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Jesu wichtigste Predigt ist die Bergpredigt und darin sind die Seligpreisungen der Beginn. Er will den großen Wandel. Er will aus Trauerklößen Lachtauben machen. Und alle, die jetzt traurig sind, dürfen sich jetzt schon auf ihr eigenes Lachen und das Lachen Gottes freuen. Ins Rheinische übersetzt ist das dann Karneval. Er macht sich lustig über das, was häufig traurig ist. Und er relativiert es auf diese Weise.

© Foto: Jorgebarrios - CC0 1.0

Lk 6,20 - 21

6,20 Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. 21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. / Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler


Feiern – aber immer

Dieses Bild habe ich im frommen Paderborn aufgenommen. Valentinstag immer vom 15. bis 14. Februar! Äh, das ist doch ein Schreibfehler! Bis ich kapiere: Valentinstag das ganze Jahr bis nächstes Jahr 14. Februar. So wie Fastnachtfeiern von Fastnachtsdienstag bis Rosenmontag. Und nicht: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei…! Oder wenn wir Weihnachten feiern würden vom 25. Dezember bis zum 24. Dezember. Feiern – aber immer!

Wäre das aber nicht ziemlich unerträglich? Jeden Abend „Stille Nacht…“ Es gibt eine Satire von Heinrich Böll: „Nicht nur zur Weihnachtszeit“, in der das ganze Jahr Weihnachten gefeiert wird. Furchtbar! Schrecklich! Und Valentinstag? Das ganze Jahr? Na, dann ist vielleicht die Liebe endgültig am Ende? Karneval das ganze Jahr? Nein, doch lieber nicht: Feiern – aber immer?

Andererseits erinnere ich mich an dieser Stelle an ein bekanntes Buch von Josef Pieper, „Zustimmung zur Welt. Eine Theorie des Festes.“ Die Grundthese lautet da, dass das christliche Fest hervorhebt und bewusst macht, was uns ständig umgibt und immer da ist, nämlich die Schönheit der Schöpfung, die Liebe Gottes, die Nähe lieber Menschen. All das umgibt uns ständig. Wir nehmen es alltäglich nur nicht so richtig wahr, weil es so alltäglich ist. Darum wird es in der Feier gefeiert und wird ihm zugestimmt. Darum wird es hervorgehoben und bewusst vollzogen. Ein Fest aus dem Ja, aus der Zustimmung zur Welt.

Ja, so waren auch immer unsere schönsten Feste. Aus der Freude an der Welt, am Leben, am Dasein des anderen, am eigenen Dasein. Und da natürlich und letztlich auch aus Dankbarkeit gegenüber dem, der das alles schenkt und gibt und seine Sonne aufgehen lässt über uns allen. Aus Dank an Gott. Wenn ich das spüre: diese Freude am anderen und das selbst angenommen und bejaht sein, dann brauche ich beim Fest nicht als Mauerblümchen in der Ecke zu stehen, sondern kann mich freudig einbringen. Dann kann ich mich zeigen und aus mir herausgehen und mitfeiern. Das ist einfach wunderbar! Mit wem feiern Sie so auf diese Weise? Kennen Sie solches Feiern aus Zustimmung zur Welt?

Oder sind Ihre Feste eher wie die anderen Feste, die es auch in Piepers Buch gibt: Das Fest als Flucht aus der Welt, aus dem Nein zu diesem Dasein. Ein Fest, bei dem es viele laute und überlaute Musik geben muss, nicht nur um den Alltagsärger zu übertönen, sondern um all die Aggression und Wut rausschreien zu können. Ein Fest, bei dem der Alkohol in Strömen fließen muss, um zu vergessen. Und es Alkohol oder andere Mittel geben muss, um gute Laune zu bekommen. Viele Feste gerade von jungen Leuten sind so. Sie sind orgiastisch. Und sie sind furchtbar. Und sie enden mit einem scheußlichen Kater. Diese Art von Festen sollten uns aufmerksam machen, wie viele junge Menschen die Welt, die anderen, sich selbst erfahren. Nein zu allem. Nein, zur Welt. Und eben ganz oft Nein zu sich selbst.

Unsere schönsten Feste waren die in der Studentengemeinde. Illegal, damals in der DDR, am Ende der achtziger Jahre. Wir haben sie als Hochzeit in der Dorfkneipe angemeldet. Höhepunkt und Abschluss des Patronatsfestes der Leipziger Gemeinde auf dem sächsischen Dorf. So viel an Anspannung nach Festvortrag, selbst gestaltetem Theaterabend und Themenrunden fiel glücklich ab. Am Ende dieses Wochenendes wurde dann gefeiert mit viel Freude an den anderen und daraus entstanden dann spontan Kreativität, Gelöstheit, Freude, Tanz. Ja, Leben ist so wunderbar! Und ich erinnere wie der Herr der Dorfkneipe zu mir kam und sagte: „Also so ein tolles Fest habe ich noch nie erlebt. Eine solche sagenhafte Stimmung. Alle so froh und doch keiner besoffen. Keine Schlägerei.“ Er hatte wirklich Tränen in den Augen, als er das sagte. Seine Festerfahrung war sonst eine ganz andere. Gott sei Dank für solches Feiern!

Jetzt feiern wir Fastnacht. Möge das Feiern aus dem Ja und der Dankbarkeit hervorgehen und uns von Herzen mitfeiern lassen!

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

22. Februar 2017

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