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Im ersten Buch Samuel wird das Schicksal der Hanna geschildert. Sie wird verspottet, weil sie kinderlos ist. Gott schenkt ihr Samuel, der ein großer Prophet wird. Darauf singt sie voll Dank dieses Lied. Es ist das Vorbild für das Magnifikat, das Maria singt (vgl. Lk 2). Die Königin der Enten hat ein schweres Schicksal, aber sie weiß darin noch Sinn zu entdecken und zu verwirklichen. Und sie findet darin ihre Freude, so viele Mäuler zu stopfen und so viele „Kinder“ zu haben. Es gibt Wandlung und es gibt immer auch den Lichtstrahl im Dunkel zu entdecken.

1 Sam 2,1 Hanna betete. Sie sagte: Mein Herz ist voll Freude über den Herrn, / große Kraft gibt mir der Herr. / Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde; / denn ich freue mich über deine Hilfe.

2 Niemand ist heilig, nur der Herr; / denn außer dir gibt es keinen (Gott); / keiner ist ein Fels wie unser Gott.

3 Redet nicht immer so vermessen, / kein freches Wort komme aus eurem Mund; / denn der Herr ist ein wissender Gott / und bei ihm werden die Taten geprüft.

4 Der Bogen der Helden wird zerbrochen, / die Wankenden aber gürten sich mit Kraft.

5 Die Satten verdingen sich um Brot, / doch die Hungrigen können feiern für immer. / Die Unfruchtbare bekommt sieben Kinder, / doch die Kinderreiche welkt dahin.

6 Der Herr macht tot und lebendig, / er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf.

7 Der Herr macht arm und macht reich, / er erniedrigt und er erhöht.

8 Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub / und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt; / er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, / einen Ehrenplatz weist er ihm zu. / Ja, dem Herrn gehören die Pfeiler der Erde; / auf sie hat er den Erdkreis gegründet.

9 Er behütet die Schritte seiner Frommen, / doch die Frevler verstummen in der Finsternis; / denn der Mensch ist nicht stark aus eigener Kraft.

10 Wer gegen den Herrn streitet, wird zerbrechen, / der Höchste lässt es donnern am Himmel. / Der Herr hält Gericht bis an die Grenzen der Erde. / Seinem König gebe er Kraft / und erhöhe die Macht seines Gesalbten.

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Die Königin der Enten

Wenn ich mit dem Rad am Hannoveraner Maschsee entlanggefahren bin, um zu meinem geliebten Dreiecksteich zu kommen, kam ich immer an einem langen Bootssteg vorüber. Darauf lagen bei Sonne Leute und ließen sich bräunen. Und manchmal auch nur Enten (siehe Bild). Am Ende des Stegs standen zwei große blaue Taschen. Sie gehörten einer Frau, die dort war, auch wenn die Sonne nicht schien. Ja, sie hielt sich anscheinend Tag und Nacht an dieser Stelle des Bootsstegs auf. Ich habe sie für mich „Königin der Enten“ genannt. Denn sie fütterte täglich die Enten, Schwäne, Haubentaucher und anderes Wassergeflügel des Maschsees. Und alle kamen tatsächlich in hellen Scharen zu ihrer Königin. Hundert und mehr, glaube ich.

Es war eindrucksvoll, wie da so viele Vögel zu ihr kamen, und wie sie mit vollen Händen Weißbrot unter sie warf. Jede Menge. Und ich habe mich gefragt, woher sie wohl alle diese Brotreste bekommt. Das muss eine echte Arbeit sein, diese Menge täglich zu besorgen und in essbare Brocken zurecht zu schneiden. Und wie alle die Tiere in weitem Rund das Futter fraßen! In dem Moment war sie für mich wirklich die Königin der Enten.

Es wäre interessant zu wissen, wie viele der Tiere sie schon auseinander halten konnte. Wie viele sie gewissermaßen persönlich kannte. Sicherlich gab es etliche. Wenn man so etwas täglich tut, dann entsteht so eine Kenntnis der einzelnen Tiere. Man weiß dann: die ist immer als erste da. Dieser Erpel erkämpft mit Sicherheit das dickste Stück. Die Kleine – eigentlich die liebste – wird immer weggeschubst. Die kriegt darum extra was.

