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Apostelgeschichte 2, 22-24, 32-33, 36-42

Als die Jünger Jesu am Pfingstfest, dem jüdischen Siebenwochenfest, endlich den Mut zur öffentlichen Verkündigung fanden, hat sich die Botschaft vom Reich Gottes sehr verändert. Jesus selbst ist Inhalt der Botschaft geworden, und zwar als der Hingerichtete und von Gott Auferweckte.

Die erste öffentliche Predigt fand am Pfingstfest statt, als die Jesusgemeinde unter Brausen die Herabkunft des Heiligen Geistes erlebt hatte. In der Predigt des Petrus heißt es:

„Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen beglaubigt hat, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst
– ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand der Gesetzlosen (der heidnischen Römer) ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
Gott aber hat ihn aus den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, daß er vom Tod festgehalten wurde.“

Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. Nachdem er durch die rechte Hand Gottes erhöht worden war und vom Vater den verheißenen Heilige Geist empfangen hatte, hat er ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.
Mit Gewißheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.

Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
Petrus antwortete: Kehrt um, und jeder lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an Gebeten.

Hat Jesus das Böse überwunden?


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Jesu Tod als Erlösung

Was wird aus einem Menschen, der einer Schlägerbande in die Hände gefallen ist und im Krankenhaus wieder aufwacht? Wie geht das Leben eines Menschen weiter, der Opfer des Unmuts der anderen geworden ist, die ihn zum Opfer gemacht und gemobbt haben? Es wird immer etwas in diesen Menschen zerstört. Das war ja auch das Ziel; nicht nur den anderen zu ärgern und ihn die Macht spüren lassen, sondern in ihm etwas zu zerbrechen.

Genau das beschreiben die Evangelien. Jesu Sterben wird nicht nur als körperliches Leiden dargestellt.  Beschrieben werden nicht nur die Hiebe, die den Körper treffen sollen, sondern die Verachtung, der Hohn, die Wut, die auf ihn herabstürzen. Als er am Kreuz hängt, wird er noch im Zusammenhang mit seiner Predigt und seinen Heilungen lächerlich gemacht:

„Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz. Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst aber kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel. Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.“ Matthäus 27,39-42

Die Kreuzesstrafe selbst ist nicht eine einfache Hinrichtung, sondern ein quälender Tod, mit dem das Opfer noch einmal erniedrigt werden soll. Hinzu kommt noch die Enttäuschung, dass seine Jünger sich aus dem Staub gemacht haben. Nur einige Frauen und der junge Johannes sind in seiner Nähe geblieben und stehen unter dem Kreuz. Es ist alles zusammengekommen, was einem Menschen angetan werden kann.
Gott müsste eigentlich dreinschlagen, aber sein Messias nimmt diese Lasten in der Form des Kreuzes, das er selbst zur Hinrichtungsstätte trägt, auf sich, um den Unmut, den Hass, den Hohn und die Feigheit von innen her aufzulösen und zu überwinden. Wie soll aber aus diesem Leiden nicht nur neues Leben kommen, sondern  auch die endgültige Überwindung von Unzufriedenheit, der Nörgelei, der Antipathien, des Hasses, der Verachtung, die sich auf dem Mobbingopfer entladen?

Jesu Auferstehung
Die Antwort ist für die Anhänger Jesu überraschend: Gott hat den Geopferten nicht da gelassen, wo seine Richter ihn haben wollten. Jesus ist nicht im Tod geblieben. Für seine Anhänger war Jesus mit seiner Mission gescheitert. Sie hatten sich ihm ja nicht zuletzt deshalb angeschlossen, weil sie in ihm den Messias erkannt hatten, der dem jüdischen Volk eine neue Zeit eröffnen würde. Dass Gott dann noch zugelassen hat, dass Heiden seinen Gesalbten umbringen konnten, zeigte ihnen, dass Gott seinen Messias hatte fallen lassen.
Für das damalige religiöse Verständnis war Jesus nicht einfach einem Justizirrtum zum Opfer gefallen, sondern als Messias gescheitert. Die Jünger waren nicht nur tief enttäuscht, sie konnten auch Gott nicht verstehen, der seinen Gesandten so kläglich untergehen ließ. Oder war Jesus vielleicht doch, wie der jüdische Hohe Rat es festgestellt hatte, ein Hochstapler, der sich als etwas ausgegeben hat, was er gar nicht war?
Für die Mitglieder des Hohen Rates war der Tod Jesu der eindeutige Beweis, dass er nicht der Messias gewesen sein konnte. Denn der Messias, wenn er wirklich von Gott gesandt war, konnte nicht so kläglich enden. Das würde Gott nicht zulassen.

