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Die Wurzeln des Bösen


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Woher kommt das Böse?

Wer gerne Krimis schaut, der erforscht jedesmal mit dem Kommissar, oder der Kommissarin, wie es zu einem Mord kommen konnte. Mittels des Fernsehens setzen wir uns mit den Wurzeln des Bösen auseinander. Offensichtlich gehört es zu unserem Menschsein, sich mit dem Bösen zu beschäftigen.
Die Religionen sind da nicht anders. Gerade in der Bibel spielt die Auseinandersetzung mit dem Bösen eine große Rolle. Bereits im 4. Kapitel des ersten Buches, die Welt ist gerade geschaffen und Adam und Eva haben ihre ersten Kinder bekommen, geht es um Mord.
Aber nicht nur in den erfundenen Geschichten des Fernsehens muss ich mich mit dem Bösen auseinandersetzen, sondern auch in meinem Umfeld. Dort gibt es üble Nachrede, Lügen, die über mich oder andere verbreitet werden, ich kann zum Mobben eines anderen verleitet oder selbst Mobbing-Opfer werden. Es überrascht daher nicht, dass das Interesse an den Ursachen des Bösen wach bleibt. 25% aller Neuproduktionen des deutschen Fernsehens sind Krimis. Hinzu kommen die Thriller und Serien, die von den USA übernommen werden.
Was sagen uns die Krimis und Thriller über die Entstehung des Bösen?

Das Böse – kommt es von außen?
Wir stoßen auf zwei unterschiedliche Erklärungsmodelle, je nachdem, ob wir einen amerikanischen oder einen deutschen Krimi anschauen. Jedesmal ist das Verbrechen eine todbringende Macht.
Im amerikanischen Krimi kommt es von außen. Die Filme zeigen immer, wie der Held das eingedrungene Böse wieder aus der Nachbarschaft, der Kleinstadt, der bedrohten Farmerfamilie herausschafft. Damit ist das Böse aber nur zurückgedrängt, es wird damit zu einer mythischen Größe, die besagt: Es gibt in sich böse Wesen, die nichts anderes vorhaben, als die Guten zu töten. Die Bösen kommen sozusagen von außen in die Welt.
So schildern es auch die Katastrophenfilme, wenn außerirdische Wesen in die friedliche amerikanische Welt eindringen. Das wären dann Mächte, die über dem Menschen stehen und von denen der Mensch abhängig ist.
Genau das war das Welt- bzw. Götterbild unserer germanischen Vorfahren. Sie haben die Welt als ständigen Kampf zwischen bösen und guten Mächten gesehen und waren der Überzeugung, dass das Böse am Ende siegen wird. Deshalb war die Botschaft von Christus, der den Tod und die Sünde überwunden hat, für die germanischen Stämme eine befreiende Botschaft. Aber im Christentum hat es trotz der Auferstehungsbotschaft ebenfalls solche Theorien gegeben, die eine böse göttliche Gegenmacht zu erkennen glaubten.
So sahen die Montanisten im Gott des Alten Testaments das Böse verkörpert. Dieser Gott sei durch den des Neuen Testaments besiegt worden. Diese Behauptung wurde als unchristlich erkannt und ihre Vertreter aus der Kirche ausgeschlossen.

Kommt das Böse vom Materiell-Körperlichen?
Noch mit einer anderen Theorie über die Entstehung des Bösen musste sich die frühe christliche Theologie in den ersten Jahrhunderten auseinandersetzen. Diese scheint sich heute wieder zu melden:
Die Vorstellung besagt, dass der Leib nur ein Gefängnis der Seele sei. Erlösung besteht dann darin, dass die Seele sich vom Körperlichen befreit. Das Böse gelangt also in den Menschen nur vom Körper her. Der Geist ist rein. Er reinigt sich vom Körperlichen durch Erkenntnis (Gnosis ist das griechische Wort für Erkennen).
Aber damit macht man die Erklärung des Bösen zu einer Art physikalisch lösbaren Problem. Eine christliche Erklärung des Bösen muss ein anderes Menschenbild zugrunde legen und setzt daher im Kern der Person an.
Eine solche Deutung wird im deutschen Krimi gegeben.

