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Aus dem Buch Tobit stammt die alttestamentliche Fassung der so genannten Goldenen Regel:
„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Sie steht auch mehrmals im Neuen Testament: Mt 7,12 und Lk 6,31. Sie ist die Grundlage für das, was wir unter Fairness verstehen.
Das Buch Tobit gehört zur Weisheitsüberlieferung. Gott führt den, der gerecht und gut (fair) handelt am Ende zu Gerechtigkeit und Glück, auch wenn es erst gar nicht so aussieht, sondern er zuerst Hohn, Spott und Verachtung erntet.

Tob 4,13 - 19

4, 13 Denn Stolz führt ins Verderben und bringt Zerrüttung mit sich. Auch Charakterlosigkeit führt zu Erniedrigung und großer Not; die Charakterlosigkeit ist nämlich die Mutter des Hungers. 14 Wenn einer für dich gearbeitet hat, dann enthalt ihm seinen Lohn nicht vor bis zum nächsten Tag, sondern zahl ihn sofort aus! Wenn du Gott auf diese Weise dienst, wird man auch dir deinen Lohn auszahlen. Gib Acht auf dich bei allem, was du tust, mein Sohn, und zeig durch dein Benehmen, dass du gut erzogen bist. 15 Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu! Betrink dich nicht; der Rausch soll nicht dein Begleiter sein. 16 Gib dem Hungrigen von deinem Brot und dem Nackten von deinen Kleidern! Wenn du Überfluss hast, dann tu damit Gutes und sei nicht kleinlich, wenn du Gutes tust. 17 Spende dein Brot beim Begräbnis der Gerechten, gib es nicht den Sündern! 18 Such nur bei Verständigen Rat; einen brauchbaren Ratschlag verachte nicht! 19 Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt.

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© Foto:Rick Dickeman - CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons


Fair Play

Jetzt schaut jeder irgendwann mal Fußball. In den Nachrichten ist die Europameisterschaft ständig präsent. Und da nicht nur die Ergebnisse der Spiele. Da hören wir auch von Fan-Auseinandersetzungen, vom Prügeln der Hooligans. Da sehen wir Bilder, wie jemand am Boden noch getreten wird. Da sehen wir, wie der Fußball verzerrt wird zum Krieg. Kein Fair-Play, sondern das Gegenteil. Das ist furchtbar.

Aber es gibt das faire Umgehen miteinander. Es gibt das wirklich. Und das ist immer bewundernswert. Da habe ich neulich einen Zuspruch am Morgen gehört, wo es nicht nur gefordert wurde, sondern in dem tatsächliche Beispiele genannt wurden. Nicht nur, dass man nach einem Foul die Hand annimmt, die einem als Bitte um Vergebung gereicht wird. Das sehe ich jetzt auch oft bei den Spielen und das trägt dazu bei, dass so ein Spiel tatsächlich Spiel bleibt und nicht zum reinen Kampf ausartet und dann brutal wird. Eben dass man den anderen auch als Spieler und Partner sieht und nicht nur als Gegner.

Nein, es gibt auch noch weiter gehende Fairness. So hörte ich in dem Radiobeitrag, dass Miroslaw Klose im Jahr 2005 im Spiel von Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld den Schiedsrichter darauf hinwies, dass er einen Elfmeter zu Unrecht gegeben hat. Er sagte dazu: "Ich denke, in so einem Moment muss man so reagieren - man muss es den Schiedsrichtern heutzutage so einfach wie möglich machen und ihnen nicht extra Steine in den Weg legen. Letztendlich wird immer der belohnt, der fair ist." So denken leider nicht viele. Aber so ein Denken und Handeln stärkt eine solche Einstellung bei allen.

Aaron Hunt sagte dem Schiedsrichter im Jahr 2014 im Spiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg nach einer Schwalbe, für die er einen Elfmeter zugesprochen bekommen hatte, dass es eine Schwalbe war. "Es war schnell klar für mich, dass ich da die Wahrheit sage. So wollen wir kein Spiel gewinnen, auch wenn es der Abstiegskampf ist", sagte Hunt.

Im Februar 2016 ließ Andy Peters, Trainer des DJK Arminia Eilendorf sogar ein Tor für seinen Verein annullieren. Der Schiedsrichter hatte es gegeben, obwohl es aus einer klaren Abseitsposition geschossen wurde. Und am Ende verlor DJK Arminia Eilendorf mit 3:2. Das ist wirklich fair, ja, dann schon fast heroisch. Das liegt bei echter Fairness oft gar nicht weit auseinander. Einfache Fairness und echtes Heldentum. Da schaut eben jemand nicht nur auf sich selbst sondern auch auf die anderen und wirklich auf die Wahrheit und unterstellt sich ihr. Gibt der Wahrheit die Ehre. Und das kann mit ziemlichen Opfern verbunden sein.

Aber das hilft dann wirklich allen. Es stärkt das Gute bei mir selbst. Es stärkt auch bei allen anderen das Gute. Selbst wenn es viele gibt, die hämisch darüber lachen. Selbst wenn es viele gibt, nicht nur im Sport, sondern auch sonst im Leben, bei der Arbeit und in der Politik, die niemals einen Fehler zugeben. Sie wollen stark sein, sie sind es aber gar nicht. Sie haben Angst davor, als schwach zu gelten, wenn sie einen Fehler zugeben. O wie arm ist so ein Mensch und wie vielen macht er das Leben schwer. Sehr schwer.

Nein, es geht auch fair und ehrlich und das bringt wieder Freude und Freiheit ins Spiel, nimmt ihm die Verbissenheit und Härte. Stärkt auch das Entgegenkommen und die Fairness des Gegners.

Das ist die frohe Botschaft des Fußballs.

Viel Freude an den Spielen!
Thomas Gertler SJ

22. Juni 2016

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