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Gott, das Geheimnis


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Die Moderne interessiert sich für die Wirklichkeit

Warum wissen wir so wenig von Gott? Wir können von Gott eher etwas erahnen, als dass wir etwas von ihm wissen würden. Gott gibt uns seine Schöpfung, aber er scheint sich hinter seiner Schöpfung zu verbergen. Die Verborgenheit Gottes hat offensichtlich dazu geführt, dass sich immer weniger Menschen für Gott interessieren.

Das mangelnde Interesse der Moderne an Gott heißt jedoch nicht, dass der moderne Mensch ohne Interessen wäre. Er ist höchst interessiert. In keiner Epoche wurde soviel geforscht, wurden so viele Fachzeitschriften und Fachbücher gedruckt und verkauft. Die Moderne will den Dingen auf den Grund gehen. Sie schaut nicht nur mit Teleskop und Marssonde bis an die Grenzen des Universums, sie baut auch riesengroße Teilchenbeschleuniger, um möglichst nahe an den Urknall heranzukommen. Ziel ist, die ersten Sekunden der Entstehung des Universums nachvollziehbar zu machen. Bei allem Verlust an christlichem Glauben, das Interesse an der Schöpfung war noch nie so groß. Es bestätigt sich allerdings die Vermutung, dass die Schöpfung Gott mehr verhüllt, als dass die Erkenntnisse von Physik und Biologie uns etwas von Gott erkennen lassen.


Dass etwas ist

Manche Physiker allerdings sind durch ihr Forschen zur Erkenntnis Gottes gekommen. Sie haben durch ihr Forschen einen „Zipfel des Mantels Gottes“ in die Hand bekommen. Sie sind durch ihr Forschen zum Staunen gekommen. Ihre Sicht der Welt hat sich verändert.

Ist das auch uns möglich, die wir nicht in den Grenzbereichen der Physik forschen? Jedem von uns werden Erfahrungen geschenkt, die staunen lassen; eine Bergwiese mit Blumen, ein Sonnenuntergang, die Liebe, die mir ein Mensch schenkt. Das Staunen eröffnet mir die Welt auf eine neue Weise. Ich gehe nicht mehr auf die Welt als etwas zu, das ich in den Griff bekommen muss. Damit dieser Blick auf die Welt offen bleibt, werden der Jahresrhythmus durch die Feste und der Wochenrhythmus durch den Sonntag unterbrochen. Was die Feste im Bewusstsein halten, sind besondere Erfahrungen. Es ist in jeder Kultur das Erntedankfest.

In der christlichen Tradition ist Ostern das Fest des Lebens und der Neuschöpfung. Was uns staunen lässt, ist nicht eine andere Welt, sondern die gleiche Welt, mit der wir uns im Alltag herumschlagen müssen. Was uns in Staunen versetzt, ist nicht nur die Schönheit, sondern dass die Welt überhaupt ist. Dass etwas existiert, scheint im Alltag nicht der Rede wert. Aber es ist das eigentliche Wunder, denn alles könnte auch nicht sein – und trotzdem ist es.

Der Gedanke klingt einfach, weil er im Alltag immer mitschwingt. Der Bauer weiß, dass das Korn, das er aussät, nicht seiner Phantasie entspringt. Auch der Forscher weiß, dass es die Elementarteilchen wirklich gibt. Auch der Schüler lernt mit der Gewissheit, dass es für die Mathematikaufgabe eine gültige Lösung gibt. Das Staunen stellt das vor den menschlichen Geist, was dieser bereits wusste aber noch nicht verstanden hat.


Was aber sollen wir im Staunen verstehen?

Wir können uns die Bedeutung des Staunens an einem anderen Menschen klar machen. Ein Kind weist auf die Herkunft von seinen Eltern hin, aber die Freude an einem Kind ist nicht allein die, dass seine Mutter es geboren hat, sondern dass es da ist, lacht, weint, auf die Welt  zugeht und ahnen lässt, dass es eine eigenständige Person wird. Das hört mit dem Älterwerden nicht auf. Den Freund, die Freundin kann ich Jahrzehnte kennen, das Besondere, dass er, dass sie so ist und ich zu seinem, zu ihrem Leben gehöre, das kann ich nicht erklären, ich kann nur darüber staunen.


Was haben diese Erfahrungen aber mit Gott zu tun?

Gott ist noch mehr als ein Kind „zum Staunen“, denn er ist noch ursprünglicher als ein Kind. Er ist der Ursprung von allem. Er ist noch wirklicher als Materie. So fest uns ein Berg zu sein scheint, das Gestein wird vergehen, auch der Smaragd und der Diamant. Viel wirklicher ist Gott. Aber warum ist etwas Wirkliches zum Staunen?
Weil wir das „ist“ nicht erklären können. Wir können die Kristallstruktur eines Steins darstellen und damit sagen, was Granit oder Feldspat ist. Aber wir können nicht erklären, warum es Granit oder Schiefer gibt. Zwar kann man erdgeschichtlich erklären, wie es zur Bildung von Granit bzw. Kalkstein gekommen ist. Aber dass es den Granit gibt, das können wir nur akzeptieren.