Daraufhin passieren Dinge, die Petrus und die anderen nicht verstehen können. Frauen, die sowieso leichter Phantasien nachjagen, behaupten, sie seien Jesus begegnet. Petrus geht zum Grab und findet es leer. Kopfschüttelnd geht er in die Stadt zurück. Bis er dann am Abend selbst von Jesus überzeugt wird, denn dieser kommt in die Versammlung seiner Jünger.
Dass Jesus nicht im Tod geblieben ist, ist nicht in der Weise mit Händen greifbar wie man einen Menschen umarmen kann, den man für tot gehalten hat und der plötzlich vor einem steht. Nach dem Krieg hat es solche Szenen gegeben. Aber Jesus ist nicht in dieses Leben zurückgekehrt, sondern lebt in der himmlischen Existenz. Ostern wird daher in den Evangelien nicht als überwältigendes Ereignis geschildert, das die Jünger Jesu mit einem Schlag überzeugt.

Vielmehr ist es ein Herantasten an eine neue Erfahrungsebene. Es kommt immer wieder zu Begegnungen mit Jesus, die aber nur von kurzer Dauer sind, Jesus entzieht sich.
Am zweifelnden Thomas wird gezeigt, dass Jesus selbst noch einmal diesen Jünger überzeugen muss. Er war bei der Begegnung mit Jesus am Abend des Ostertags nicht dabei und stellt die Berichte der anderen in Zweifel:

„Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meine Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Bei dem Treffen eine Woche später erscheint Jesus wieder. Im Johannesevangelium wird berichtet, dass Jesus zu Thomas sagt:
„Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott. Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Kap. 20,25-29

Es ist offensichtlich Glaube notwendig, um sich von der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu überzeugen zu lassen. Das ist auch nicht anders möglich, denn die Auferstehung lässt sich nicht empirisch beweisen, weil Jesus nicht mehr wie ein von den Toten wieder ins Leben Zurückgerufener in diese Geschichte zurückgekehrt ist.
Jesus ist wirklich tot und nicht mehr Teil dieser Welt, so dass man ihn wie andere Menschen hätte fotografieren können. Auch das leere Grab ist kein Beweis, der Leichnam hätte von den Jüngern gestohlen worden sein können. Dieser Verdacht findet sich bereits in den Evangelienberichten. Bei Matthäus heißt es von den Hohenpriestern, dass sie bei Pilatus vorstellig wurden:

„Herr, es fiel uns ein, dass dieser Betrüger (Jesus) als er noch lebte,  behauptet hat: Ich werde nach drei Tagen auferstehen. Gib also den Befehl, dass das Grab bis zum dritten Tag sicher bewacht wird. Sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor. Pilatus antwortete ihnen: Ihr sollt die Wache haben.“ Kap. 27,63-65


Sich an Neues herantasten
Worum es geht, können wir uns an der Mauer verdeutlichen, die Berlin bis zum 9. November 1989 getrennt hat. Diese Mauer war eine physikalisch messbare Größe, die noch dadurch bewehrt wurde, dass auf Menschen, die über die Mauer klettern wollten, geschossen wurde.
Auf einmal war die Mauer nicht mehr Mauer, obwohl sie nach wie vor stand. Ein einziger Satz in einer Nachrichtensendung, dass die Bürger der DDR ohne Kontrolle durch die Mauer gehen konnten, führte in der Nacht zu einem Menschenzug aus Ostberlin in den westlichen Teil der Stadt. Kein Grenzbeamter hat mehr geschossen, die Menschen hatten auch keine Angst mehr. Was sich geändert hatte, war nicht die physische Wirklichkeit der Mauer, sondern eine geistige Wirklichkeit. In der Nacht war die Teilung Deutschlands überwunden. Diese neue Realität war da, aber die Menschen mussten sich erst an sie herantasten.