Das Böse wächst aus kleinen Anfängen
Der deutsche Krimi zeigt meistens, wie aus einer kleinen Verstrickung, z.B. Schulden auf Grund von Spielbankbesuch, organisiertem Diebstahl, einem Liebesverhältnis u.ä. ein Mord entsteht. Die Dynamik des Bösen stellt sich so dar, dass ein kleiner Fehlgriff immer mehr Konsequenzen nach sich zieht.
Der vom geraden Weg abgekommene Mensch gerät immer mehr in die Verstrickungen seiner Tat und scheint am Ende gezwungen, jemanden umzubringen, um sich aus den Fangarmen, nämlich den Folgen seiner Fehltritte, zu befreien.

Das scheint eine verhältnismäßig harmlose Erklärung des Bösen zu sein. Sie rückt uns allerdings sehr nahe auf den Leib, denn wir müssen uns überlegen, ob unsere kleinen Fehltritte nicht auch mal in einen Mord münden. Immer schön ordentlich zu bleiben, ist zwar eine gute Botschaft, die ARD und ZDF in die Lande senden, aber sie greift zu kurz, wenn Menschen gezeigt werden, die äußerst korrekt und gewissenhaft leben und trotzdem zu Mördern werden.

Wir müssen also tiefer bohren, um die Wurzeln des Bösen frei zu legen. Dazu verhilft uns die Bibel.

Die Wurzel des Bösen ist der andere
Nach der Sicht der Bibel rutscht der Mensch auch in das Verbrechen. Seine Wurzel sind aber nicht nur kleine Fehltritte, sondern die Bedrohung, die der andere darstellt. Das wird bereits auf den ersten Seiten der Bibel an dem ältesten Mordfall der Literaturgeschichte erzählt, nämlich an dem ersten Brüderpaar.

Kain und Abel geraten in die übliche Rivalität, wie sie bei der Geburt des zweiten Kindes meistens zu beobachten ist. Kain bemerkt, dass der Rauch vom Opfer Abels hochsteigt, seiner aber am Boden bleibt, so dass er den Eindruck gewinnt, Gott sehe auf das Opfer Abels mit mehr Wohlgefallen herab. „Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. Der Herr sprach zu Kain:
Warum überläuft es dich heiß, und warum senkt sich dein Blick? Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde wie ein Dämon.“ Genesis 4, 5-7

Der andere, ohne den ich gar nicht überleben kann, ohne den ich kein Kulturwesen werden könnte, ohne den ich gar nicht in der menschlichen Sprachfamilie aufwachsen könnte, kann zu meiner tiefsten Bedrohung werden.
Nicht der Fremde, so wie es das amerikanische Kino vorgibt, ist mein Feind, sondern der mir Nächste.

Das bestätigt die Kriminalistik, die erkannt hat, dass in der Regel Täter und Opfer sich gekannt haben. Die Bedrohung kommt im Tiefsten nicht daher, dass der andere mir etwas wegnehmen will, dass er mich tötet, weil er mein Hab und Gut bzw. meinen Partner, meine Partnerin will, sondern weil ich dem anderen durch meine Existenz eine Bedrohung bin.
Diese Bedrohung erlebe ich unmittelbar, sie bricht plötzlich in mir auf. Z.B. bekommen er, sie Aufmerksamkeit, die mir nicht gilt. Sie, er sehen besser aus als ich. Sie, er scheinen im Leben mehr Glück zu haben als ich. Oder ich bin abgewiesen worden. Wieviel Morde werden von verlassenen Ehepartnern und ehemals Geliebten begangen, denn unsere größte Angst und zugleich unsere größte Kränkung ist es, verlassen zu werden.

Das zeigt, dass das Aufbrechen des Bösen mit unserem Personsein unmittelbar zusammen hängt. Denn wir können nicht für uns alleine Person werden und sein, das gelingt nur in der Kommunikation mit anderen Menschen. Ohne von anderen angesprochen, ohne deren Aufmerksamkeit und Zuneigung werden wir nicht Mensch. Der Mensch ist immer schon ein Gemeinschaftswesen, er existiert von Anfang an nur im Zusammenhang mit anderen Menschen. Weil er so vom anderen Menschen abhängig ist, fühlt er sich auch am meisten vom anderen bedroht – nicht in seiner biologischen Existenz, als ginge es um den Entzug von Essen und Trinken.

