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In diesen ersten Zeilen des Buches der Weisheit ist auch davon die Rede, worin ein rechtes und ein falsches Verhalten und Verhältnis zu Gott und zueinander besteht. Insofern hat es auch mit unserem Thema zu tun und den Kriterien für das rechte Beten.

Weisheit1,1 Liebt Gerechtigkeit, ihr Herrscher der Erde, / denkt in Frömmigkeit an den Herrn, /sucht ihn mit reinem Herzen!

2 Denn er lässt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, / und zeigt sich denen, die ihm nicht misstrauen.

3 Verkehrte Gedanken trennen von Gott; /wird seine Macht herausgefordert, /dann weist sie die Toren zurück.

4 In eine Seele, die auf Böses sinnt, /kehrt die Weisheit nicht ein, / noch lohnt sie in einem Leib, /der sich der Sünde hingibt.

5 Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, / er entfernt sich von unverständigen Gedanken /und wird verscheucht, wenn Unrecht naht.

6 Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, /doch lässt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; / denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, /untrüglich durchschaut er sein Herz / und hört seine Worte.

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Wie ich meinen Glauben verlor…

Roda Roda ist ein österreichischer Schriftsteller (1872-1945), der sehr humorvolle Geschichten geschrieben hat über die Zeit der österreichischen Monarchie. Eine davon heißt „Wie ich meinen Glauben verlor“. Ich erzähle sie hier aus dem Gedächtnis nach.

Ein frommer junger Mann liegt am Sonntagmorgen in seinem Bett. So um diese Jahreszeit. Morgens um 6.00 Uhr, dunkel und kalt. Er wollte in die Kirche gehen, aber es ist doch so schön warm im Bett. Das Zimmer kalt und ungeheizt und riesengroß. Steinfußboden. Brrr. Die Filzpantoffeln am anderen Ende des Zimmers. Furchtbar. Die Hauswirtschafterin ist in die Frühmesse gegangen. Er beginnt zu beten: „Lieber Gott, Du bist groß und allmächtig. Du kannst alles. Ich bitte Dich um einen ganz, ganz kleinen Gefallen. Kannst Du mir nicht meine Filzpantoffeln ans Bett bringen, damit ich aufstehen und dich lobpreisen kann? Das ist doch wirklich nur eine ganz kleine Sache. Was ist das schon für Dich, der Du Monde und Sterne lenkst?“

Er betet und betet. Nichts passiert. Er versucht inniger zu beten. Eine Stunde ist vorüber. Er betet weiter, ob ihm Gott nicht doch den ganz, ganz kleinen Gefallen tun wird. Das Gebet steigert sich in Heftigkeit. Der junge Mann ist zunehmend enttäuscht. Die zweite Stunde geht jetzt schon zu Ende. Es geschieht nichts. Als die Hauswirtin aus der Frühmesse zurück ist, schickt er sie, ihm Haeckels „Welträtsel“ (erschienen 1899) zu besorgen. Das war damals die große Atheistenbibel, der heute vielleicht Richard Dawkins Buch „Der Gotteswahn“ entspricht. Er hatte seinen Glauben verloren.

Was meinen Sie? Hat er mit Recht seinen Glauben verloren? Sie lachen. Warum? Warum genau ist das lächerlich? Lesen Sie jetzt nicht weiter, sondern versuchen Sie mal selbst mit eigenen Worten zu sagen, was da alles „unmöglich“ ist.

Ja, natürlich, die Bitte selbst ist lächerlich. Um so etwas würden Sie nie beten. Warum nicht? Man darf doch Gott um alles bitten oder etwa nicht? „Bittet um alles, was ihr wollt, ihr werdet es erhalten“ (Joh 15,7). So heißt es doch. Oder nicht? Wieso darf ich dann nicht um so einen kleinen Gefallen bitten? Für Gottes Allmacht ist das doch wirklich eine Winzigkeit. Dennoch passt es nicht. Warum?

