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Die größere Macht


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In manchen stillen Stunden frage ich mich, was ich von der Macht halten soll, die hinter der Welt steht. Bin ich eigentlich gewollt? Werde ich bestraft für das, was ich anderen Böses getan habe? Ist mir mein Leben überhaupt gegönnt?
Wenn ich einmal glückliche Tage habe, mir alles gelingt, beschleicht mich der Gedanke: Werde ich dafür zahlen müssen, dass es mir jetzt so gut geht? Vielleicht steht hinter allem eine Macht, die es reut, mich überhaupt ins Leben gelassen zu haben?

Solche Gedanken kommen mir besonders dann, wenn etwas misslingt. Wenn andere Menschen mich verlassen, wenn ich den Hass anderer spüre, wenn ich gemobbt werde. Es gibt so vieles, was gegen mein Leben arbeitet, angefangen von den Bakterien und Viren, bis zu denen, die mir als Konkurrenten meinen Platz streitig machen, die mir die gute Stelle vor der Nase wegschnappen, die über mich herziehen, die die Nase rümpfen, wenn ich mich zu der Gruppe stelle, in der sie das Sagen haben oder wenn ich auf einer Party auf bestimmte Menschen treffe. Dahinter spüre ich Kräfte, die nichts anderes wollen, als mir „einen Strich durch die Rechnung“ zu machen. Die Rechnung ist mein Leben, das nicht gelingen soll.


Ich fühle mich abhängig

Das Grundgefühl, einer Macht ausgeliefert zu sein, spüre ich schon als Baby. Die Macht, die über mich bestimmt, ist meine Mutter, hinzukommen die anderen Erwachsenen, die sich um mich kümmern, die aber so nachlässig sind, dass ich sie immer wieder durch Schreien zu mir her zwingen muss. Bis ich dann feststelle, dass ich zwar von meinen Eltern herstamme, diese mich aber nicht gemacht haben, so wie man von Mozart sagen kann, er hätte das Klavierkonzert in D-dur „gemacht“. Meine Eltern mussten zwar zusammenkommen, aber „gemacht“ hat mich eigentlich die Biologie.

Wer steht hinter der Biologie? Auch wenn es bloß der Zufall wäre, ich bin einer Macht ausgeliefert, die sich vor mir verbirgt. Ich bin zwar ins Leben gekommen, aber nicht sanft und mit einer guten Vorbereitung, sondern nackt, schreiend und ohne zu wissen, was das Leben bringt. Ich konnte noch nicht einmal kalkulieren, auf was ich mich da eingelassen habe.

Und das geht ein Leben lang so weiter. Ich kämpfe immer wieder mit einem unsichtbaren Gegner. Kann ich irgendwie erkennen, ob die Macht, die hinter allem steht, mein Bestes will? Das kann ich nicht. Das Leben bleibt wechselvoll. Es gibt Phasen, wo alles rund läuft und andere Zeiten, in denen ich Gegenwind in Form von Schmerzen, Entbehrungen und herben Verlusten spüre.

Es gibt Phasen, in denen ich mein Leben in der Hand habe und es so läuft, wie ich es steuere. Doch dann dreht sich der Wind abrupt. Mein Lebensschiff wird in eine Richtung getrieben, in die ich es gar nicht fahren lassen will. Dann kommt die bange Frage: Wird es doch gut gehen? Wird die Macht, die mir den Wind ins Gesicht bläst, doch mein Leben gelingen lassen? Oder soll ich bestraft und sogar vernichtet werden?


Herausbekommen, was die Macht mit mir vorhat


Wer die Macht spürt, die das eigene Leben steuert, die sich aber nicht zu erkennen gibt, versteht, dass in vielen Religionen Praktiken entwickelt wurden, den Willen der Gottheit herauszubekommen. Lose werden geworfen, aus der Hand wird gelesen, die Eingeweide von Opfertieren werden begutachtet, die Sterne befragt.

Aus dem Blickwinkel der Vernunft erscheinen diese Praktiken als kindlicher Versuch, der lebensbestimmenden Macht eine Antwort zu entlocken, die der Mensch doch nicht erzwingen kann. Ist es aus der Perspektive der Vernunft nicht angemessener, sich einfach dem Schicksal zu ergeben und den Dingen ihren Lauf zu lassen? Aber ist der Mensch nicht so angelegt, dass er wissen will, was mit seinem Leben wird?
So kindlich das Vertrauen auf Kartenlegen und die Sterne auch erscheint, dahinter steckt doch ein Einsatz für das eigene Leben – es eben nicht einfach so seinen Lauf nehmen zu lassen. Das gebietet jedem einzelnen auch die Freiheit. Sie will ja, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehme und Entscheidungen treffe. Wenn ich aber mein Leben in die Hand nehmen soll, dann muss ich auch an das Gelingen glauben, s. Sinn der Freiheit.

