sehen können. Wir sehen sozusagen nur in zwei Dimensionen, obwohl es nicht nur die dritte Dimension gibt, die uns den Raum erkennen lässt, sondern auch die Zeitdimension. Letztere Dimension sagt uns nämlich, dass alles, was wir vorfinden, geworden ist und daher einen Ursprung hat. Wie ich selbst kommt alles irgendwoher. Nichts, was mir entgegenkommt, ist aus sich selbst, sondern hat eine Ursache. Die Berge, die so majestätisch vor mir liegen, sind nicht „seit Ewigkeit“ da, sondern wie die Alpen noch gar nicht so alt. Seit einigen Jahrzehnten wissen wir, dass das für das ganze Weltall gilt, es ist in einem Urknall entstanden.

Das Universum existiert aber nicht nach dem Urknall einfach aus sich selbst, auch wenn wir so denken. Die Macht, die am Ursprung steht, hat sich nicht einfach zurückgezogen, denn Gott ist nicht wie wir in der Zeit, sondern mit jeder Sekunde der Weltzeit gleichzeitig und ist immer bei seiner Schöpfung. Er berührt uns ständig durch seine Werke. Das besingen Gebete vieler Religionen. Aber das ist nicht alles.


Gott berührt mich in meiner Freiheit

Dem Menschen ist etwas geschenkt, was kein anderes Lebewesen erhalten hat: Er kann über sein Leben selbst bestimmen. Er ist er selbst, weil jeder von uns über sein Leben entscheidet und damit auch die Verantwortung für das eigene Leben übernimmt. Damit das eigene Leben nicht einfach die Kopie eines bereits gelebten Lebens ist, muss es etwas Einmaliges werden. Im persönlichen Fingerabdruck und der Iris ist biologisch vorgebildet, was für mein Leben insgesamt gilt: Jedem von uns ist Einmaligkeit geschenkt.

Gott eröffnet mir nicht nur die Freiheit, selbst zu entscheiden, er eröffnet mir auch eine einmalige Lebensberufung (s. Die Freiheit verspricht Einmaligkeit). Damit meine Freiheit handlungsfähig wird, muss sie einen Überblick bekommen, um nicht nur eine Möglichkeit des Lebens zu entdecken, sondern die Vielfalt der Wirklichkeit zu entdecken. Damit ich aber etwas erkennen kann, muss es hell sein


Das Licht für den Geist

Damit der menschliche Geist überhaupt etwas erkennen kann, muss es sich ihm zeigen. Wenn die fernen Sternensysteme kein Licht aussenden würden, könnten wir sie gar nicht wahrnehmen. Das Licht ist aber nicht nur ein Bote, der von den leuchtenden Sonnen kommt, sondern ist auch Mittel des Erkennens. Wir verbinden spontan Helligkeit mit Geistigem. Denn erst das Licht macht uns Gegenstände zugänglich.

Auch der menschliche Geist braucht im übertragenen Sinn „Licht“, um etwas zu erkennen. Deshalb wird die Aufklärung, die sich bewusst auf die Kräfte des Verstandes konzentriert hat, im Englischen und Französischen „Zeitalter des Lichts“ genannt.

Woher kommt aber das Licht, wenn unsere Vernunft und damit auch unsere Freiheit ohne dieses Licht dunkel bleiben. Es muss einen größeren Geist geben, der uns am Geistigen teilhaben lässt. Das lässt sich an folgender Beobachtung ablesen:
Wir verfügen nicht einfach über Wissen, sondern wir müssen uns jedes Wissen erarbeiten. Uns liegen die Einsichten, ob in der Mathematik, in der Physik, im Zusammenleben mit anderen, nicht einfach vor Augen. Wir brauchen viel Nachdenken, um zu verstehen, was wir beobachten, was wir sehen. Ehe wir verstehen, haben wir nur einzelne Aspekte, die wir beobachtet und im Gedächtnis behalten haben. Wir verfügen zuerst nur über einzelne kleine Bausteine, die wir aber noch nicht zuordnen und damit verstehen können. Damit wir den größeren Zusammenhang, in dem die einzelnen Elemente erst ihren Sinn bekommen, erkennen, muss uns „ein Licht aufgehen“. Wir bleiben in unserem Leben aber nicht auf das Verstehen begrenzt, welches uns in der Schule, in der Ausbildung, durch das Gespräch mit klugen Menschen eröffnet wird.


Etwas Größeres berührt unser Inneres

Jedem von uns werden besondere Erfahrungen geschenkt, die wir uns nicht „machen“ können. Das unterscheidet diese Erfahrungen von dem, was wir in der Schule lernen. Hier können wir die größeren Zusammenhänge durch Lernen und Nachdenken verstehen, z.B. wie der Lichteinfall in eine Wolke das Phänomen des Regenbogens hervorbringt. Das kann ich lernen. Aber den Eindruck, den ein Sonnenuntergang am Meer auf mich macht, so dass ich nicht nur das Farbenspiel des Himmels beobachte und mein Wissen aus dem Physikunterricht aktiviere, warum der Himmel nicht grün, sondern rot wird, wenn die Sonne untergeht, dieser Eindruck beinhaltet etwas Neues:
Mir wird der Blick für die Schönheit der Welt eröffnet. Dieser Blick führt mich noch weiter. Denn wenn ich innerlich berührt bin, gerade heute, obwohl ich schon viele Sonnenuntergänge beobachtet habe, wird mir gesagt: Du kannst die Schönheit sehen. Dir persönlich ist dieser Blick geschenkt. Eine solche Erfahrung kannst Du Dir alleine nicht herstellen, sondern sie muss Dir geschenkt werden.

