Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.deImpuls der Woche
DeutschEnglishFrancais

Die Pfingstsequenz wird dem Theologen Stephen Langton (~ 1150-1228) zugeschrieben. Er war Erzbischof von Canterbury und hat an der Magna Charta mitgewirkt, einer frühen Rechterklärung, die den König an das Recht band, einer Vorform der Verfassung. Und hier noch das Lied in seiner lateinischen Fassung.

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller Armen du,
Aller Herzen Licht und Ruh’,
Komm mit deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh’,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der trostlos weint.

O du Licht der Seligkeit,
Mach dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Dein lebendig Wehn
Nichts im Menschen kann bestehn,
Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht.

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.

Heil'ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

Spende uns der Tugend Lohn,
Lass uns stehn an deinem Thron,
Uns erfreun im Himmelssaal.

Seitwert


© Foto: M. Groß


Atme in uns, Heiliger Geist!

Jetzt im Frühling ist die Luft manchmal so seidenweich. So eine richtig duftige Luft. Es ist eine Freude, sie einzuatmen. Sie belebt mich richtig. Kennen Sie das auch? Ganz von selbst strecke ich die Arme aus und atmet tief ein, wenn ich aus dem Haus trete. Das ist großartig.

Das am meisten gebrauchte Bild für den Heiligen Geist in der Bibel ist die Atemluft. Pneuma, das griechische Wort meint lautmalerisch den Atem mit dem herausgestoßenen Pn…, genauso der lateinische spiritus, ebenfalls lautmalerisch mit seinem „spi“ am Anfang, bei dem man die Luft ausstößt, wie Sie leicht ausprobieren können. Diesem Bild wollen wir ein wenig nachgehen, denn es ist reich und vielsagend.

Der Heilige Geist umgibt uns ständig wie die Atemluft. Wir atmen ganz von selbst und bemerken das gar nicht. Wir merken es nur, wenn es schwer wird, beispielsweise, wenn wir Treppen oder Berge steigen. Da kann einem die Luft schon mal knapp werden und dann schnappt man nach Luft. Der Heilige Geist ist auch so: immer da und selbstverständlich und darum selten bewusst bemerkt. Wenn er ausgeht, dann wird es schwierig.

Wir sind uns heute immer mehr bewusst, wie wichtig unser Klima ist. Klimagipfel nach Klimagipfel findet statt, aber durchgreifend bewegt hat sich erst beim letzten etwas. Ob es tatsächlich umgesetzt wird, das bleibt noch fraglich. Aber es ist klar, dass es schwerste Folgen haben wird, wenn wir das Klima nicht in den Griff bekommen. Klima und Atmosphäre sind gewissermaßen die ins Universale geweitete Atemluft. Und das ist auch beim Heiligen Geist so. Er weht nicht nur in der Kirche und im kleinen Kreis. Er weht wie der Wind in der ganzen Welt. Und ob es Gottes Geist ist, dem Raum gegeben wird, oder dem Ungeist, das können wir an den Kriegen und an den Gewalttaten ablesen. Gottes Geist führt zum Leben, führt dazu, dass Menschen endlich aufatmen können. Der Ungeist führt zu Hass, Misstrauen, Intoleranz und Unterdrückung. In unserer unmittelbaren Umgebung können wir es am Klima oder der Atmosphäre an unserem Arbeitsplatz, in unserer Gemeinde, im Bekanntenkreis, in der Familie ablesen: atme ich auf oder stöhne ich? Bekomme ich Luft oder nimmt es mir da den Atem? Fühle ich mich frei oder unter ständigem Druck? Gute Frage zur Unterscheidung der Geister!

Die Luft ist zuweilen heftig bewegt. Das Pfingstfest wird in der Apostelgeschichte mit dem Brausen eines gewaltigen Sturmes verglichen. Bewegt sich noch was in meinem Leben? Bewegt mich noch was und begeistert mich, setzt mich in Bewegung und motiviert mich? Oder ist überall Flaute? Gottes Geist bewegt. Aber nicht irgendwohin, sondern dieser Wind hat eine Richtung. Er führt zu mehr Freiheit, zu tieferer Wahrheit, mehr in die Mitte, mehr in die Liebe und die Gemeinschaft. Er führt nicht ins Chaos und in die Zerstreuung, nicht in inneren oder äußeren Nebel, nicht in die Übertreibung und ins Extrem, nicht in die Polarisierung und nicht ins Nebensächliche und auf das Nebengleis. Diese Geistesluft kann Sturm sein oder auch sanftes Säuseln. Beides kann vieles bewirken. Und diese Geistesluft ist gewissermaßen die weibliche Seite Gottes, wie es so schön an den sanften Strophen der Pfingstsequenz abgelesen und nachgesungen werden kann.

An dieser Stelle breche ich den Impuls ab. Sie dürfen gern selbst weiter meditieren und diesem Bild von der Atemluft weiter nachgehen, vom Luftkurort bis zum Frühlingsduft in der Luft vom Anfang des Impulses oder was Ihnen der Geist eingibt.

Es grüßt Sie herzlich und wünscht für den Katholikentag in Leipzig so eine gute Atmosphäre.
Thomas Gertler SJ

25. Mai 2016

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!