Das erscheint uns bei Steinen nicht so bedeutsam. Beim Kind kommen wir leichter zum Staunen. Es ist da und zeigt schon eine unverwechselbare Persönlichkeit. Dieses Einmalige, das uns am anderen deutlich wird, gilt auch für das Materielle. Jeder Stein, ja jede Schneeflocke gibt es nur einmal, so wie sich unsere Einmaligkeit in unserem Fingerabdruck und unserer Iris abbildet. Wir können Vieles erklären, aber warum es ist, dass es da ist, das können wir nicht verstehen, sondern nur mit Staunen wahrnehmen.

Wir sehen über dieses grundsätzliche Staunen deshalb meist hinweg, weil uns im Alltag das Wirkliche so selbstverständlich ist. Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich selbstverständlich davon aus, dass der Tag mir gehört, obwohl das gar nicht selbstverständlich ist. Ich muss heute nicht unbedingt da sein. Die Welt ginge auch ohne mich weiter.

Noch weniger selbstverständlich ist es, dass der andere Mensch, dem ich durch Freundschaft oder Partnerschaft verbunden bin, mich noch wertschätzt, mir die Treue hält, für mich da ist, auch wenn ich schlecht dran bin. Anders Gott, er ist immer da, weil er nicht der Zeit unterworfen ist. Dass Gott einfach da ist, das können wir nicht erklären. Dass die Berge, die Pflanzen und Tiere da sind, wird erklärbar, wenn wir einen Schöpfer annehmen, aber weder Tiere noch Pflanzen erklären die Existenz Gottes, warum er existiert.

Das können wir uns durch einen Vergleich verdeutlichen: Das Auto erklärt sich durch den Menschen als seinen Konstrukteur. Aber es erklärt nicht, warum es den Menschen gibt. Die Schöpfung erklärt sich von Gott her, sie liefert jedoch keine Erklärung, warum es Gott gibt, denn für Gott gibt es kein Warum. Deshalb ist Gott das einzig unergründbare Geheimnis.


Gott ergründet sich selbst

Nun könnten wir annehmen, Gott sei einfach so da und existiere einfach so. Dann wäre er wie ein Stein, der sich nicht darüber klar werden kann, wer er ist. Dann wären nur wir Menschen da, die sich Gedanken über ihre Existenz machen. Aber das ist nicht so. Wie schon am menschlichen Geist ablesbar, ergründet auch Gott die Tiefen seiner Existenz. Der Philosoph Hegel hat das zum Thema seiner Philosophie gemacht: Der absolute Geist sucht sich selbst zu verstehen.

Paulus
hat das in seinem 1. Brief an die Korinther so ausgedrückt:

Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes. Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkennt auch keiner Gott - nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten. …. Denn wer begreift den Geist des Herrn? Wer kann ihn belehren? Wir aber haben den Geist Christi.“ Kap.2, 10-13, 16

Weil Gott ohne Warum existiert, können wir Gott nicht erklären, er ist deshalb das größte Geheimnis.


Zusammenfassung

In der Moderne untersucht der Mensch die Natur und das ganze Universum. Aus der Sicht der Bibel, die alles Vergängliche von Gott herleitet, beschäftigt sich der Forscher  mit der Schöpfung Gottes. Da Gott sich nicht einfach in der Schöpfung zeigt, sondern nur aus seinen Werken durch Nachdenken erschlossen werden kann, verstellt die intensive Beschäftigung mit der Natur eher den Blick für Gott.

Das unterscheidet unsere Epoche von früheren, denn die Menschen hatten immer Gott mit im Blick, wenn sie sich mit der Natur als Bauern, mit dem Großziehen der Kinder oder mit der Regelung gesellschaftlicher Fragen beschäftigten.

Einige Naturwissenschaftler, die durch das Staunen über die Natur neu einen Weg zu Gott gefunden haben, zeigen uns, dass in unserer Epoche eine Chance liegt, Gott als Geheimnis zu erkennen, einfach weil Gott kein „Warum“ hat. Er ist Geheimnis, weil er fraglos existiert. Da Gott seinen Heiligen Geist den Menschen geschenkt hat, können wir am inneren Leben Gottes teilhaben. Gott steht sich selbst nicht teilnahmslos gegenüber, sondern sein Geist ergründet die Tiefen der Gottheit. Im Staunen beginnt nicht nur die Philosophie, sondern im Staunen wurzelt auch das Gebet.


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