Ich bin dann nicht mehr nur einer, der bald ins Bett gehen muss, wenn die Sonne untergeht, weil morgen wieder viel zu tun ist, vielmehr bin ich aus diesem Alltag herausgehoben und kann einen Blick auf die Welt werfen, der der Blick Gottes sein muss. Auch für einen anderen Menschen kann mir ein solcher Blick geschenkt werden. Dann ist der andere nicht mehr nur attraktiv, anregend, ein interessanter Gesprächspartner, ein sympathischer Kollege, sondern ich erkenne seine Person, sein Wesen, wie er, wie sie das Leben sehen, wie sie auf ihre einmalige Weise die Welt erleben.
Ich kann sogar hoffen, dass dieser Mensch auch einen Blick für das Unverwechselbare an mir hat. Ich würde dann nicht mehr nur eintaxiert, ich würde nicht nur einen Platz auf der Sympathieskala des anderen bekommen, so dass der andere weiter mit mir reden, mit mir im Team zusammenarbeiten will, mich als Nachbarn behandeln wird, sondern dass er, dass sie mich so sehen, wie ich von innen her bin, mit meinem Zugang auf das Leben, mit meinen Hoffnungen und Vorstellungen und auch mit meinen Ängsten und Befürchtungen.

Und sollte Gott selbst, aus dessen Hand meine Freiheit kommt, mich nicht auch so von innen her berühren? Davon berichten viele Menschen, dass sie nicht nur durch Nachdenken auf größere Zusammenhänge gestoßen sind und sich ihr Blick auch dafür geöffnet hat, dass es Gott gibt. Diese Denkwege versuchen die Gottesbeweise (Siehe: www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/gottesbeweise.php) in einen schlüssigen Zusammenhang zu bringen.

Aber so schlüssig die Gottesbeweise auch dargestellt sein mögen, sie überzeugen uns selten richtig. Denn überzeugend ist für uns, wenn uns innen ein Licht aufgeht. Dann erkenne ich, dass ich dieses Licht nicht selbst angezündet habe. Mir wird dann auch klar, dass Gott längst auf der Suche nach mir gewesen ist. Er hat nicht gewartet, bis ich mich selbst auf den Weg mache, sondern kommt mir entgegen und berührt mich in meinem Inneren. Oft sind es andere Menschen, die diese Erfahrung des Lichts gemacht haben, die mich auf den größeren Zusammenhang aufmerksam machen, so dass ich das Licht deutlicher erkenne. Es sind Menschen, die mit mir reden, aber auch die Künstler, die Philosophen und Theologen, mit deren Werken ich mich beschäftige.

Ich kann sogar damit rechnen, dass ich Gott begegne. Es sind meist sehr leise Erfahrungen, wenn ich von innen her berührt werde. Deshalb ist es notwendig, diese Erfahrungen nicht links liegen, sondern sie tiefer in mich einsinken zu lassen. Um diese Erfahrungen zu verstehen, sind die Gottesbegegnungen von Abraham, Moses, von Maria und Paulus in der Bibel aufgeschrieben worden. Ich finde in den großen Erzählungen des Alten und Neues Testaments den Rahmen, in den ich meine Erfahrungen einbetten kann. In diesen Erzählungen konkretisiert sich die Begegnung meist in einer Stimme, die Abraham in seinem Inneren hört, Moses hört sie aus einem brennenden Dornbusch sprechen, Maria hört die Stimme des Engels, Paulus wird mit einem starken Licht überwältigt und hört auch eine Stimme “Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“


Zusammenfassung

In der westlichen Kultur gibt es wenig Gespür für die Nähe Gottes. Jeder ist von so vielen Aufgaben bestimmt, die Dinge zu regeln und voran zu treiben, so dass der größere Blick für die tieferen Zusammenhänge nur selten aufblitzt. Aber auch in der westlichen Zivilisation erfahren wir einen besonderen Blick, wenn ein anderer Mensch uns nicht nur sympathisch findet, sondern uns so versteht, wie wir sind und wie wir das Leben leben wollen. Diesen besonderen Blick auf uns hat auch Gott. Er wartet nicht ab, bis wir uns zu ihm auf den Weg machen, sondern er sucht uns, wir müssen uns nur finden und ansprechen lassen.


Weiterführung

Auch wenn Gott uns das Licht schenkt, um die Schönheit der Welt zu erkennen und uns von innen in unserer Freiheit mit Licht erleuchtet, es bleiben viele Hindernisse, damit wir uns auf diese Wirklichkeit einlassen.
Wir müssen erkennen, dass die letzte Wirklichkeit nicht Macht ist, die sich für uns heute im Geld äußert, sondern dass die letzte Wirklichkeit Beziehung ist (Siehe: Gott ist Beziehung).

Noch mehr als ein oberflächliches Verständnis der Wirklichkeit hindert uns das Böse, uns von Gott berühren zu lassen. (Siehe Kapitel: Gott und das Böse)


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