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Gott ist ganz leise. Das sagt uns auch die Bibel in der Geschichte von Elija, der vor der Rache des Königs Achas und seiner Frau Isebel flieht und ganz verzagt ist. Gott macht ihm Mut, gibt ihm Kraft und zeigt sich ihm im ganz zarten, leisen, stillen Säuseln. Gottes Macht und Kraft liegt in dieser Stille.

Und wir sollten vielleicht auch dem Wort von Markus nachlauschen, in der sich die göttliche Kraft Jesu darin zeigt, dass er völlige Stille herstellt.

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1 Könige 19,3 Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.

4 Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.

5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!

6 Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.

7 Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.

8 Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

9 Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija?

10 Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.

11 Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.

12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

Mk 4,39 Da stand Jesus auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.

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Still werden

Normalerweise nehme ich auf Reisen einen kleinen Radiowecker mit. Ich wache auf mit Musik und Nachrichten. Mit Nachrichten und katholischem oder evangelischem Zuspruch.

Schön. Jetzt bin ich mal wieder geflogen und wollte nur Handgepäck mitnehmen. Der kleine, geliebte Radiowecker blieb zu Hause. Wegen seiner Funkuhr funktioniert er nicht im Ausland. Mein Handy musste den Wecker spielen. Ganz ohne Musik und Gerede, nur Klingelton und sonst nichts.

Erst mal vermisse ich mein Radio. Dann merke ich, ach, das ist ja ganz angenehm. Es beginnt der Tag mit Ruhe und Stille – außer dem Klingelton. Schön. Sehr schön. Warum nicht immer? Schaff doch das kleine Schreigewächs von Radio ab! Still werden – wie leicht! Wie schwer! Ich werde es wohl tun. Noch habe ich es nicht getan. Wie viele sehnen sich nach Stille und schaffen es nicht, all die kleinen Unterhalter und Schwätzer und Musikanten mal abzuschalten.

Also still werden. Still werden ist noch lange nicht schweigen. Still werden ist erst mal nur das äußere Gelärme einschränken. Schweigen heißt dann auch innerlich still werden. Die vielen inneren Stimmen, Gedanken, Impulse, Gefühle und Sehnsüchte zur Ruhe zu bringen. Sie vorbei ziehen zu lassen. Sich nicht auf sie einlassen. Und dann schweigen. Und dann nicht einschlafen, sondern wach und aufgerichtet da sein. Ganz da sein. Schweigend.

Schweigen, bis ich Dein Schweigen höre – mein Gott. Dieses Schweigen, das für mich voller Fragen ist, wie wir sie im Impuls „Schweigen“ angeschaut haben. Und dann weiter schweigen. So lange schweigen, bis Dein Schweigen aufhört nur stumm und leer und bedrohlich und vieldeutig zu sein. Bis Dein Schweigen zu mir spricht, indem es auf mich übergeht. Bis ich nun wirklich schweige. Bis wir gemeinsam schweigen.

Lange schweigen.

Lange schweigen.

Und dann erfahren, dass in dem Schweigen Frieden ist. Tiefer Friede. So wie am Grunde des Meeres, wo keine Wellen mehr hinreichen. Wo Frieden wohnt. Und auf mich übergeht. Nicht nur in der Seele bleibt, im Seelenfünklein, wie es die Mystiker nennen, sondern von da meine ganze Person mit Fleisch und Bein, mit Haut und Haar ergreift. Schweigender Friede. Friedvolles Schweigen.

Und weiter schweigen. Schweigen, bis ich am Grunde des Friedens die Liebe entdecke. Die Liebe, die alles trägt und umfängt. Die alles duldet und aufnimmt. Die Liebe – tiefer als Leid und Schmerz und Tod und Schuld. Die Liebe, die auch mich trägt und umfängt. Die schweigende Liebe. Und das liebende Schweigen. Dieses liebende Schweigen, das mich heilt. Langsam, ganz langsam schließt sich die Wunde. Langsam lässt der Schmerz nach und vergeht. Die Liebe verströmt ihre Wärme. Sie hüllt mich ein. Schweigende Liebe. Liebendes Schweigen.

Und noch weiter schweigen. Schweigen, bis dieses heilende und liebende Schweigen zur Befreiung wird. Schweigen, bis das Schweigen mich frei setzt. Schweigen, bis ich Deine Freiheit spüre und spüre, wie Dein Schweigen mir Freiheit schenkt. Ich kann die Flügel ausbreiten und fliegen.

O Sehnsucht nach diesem Schweigen!

Still werden bis zum Schweigen.
Schweigen bis ich Dein Schweigen höre.
Schweigen, bis Dein Schweigen aufhört, stumm zu sein.
Schweigen, bis ich in Deinem Schweigen den Frieden empfange.
Schweigen, bis ich erfahre, dass Dein Schweigen die Liebe birgt.
Schweigen, bis Dein Schweigen in mir die Freiheit gebiert.

Haben Sie auch Sehsucht nach diesem Schweigen? Tauchen Sie ein – langsam und langsam tiefer. Es wird dauern. Lange. Aber Sie werden es erfahren! Oder haben Sie es schon erfahren?

19.10.2011

Ich wünsche es Ihnen

Thomas Gertler SJ

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