Freilich war ich zu feige, zu ihr zu gehen und all das von ihr zu erfragen. Ob ein paar schon Namen von ihr bekommen haben. Und wie lange sie das tut und wo sie das Brot herbekommt. Und welche Ente tatsächlich ihre liebste ist. Einmal sah ich eine andere junge Frau neben ihr sitzen, die sich mit ihr unterhielt und sich bei der Fütterung beteiligte. Warum ich nicht? Ich habe Abstand gehalten. Schade.

Aber was mir daran wieder klar geworden ist: Jeder Mensch will – egal in welcher Lebenssituation er lebt – etwas Sinnvolles tun. Jeder Mensch möchte möglichst auch etwas Einmaliges tun, was so nur er macht und tut und kann. Jeder Mensch möchte gebraucht werden. Jeder Mensch möchte geliebt und geachtet werden. Jeder Mensch möchte beachtet werden und angesehen werden. Jeder Mensch braucht einen Platz. Einen Ort, wo er hingehört. Ja, so ist es. Und wenn es auch nur oder vor allem die Enten am Maschsee sind. Für mich ist bewundernswert, wie diese Frau sich das gesucht und wie sie es gefunden hat.

Wie ist es denn bei mir? Mir geht es genauso. Ich möchte Sinnvolles tun. Klar. Und – Gott sei Dank! – das kann ich und darf ich und es macht mich von Herzen froh. Und wie ist das denn bei Ihnen? Was erleben und was leben Sie? Mehr Sinn oder mehr Sinnlosigkeit? Ich möchte geliebt und geachtet werden. O, das fällt mir schon schwerer, das so zu schreiben und mich zu diesem Bedürfnis, das „jede/r“ hat zu bekennen. Gern tu ich so, als sei ich da bedürfnislos – denn es ruft ja allerlei Fragen hervor und schon sind wir dann wieder beim Zölibat und so weiter. Aber was hat so schön einmal Pater Pedro Arrupe, unser heiligmäßiger Ordensoberer, gesagt: „Kein Mensch kann ohne Liebe leben.“ Ja, das kann ich so auch von mir sagen. Dazu stehe ich. Und ich bekomme sie geschenkt in so vielfältiger und mich oft beschämender Weise – Gott sei Dank und Dank all den Schenkenden! Und Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Wie ist das mit der Liebe und der Achtung in Ihrem Leben? Und was der Ort, wo Sie Zuhause sind? Bei mir ist es jetzt eine kleine Wohnung in Augsburg. Und ich bin zufrieden dort. Ja, ich freue mich, wenn ich nach Hause komme. Und wie gern komme auch in unser Sekretariat in der Sterngasse.

Ich will das jetzt nicht noch alles im Einzelnen weiterführen. Sie wissen schon selbst, worum es geht. Wichtig ist, dass Sie diese Fragen für Ihr Leben ernst nehmen. Davon hängt Ihr Glück ab. Davon hängt ab, ob es Ihnen gut geht. Und dass es Ihnen gut geht ist wichtig. Wieso? Wenn es Ihnen gut geht, geht es der ganzen Welt besser! Wenn es Ihnen gut geht, geht es allen Menschen besser, mit denen Sie zusammen leben. Wenn es Ihnen gut geht, können Sie leichter selbst Gutes tun. Wenn es Ihnen gut geht, dann ist an einer Stelle die Welt heller und sinnvoller und besser. Darum dürfen wir das wichtig nehmen. Darum sollen Sie das wichtig nehmen.

Also, dass Sie wie die Königin der Enten Ihren Weg finden hin zum Sinn, zur Liebe, zur Freude, zum Guten, das wünsche ich Ihnen. Oder einfach, dass es Ihnen gut geht!

14.09.2011

Thomas Gertler SJ

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