Ja, genau! Er hätte selbst aufstehen können, um die Filzpantoffeln zu holen. Also das erste, was wir festhalten können, ist: Gott wird uns nichts abnehmen, was wir selbst tun können, auch wenn wir kalte Füße bekommen. Ja, er erwartet, dass wir von unseren Fähigkeiten Gebrauch machen. Er will sogar, dass wir etwas wagen. Dass wir mutig sind und nicht feige und zurückhaltend. Denken Sie an das berühmte Gleichnis von den Talenten. Der, der seine Talente vergräbt und sie nicht erprobt und aufs Spiel setzt, wird dafür bestraft (Mt 25,14-30).

Für mich war eine Lehre in dieser Hinsicht, dass zum Beispiel Gott unsere Konflikte nicht löst, die wir selber lösen können. Wie heftig habe ich schon gebetet: „Gib doch, dass sich dieser Konflikt zwischen uns beiden löst und verschwindet!“ Nichts passierte - aber Gott schenkte mir die Einsicht, dass er nichts tut, was wir selbst können und auch müssen. Er kann uns die Vergebung und Versöhnung gar nicht abnehmen. Freilich dürfen und müssen wir beten, dass wir die Konflikte in Seinem Geiste angehen und zu lösen versuchen. Aber er nimmt mir nicht ab, auf den anderen zuzugehen und das Meine zu tun. Ich kann beten, so viel ich will, wenn ich meinen Anteil nicht übernehme, wird nichts passieren.

Es gibt aber noch einen anderen wichtigen Grund, warum die Geschichte so lächerlich ist. Es stimmt etwas nicht mit der Beziehung des jungen Mannes zu Gott. Denn er stellt die Beziehung zu Gott auf den Kopf. Gott soll ihn bedienen. Nicht er will Diener Gottes sein. Wenn ich alt genug und gesund und nicht gar zu dick bin, dann muss ich meine Schuhbänder wohl oder übel selbst zubinden. Da ist es eine Unverschämtheit und Frechheit, eine Verletzung der Menschenwürde, wenn es jemand anderes für mich tun soll. Das trifft genauso auf meine Bitten Gott gegenüber zu. Also als zweites gilt: Jedes Bittgebet hat es auch mit meiner Gottesbeziehung zu tun. Ja, es zeigt, wie unsere Beziehung ist. Das ist anfangs oft noch sehr unreif und vielleicht sogar kindlich. Es sollte aber erwachsen werden und Gottes würdig sein. Und nicht das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen auf den Kopf stellen und Gott zu unserem Diener machen.

Und damit sind wir beim dritten Punkt, warum die Geschichte lächerlich ist. Wir können und dürfen Gott nicht zwingen. So wie Gott unsere Freiheit achtet und ernst nimmt, so müssen auch wir Gottes Freiheit achten. Er MUSS unsere Bitten nicht erfüllen. Er ist frei und bleibt frei. So wie wir ja oft und oft Gottes Bitten an uns nicht erhören. Wie sagt Paulus so schön: „Wir bitten an Gottes Statt, lasst euch mit Gott versöhnen“ (2 Kor 5,20). Und wir wollen lieber unversöhnt und bitter und beleidigt bleiben. Oder wie oft habe ich schon gespürt, Gott ruft mich, aber ich warte und warte und bleibe in meinem Bett liegen. Gott zwingt uns nicht. Wenn wir versuchen Gott zu zwingen, dann betreiben wir Magie. Mit Magie versucht man Gott (oder irgendwelche Geister) zu etwas zu zwingen. Und dann gebrauchen wir Gott zu unseren eigenen Zwecken wie ein Ding oder wie eine Maschine.

So viel für heute. Natürlich habe ich jetzt erst einmal nur die Grenzen zum falschen Bittgebet gezeigt und es sind immer noch viele Fragen offen. Aber es lohnt, über diese drei Missverständnisse und Missverhältnisse nachzudenken, denn sie lösen etliche unserer Probleme mit dem Bittgebet.

Also bitte verlieren Sie Ihren Glauben nicht! Und lesen Sie statt Dawkins lieber das fröhliche Buch von P. Reinhard Körner „Jesus für Kleinbauern“.

09.11.2011

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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