Für nicht wenige ehemalige Bürger der DDR ist die neue Wirklichkeit immer noch fremd. Sie wollen die alten Verhältnisse wieder herstellen. Im Westen gibt es nicht wenige, die die Konsequenzen der neuen deutschen Wirklichkeit nicht mittragen wollen. Ihnen ist die Wiedervereinigung zu teuer.
Das Ende der Teilung ist Realität, aber das neue Deutschland wächst immer noch, weil ein großer Teil der Deutschen noch nicht in der neuen Wirklichkeit lebt.

Der Vergleichspunkt mit der Auferstehung Jesu besteht in einer neuen geistigen Realität, in die die Menschen erst langsam hineinkommen müssen. Das geht nicht durch Zwang und kann auch nicht dadurch zwingend einsichtig gemacht werden, dass an äußeren Gegebenheiten eindeutig gezeigt werden könnte, dass etwas Neues da ist. Äußerlich kann man die Realität eines Hochwassers an den Schäden zeigen, die auch dann noch da sind, wenn das Wasser längst abgeflossen ist.

Dieser Vergleich trifft eher für die Kreuzigung zu. Das Neue der Auferstehung kann mit der Hilfsbereitschaft der Freiwilligen verglichen werden, die den Betroffenen helfen, indem sie die Kellerräume säubern, aufräumen, die Zimmer neu anstreichen und dann auch bessere Deiche bauen helfen. Diese Helfer schaffen eine neue Realität.
Ähnlich ist Auferstehung nicht eine Realität, die einfach auf der Hand liegt, sondern sie ist eine nur geistig fassbare Wirklichkeit, in die die Menschen hineinwachsen sollen. Glaube, Hoffnung und Liebe sind die inneren Haltungen, mit denen der Mensch aus der bisher gelebten in die neue Realität gelangt.
Wie die Jünger Jesu muss jeder, der sich Jesus annähert, schrittweise zum Glauben an die Auferstehung kommen. Alle, die unschuldig verurteilt wurden, sind rehabilitiert.

Im Nachdenken über die neue Gegenwärtigkeit Jesu wird auch deutlich, dass Gott nicht nur seinen Messias, sondern jeden ungerecht Verurteilten nicht da lassen kann, wohin die Menschen ihn verstoßen haben. Er muss einschreiten und dem, der getötet wurde, ein neues Leben schenken.
Weil der Messias die Ausgrenzung von unsympathisch Gewordenen, die Verachtung, den Hohn derjenigen erlebt hat, die glaubten, sich durch die Vernichtung des Sündenbocks selbst befreien zu können, hat er aus dieser Mobbing- und Sündenbock - Dynamik einen Ausweg eröffnet.

Wenn der Sohn Gottes das erlitten hat, dann ist der Wiederholungszwang aufgelöst. Wer sich von dieser tödlichen Dynamik befreien will, kann Jesus nachfolgen und wie er zu mehr Frieden beitragen. Was an Weihnachten von dem neugeborenen Messias verkündet wurde, „Friede auf Erden“, das löst dieser Messias mit seinem Kreuzweg ein. Er eröffnet einen Weg zum Frieden, der die am schwersten zu überwindenden Mechanismen des Bösen von innen her auflöst:  Neid, Eifersucht, den eigenen Unmut und die eigenen Enttäuschungen auf einen Sündenbock abladen in der fälschlichen Hoffnung, die Vernichtung des Sündenbocks würde die eigene innere Befreiung herbeiführen.


Zusammenfassung
Für die Jünger Jesu war sein Tod auch das Ende seiner Mission.
Der, den sie als Messias gesehen hatten, musste von Gott verlassen worden sein, da Heiden ihn hinrichten konnten.

Dass Jesus nicht im Tod geblieben war, konnten die Männer unter seinen Anhängern nur schwer verstehen, so dass die ersten, die dem auferstandenen Jesus begegneten, Frauen waren. Jesus ist nicht in die Geschichte zurückgekehrt, sondern hat eine himmlische Existenz, zu der auch sein Leib gehört. Mit der Auferweckung Jesu sind auch alle ungerecht Verurteilten rehabilitiert.

Weiterführung
Die Jünger Jesu hatten zwar Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus, sie bleiben aber ängstlich und fanden zu keiner Predigt. Erst die Ausgießung des Geistes Gottes am Pfingstfest lässt sie tiefer erkennen, dass Jesus gerade wegen seines Kreuzweges der von Gott gesandte Messias ist. Erst durch den Geist werden sie befähigt, Christuszeugen, Christen zu sein.