Meine Freiheit scheint also die Frage unausweichlich zu machen, ob die Macht hinter der Biologie, aus der ich komme, ob diese Macht das Gelingen meines Lebens will. Denn meiner Freiheit geht es ja um das Gelingen. Aber die Freiheit selbst kann das Gelingen nur wagen, sie kann es nicht garantieren. Denn meine Freiheit reicht zwar aus, für mein Leben die Richtung zu bestimmen, aber ob das Meer stürmisch ist, ob der Wind mein Lebensschiff zum Kentern bringt, ob die anderen Menschen „mitspielen“, damit mein Leben gelingt, das alles hat die Freiheit nicht in der Hand. Auf welche Welt lässt sich meine Freiheit ein? Was kann ich über die Macht erfahren, die mich hat werden lassen?


Die Macht lässt mich kreativ sein


Wenn ich die Welt anschaue, so beobachte ich ein ständiges Werden. Es wachsen nicht nur Pflanzen, Tiere und Menschenkinder, das ganze Universum ist in einer ständigen, höchst dynamischen Entwicklung.
Auch mein Leben entwickelt sich. Es ist zwar dem Diktat der Zeit unterworfen, die mir ständig Veränderungen aufzwingt. Aber mein Leben ist mehr, als die Zeit zu ertragen. Auch hier stoße ich wieder auf die Freiheit, meine persönliche Freiheit, die mir mein Leben überantwortet, um etwas daraus zu machen. Ich kann mein Leben selbst gestalten und ich bin dann auch verantwortlich für das, was ich mit meiner Lebenszeit gemacht habe.

So wird aus der Lebenszeit, die mir objektiv zur Verfügung steht, mein Leben. Weil ich etwas entwickeln, gestalten kann, muss auch die Macht hinter allem gestaltend, auf Entwicklung aus, eben kreativ sein. In jedem Frühjahr kann ich es erneut feststellen: Das Leben blüht auf, es soll sich entfalten, weil die Macht hinter allem das Leben will. Deshalb feiern wir gleich mehrere Frühlingsfeste, Ostern, den 1. Mai, Pfingsten.

Weil hinter allem eine kreative Dynamik zu ahnen ist, erkennen wir schöpferischen Menschen wie Malern oder Komponisten etwas Göttliches zu, weil sie dem Kreativen näher sind als viele andere Menschen. Durch ihre schöpferische Kraft werden sie nicht nur von etwas „Göttlichem“ inspiriert, sie kommen ihm auch durch ihr Gestalten näher.

Das gilt für jede Freiheit. Denn wenn ich der Macht, die hinter allem steht und die mich ins Dasein geworfen hat, näher kommen will, muss ich mein Leben in die Hand nehmen, meine Freiheit verwirklichen. Da meine Freiheit nur dann wirklich frei ist, wenn mein Leben mehr ist als das Leben eines anderen zu kopieren, muss mein Leben einmalig werden. Und gerade das ermöglicht mir die Macht, die mir meine Freiheit gegeben hat,  s. Einmaligkeit-Freiheit.

Ich kann davon ausgehen, dass die Macht, die mich leben lässt und die mir meine Freiheit für ein selbst verantwortetes Leben ermöglicht, mich an der Entwicklung nicht nur des menschlichen Leben, sondern des Kosmos insgesamt teilhaben lässt. Nicht zuletzt deshalb treiben die Menschen seit tausenden Jahren Astronomie.


Zusammenfassung

Die bange Frage, ob mein Leben gelingt, lässt mich fürchten, dass die Macht, die mich ins Dasein geworfen hat, wirklich mein Leben will. Diese Fragen steigen nicht nur auf, wenn mir der Wind ins Gesicht bläst, wenn ich verlassen, gemobbt werde oder eine Krankheit ertragen muss, sondern auch in glücklichen Tagen.

Dann schleicht sich die Frage in mein Inneres: Muss ich für die gute Zeit einmal zahlen? Auch wenn ich die Macht hinter allem nicht zu einer Aussage zwingen kann, weder durch Horoskop, Kartenlegen oder sonst eine Praktik, ich finde mich in einer Welt ständiger Entwicklung vor. Auch ich bin auf Entwicklung hin angelegt, denn ich selbst soll meine Freiheit gebrauchen, um mein Leben aktiv gestalten. Wenn ich meine Freiheit aufgreife, dann komme ich der Macht näher.


Weiterführung


Aber bleibt die Macht nicht doch wie hinter einem Einwegspiegel verborgen? Gott sieht alles, wird aber nicht gesehen. Ich sehe Gott nicht von Angesicht zu Angesicht und deshalb bleibt mein Wissen vorläufig.

Die große Frage, vor der gerade unsere Zeit verstummt ist, bleibt: Will Gott eine Beziehung zu uns und ermöglicht er uns Beziehung zu ihm? Nur wenn Gott Beziehung will, dann macht Beten einen Sinn. s. Gott ist Beziehung

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