Das gibt es auch als Strafe, zugrunde liegt aber der Kampf um Anerkennung, um Geliebtwerden, dass ich als Person wahrgenommen werde.
Stimmt diese Analyse aber? Ist nicht vielmehr, wie es in vielen Predigten behauptet und Krimis erzählt wird, die mangelnde Disziplin und der lockere Umgang mit den Geboten die Ursache des Bösen?

Die Freiheit ist nicht Ursache des Bösen

Obwohl die Kainsgeschichte am Beginn der Bibel steht, wird in nicht wenigen Predigten, Büchern und auch päpstlichen Dokumenten die Freiheit als die Ursache des Bösen ausgemacht, weil die Freiheit den Menschen verführen würde, die Gebote Gottes zu übertreten.

Welches Interesse sollte die Freiheit aber daran haben, die Freiheitsrechte anderer nicht zu achten, kann sie doch Freiheit nur leben, wenn andere ihre Rechte achten. Die Erklärungen greifen zu kurz, die den Menschen wegen seiner Freiheit als verführbar hinstellen. Zwar ermöglicht die Freiheit, dass wir zum Bösen verführt werden, die Verführung kommt aber nicht aus dem Drang, über die Stränge zu schlagen und die Freiheit des anderen durch die in den Geboten gezogenen Grenzen zu verletzen. Der Dämon der Sünde arbeitet subtiler.

Kain verführt er, seinen Bruder umzubringen, damit Abel ihm nicht mehr die Aufmerksamkeit bei Gott, bei den Eltern, in der Gesellschaft streitig machen kann. Deshalb kann jemand gerade dadurch zu einer maßlosen Sünde verführt werden, weil er peinlich genau auf die Gebote geachtet hat. Wenn er erkennen muss, dass der andere, der sich nicht so treu an die Vorgaben gehalten hat, mehr Glück zu haben scheint, vom Schicksal begünstigt, von Gott mehr geliebt zu erden scheint, kann seine Gesetzestreue in bitteren Hass umschlagen. Das sind dann auch die interessanteren Krimis, die die Dynamik des Bösen so erzählen.

Aber schildert die Bibel vor der Kain- und Abel-Geschichte nicht von einer Übertretung eines Gebotes, das die Stammeltern nicht beachtet haben, nämlich von einem Baum, dem Baum der Erkenntnis im Garten Eden nicht zu essen?
Die Erbschaft des Bösen

Zusammenfassung

Der Mensch stößt auf das Böse und sucht nach einer Erklärung, woher das Böse kommt. Die einfachste Erklärung ist, eine außermenschliche Macht, die den Menschen vernichten will, verantwortlich zu machen.
Noch einfacher ist die Erklärung, der Mensch werde böse, weil sein Geist durch das Körperliche verunreinigt wird.
Andere Vorstellungen suchen das Böse im Menschen, so der deutsche Krimi. Von kleinen Unregelmäßigkeiten wird der Mensch Stück für Stück in das Böse hineingezogen. Diese Erklärung macht es sich aber auch zu einfach. Ein Mord hat eine tiefere Ursache. Der andere Mensch wird deshalb als Bedrohung erlebt, weil er attraktiver, erfolgreicher erscheint, weil sogar Gott ihn mir vorzuziehen scheint.

So erklärt die Bibel das Aufbrechen des Bösen. Die Freiheit hängt zwar auch mit dem Bösen zusammen, weil der Mensch auf Grund seiner Freiheit Böses tun kann. Die Freiheit ist aber nicht seine Ursache.

Weiterführung

Dem Bösen begegnen wir, wenn ein Mensch ins Abseits gedrängt und plötzlich für das, was schief geht, verantwortlich gemacht wird: Die Dynamik des Bösen zeigt sich im Mobbing. Diese Dynamik erklärt auch den Tod Jesu. Das Böse zieht seine Spur durch die Geschichte. Erbschaft des Bösen.
Meist suche ich die Ursache für meine Misserfolge außerhalb von mir, ich bin aber selbst der Feind meiner Freiheit. Feind meiner Freiheit


Fragen für mich


Worin lagen eigentlich die Ursprünge, wenn ich schlechtes getan habe?

Würde ich sagen, dass diese außen liegen?

Dass ander Menschen oder Mächte daran schuld waren?

Oder habe ich mich selbst hinein verstrickt und musste dann die Konsequenzen tragen?


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