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Das Auge im Dreieck steht für die göttliche Vorsehung und seinen Blick auf uns

© Foto: Thomas Springer
via WikiMedia Commons

Psalm 139,1 - 24

139,1 Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. /
2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. / Von fern erkennst du meine Gedanken.
3 Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; / du bist vertraut mit all meinen Wegen.
4 Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - / du, Herr, kennst es bereits.
5 Du umschließt mich von allen Seiten / und legst deine Hand auf mich.
6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, / zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
7 Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, / wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?
8 Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; / bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.
9 Nehme ich die Flügel des Morgenrots / und lasse mich nieder am äußersten Meer,
10 auch dort wird deine Hand mich ergreifen / und deine Rechte mich fassen.
11 Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, / statt Licht soll Nacht mich umgeben»,
12 auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag, / die Finsternis wäre wie Licht.
13 Denn du hast mein Inneres geschaffen, / mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
14 Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. / Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.
15 Als ich geformt wurde im Dunkeln, /kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, / waren meine Glieder dir nicht verborgen.
16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, / in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, / als noch keiner von ihnen da war.
17 Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken, / wie gewaltig ist ihre Zahl!
18 Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand. / Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, / prüfe mich und erkenne mein Denken!
24 Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, / und leite mich auf dem altbewährten Weg!

Seitwert


© Foto: M.Dufek - CC BY-SA 3.0


Aus dem Netz gefallen

Ist das nicht ein Schreibfehler? Sollte es nicht heißen: Aus dem Nest gefallen? Nun ja, es könnte auch so heißen. Denn wer aus dem sozialen Netz gefallen ist, der ist auch aus dem Nest gefallen. Der ist wie ein kleiner Vogel plötzlich am Boden ohne Schutz und Versorgung. Ich meine aber eine Erfahrung, die jetzt viele machen mussten. Ich auch. Nämlich dass wir aus dem Internet(z) gefallen sind. Und damit geht es einem ja dann ähnlich. Da liege ich nun unten und piepse, aber niemand hört mich mehr außer der Katze, die mich gleich holen wird. Aus dem Netz und aus dem Nest gefallen. Keine Verbindung mehr zur Umwelt!

Nun ja, so schlimm war es bei mir nicht. Ich habe immer, wenn die Verbindung unterbrochen war, den Stecker rausgezogen, und hatte dann nach den berühmten 2 Minuten und einem Neustart wieder Verbindung. Ich weiß so auch gar nicht, ob ich mit gehackt worden bin oder nicht – übrigens gehackt welch schönes neues Wort, bzw. welch schöne neue Bedeutung. Es kann auch sein, dass es die Altersschwäche meines Routers oder Computers war, die sie sie sich gegenseitig nicht mehr erkennen und Verbindung aufnehmen ließ. Vor einem Jahr ungefähr, da hatte ich den Netzausfall eine Woche lang. Ja, das hat das Leben dann schon viel mühsamer gemacht: Internetrecherche – vor allem für update-seele natürlich. Versenden des Wochenimpulses. Kontakt mit den Leserinnen und Lesern usw.

Glücklicherweise habe ich nicht das, was die meisten Menschen fast ständig in der Hand halten, ein Smartphone, ein iPhone, ein modernes Mobiltelefon, mit dem man ständig im Netz ist. Ich habe so eines der alten Holzklasse ohne Fotoapparat und ohne Internet und ohne die berühmten Apps, meins ist halt nur zum Telefonieren. Wenn einem so ein neues Smartphone ausfällt, dann ist es wohl viel schlimmer, als wenn mal der Router keine Route mehr findet. Denn bei diesen Smartphones habe ich den Eindruck, nicht ich trage das Handy, das Handy trägt mich. Und wenn das ausfällt, dann bin ich wirklich aus dem Netz und aus dem Nest gefallen.

Eine Morgenandacht mit Gedanken zur Woche hatte jetzt das gleiche Thema. Hier können Sie es hören. Und hier können Sie sich den Text herunterladen. Da wurde angespielt auf den schönen Psalm 139 „Der Mensch in Gottes Blick“. Das Netz verbindet uns mit allem. Aber es weiß auch alles über uns. „Ob ich sitze oder stehe, du weißt es.“ So singt der Psalm. Wir werden erreicht, aber auch geortet. Wir sammeln Daten durch das Netz. Das Netz sammelt zugleich Daten über uns. Und vielleicht mehr als wir. Es ist fast alles kostenlos und hat doch seinen Preis gerade darin, dass es uns kontrolliert. Das Netz nimmt allmählich Gottes Stelle ein. Und es wird immer umfassender und enger geknüpft. Bis ins letzte Alpental soll das superschnelle Internet vordringen.

Ja, da ergibt sich die schöne Adventsfrage. Wie ist es denn bei mir? Wieviel Platz nimmt das Netz bei mir ein? Oder wie sehr fängt es mich ein? Wie unentbehrlich ist es mir? Hat es auch bei mir schon Gottes Stelle eingenommen? Oder ist es eben nur ein Mittel, zum Beispiel um zu beten mit www.sacredspace.ie . Das mache ich ja öfter am Ende meines Tages, bevor ich den Kasten endgültig ausschalte.

Natürlich sage ich: Selbstverständlich ist das Netz nur ein Mittel für mich. Aber immer wieder machen sich Mittel unvermerkt selbst zum letzten Ziel. Das ist beim Netz so. Das kann auch der Fußball sein. Oder die Gesundheit. Oder meine Arbeit. Oder mein Joggen. Oder mein WhatsApp, aber damit sind wir ja schon wieder im Netz. Nun, Sie wissen selbst, da wird es gefährlich, wo es kippt: Von der Hilfe in die Abhängigkeit. Vom Spaß zur Sucht. Von der Freiheit zur Sklaverei. Immer, wo das passiert, da ist etwas vom Mittel zum Ziel geworden und hat sich an die Stelle Gottes gesetzt. Das kann, wie ich es erlebt habe, sogar die Meditation sein, wenn sie kippt von der Ausrichtung auf Gott weg dorthin, wo sie nur noch mir selbst dienen soll.

Gottes Netz, so sagt unser Glaube, ist keines, das uns fängt, sondern eines, das uns hält vor dem Fallen. Gott benutzt uns nicht. Aber er lässt sich auch nicht benutzen. Religion kann kippen und zum Fangnetz werden, aber nicht Gott (aber sehr wohl mein Gottesbild). Freilich kann immer wieder mein Glaube, mein Gottvertrauen umkippen in Misstrauen und dann liest sich auch der Psalm 139 ganz anders. Aber von Gott her bleiben Zusage und Treue und Achtung vor meiner Freiheit. Denn er hat uns gewollt, er hat uns geschaffen und die Freiheit erfunden. Und er schaut voll Liebe nach uns und trägt uns. Gott sei Dank!

Frohe adventliche Tage
Thomas Gertler SJ

7. Dezember 2016

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