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Versuchen Sie diesen inneren Weg zu gehen, den so viele Psalmen gehen: Vom Schrei der Klage und des Protestes hin zum Schweigen und zum Frieden, ja zur Hoffnung, zur Versöhnung und zum Ausblick auf Gottes Hilfe. Im Psalm 22, den Jesus am Kreuz gebetet hat, kommt dieser Umschwung hin zur Hoffnung in Vers 23.

Ps 22,2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, /
bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?

3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; /
ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.

7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, /
der Leute Spott, vom Volk verachtet.

8 Alle, die mich sehen, verlachen mich, /
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:

9 «Er wälze die Last auf den Herrn, /
der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, /
wenn er an ihm Gefallen hat.»

10 Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, /
mich barg an der Brust der Mutter.

11 Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, /
vom Mutterleib an bist du mein Gott.

12 Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe /
und niemand ist da, der hilft.

13 Viele Stiere umgeben mich, /
Büffel von Baschan umringen mich.

14 Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, /
reißende, brüllende Löwen.

15 Ich bin hingeschüttet wie Wasser, /
gelöst haben sich all meine Glieder. /
Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

16 Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, /
die Zunge klebt mir am Gaumen, /
du legst mich in den Staub des Todes.

17 Viele Hunde umlagern mich, /
eine Rotte von Bösen umkreist mich. /
Sie durchbohren mir Hände und Füße.

18 Man kann all meine Knochen zählen; /
sie gaffen und weiden sich an mir.

19 Sie verteilen unter sich meine Kleider /
und werfen das Los um mein Gewand.

20 Du aber, Herr, halte dich nicht fern! /
Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!

21 Entreiße mein Leben dem Schwert, /
mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!

22 Rette mich vor dem Rachen des Löwen, /
vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!

23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, /
inmitten der Gemeinde dich preisen.

24 Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, /
ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; /
erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!

25 Denn er hat nicht verachtet, /
nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; /
er hat auf sein Schreien gehört.

26 Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; /
ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.

27 Die Armen sollen essen und sich sättigen; /
den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. /
Aufleben soll euer Herz für immer.

28 Alle Enden der Erde sollen daran denken /
und werden umkehren zum Herrn: /
Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.

29 Denn der Herr regiert als König; /
er herrscht über die Völker.

30 Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde, /
vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. [Meine Seele, sie lebt für ihn; /

31 mein Stamm wird ihm dienen.] Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, /

32 seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; /
denn er hat das Werk getan.

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Schweigen

Kann einen nicht angesichts der Welt und all ihres Irrsinns und Unsinns eine große Wut packen? Müsste ich nicht schreien und brüllen: Wann wacht ihr endlich auf? Wann lasst ihr endlich all diesen Wahnsinn von Krieg und Hass und Kampf, von Ausbeutung und Ungerechtigkeit, von Gier und Bosheit? Wann wacht Gott endlich auf und greift ein? Wann wendet sich endlich die Welt? Aber ich schreie nicht. Ich bleibe stumm. Und Gott bricht sein Schweigen nicht.

Gott bleibt stumm.

Alles läuft immer so weiter. Ja, es wird eher immer noch schlimmer. Und es scheint alles auf den Untergang hin zu laufen. Nichts geschieht! Oder das, was geschieht ist immer zu wenig. Es reicht einfach nicht aus, um das Unheil abzuwenden. Immer nur Tropfen auf einen riesigen glühend heißen Stein. Der Tropfen ist verdunstet, ehe er den Stein erreicht. Als wäre da gar nichts gewesen. Kein Tropfen. Kein Schrei. Gottes Worte verdunsten.

Gott ist stumm.

Wie geht es Ihnen damit? Wie halten Sie dieses Stummsein Gottes aus? Sein Schweigen? Haben Sie dann nicht auch manchmal das Gefühl, da ist kein Gott. Da ist nur Stummheit. Leere. Ein lautloses, leeres Weltall. Ab und zu ein toter Stern. Und sonst Leere. Das Nichts. Ist das nicht bedrohlich? Für mich ist es bedrohlich. Verliert nicht alles seinen Sinn? Verliert nicht alles seinen Grund? Wird es nicht kalt? Packt mich nicht die nackte Angst? Verliere ich nicht den Halt? Falle ich nicht? Dieses Verstummtsein Gottes – ist es nicht Zeichen seines Todes?

Ist Gott endgültig verstummt?

Der berühmteste Film von Ingmar Bergmann heißt „Das Schweigen“. Er heißt nicht „Das Schweigen Gottes“. Er wurde aber – vor allem in Deutschland – so gedeutet. Dieses Schweigen in dem Film sei letztlich das Schweigen Gottes. Und weil Gott verstummt, darum verstehen auch die Menschen einander nicht, können sie sich nicht verständigen. Dieses Schweigen wurde als etwas für unsere Zeit Typisches verstanden. Schweigen Gottes und Verstummen der Menschen und Zerbrechen menschlicher Beziehungen. Nur Kälte, Ferne, Gewalt und Verstummen. Die Liebe gefriert zur lautlosen Triebbefriedigung.

Gott schweigt.

Spüren Sie einen Unterschied zwischen den beiden Sätzen: „Gott bleibt stumm“ und „Gott schweigt“? „Gott ist stumm“ ist für mich viel schlimmer als „Gott schweigt“. Das erste heißt für mich, Gott ist gleichgültig. Gott ist wie ein selbstgemachter Götze aus Stein. Er kann gar nichts empfinden. Er kann gar nicht reden. Oder er ist so fern. Unberührt und unberührbar. Eben die Erfahrung einer sinnlosen und kalten Welt, die mir nichts mehr sagt. Die verstummt ist. Das Ganze nur noch ein lautloser Schrei des Entsetzens.

Stummer Schrei.

Der Satz „Gott schweigt“ ist nicht so eindeutig negativ. Das Schweigen Gottes ist offener. Schweigen ist mehrdeutig. Schweigen muss nicht negativ sein. Schweigen kann hilfreich sein, ja, wohltuend. Schweigen ist nicht Stummsein. Schweigen ist mehr. Gott schweigt. Das kann auch bedeuten, dass von diesem Schweigen nicht Kälte und Gleichgültigkeit ausgehen. Es kann auch heißen, dass dieses Schweigen Geduld bedeutet. Es kann ein Schweigen sein, das nicht fern ist, sondern schweigendes Dasein ist. Ja, schweigendes Dabeisein. Wie das schweigende Begleiten von Trauernden. Schweigendes Mitgehen. Schweigen, das mir selbst Ruhe bringt und mich selbst ins Schweigen kommen lässt. Nicht ins verhärtete Verstummen, sondern in ein heilendes Schweigen.

Gott schweigt.

Versuchen Sie einmal bei sich selbst diesen inneren Wandel sich vollziehen zu lassen, indem Sie aus dem stummen Schrei ins Stillsein hinübergehen. Und so lange still sind und in der Stille verharren bis die Stummheit Gottes zum Schweigen wird. Zu meinem Schweigen und zu Seinem Schweigen. Und bis das Schweigen nicht mehr bedrohlich und nicht mehr stumm ist, sondern den Frieden in sich birgt. Versuchen Sie einmal vom Stillsein in ein solches Schweigen hinein zu gelangen. Es ist möglich.

05.10.2011

Thomas Gertler SJ

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